Signal an Erzieherinnen und Eltern

Auch in Eching erhalten die pädagogischen Fachkräfte in den Kindertagesstätten nun eine Arbeitsmarktzulage, wie sie in allen Kommunen ringsum längst üblich ist. Mit 12:1 Stimmen bewilligte der Hauptausschuss des Gemeinderats eine Zulage von je 200 Euro für Vollanstellungen und proportional weniger für Teilzeitbeschäftigte, die im Kindergartenjahr 2019 beginnt und zunächst bis 2020 befristet ist. Die Gemeinde wird das rund 340.000 Euro jährlich kosten.
Elternvertreter um Marie-Louise Brezansky und Frank Horlbeck hatten die Problematik zum Jahresanfang eindrücklich thematisiert und damit schließlich bei Bürgermeister Sebastian Thaler offene Türen eingerannt. „Es ist schon Zeit, mal der Realität ins Auge zu blicken“, sagte Thaler. Die Zulage sei im Vergleich zu anderen Berufsgruppen vertretbar, weil die Kinderbetreuung eine kommunale Pflichtaufgabe mit Rechtsanspruch der Eltern sei.
Zu Beginn dieses Kindergartenjahres mussten von einer Einrichtung fest zugesagte Betreuungsplätze storniert werden, weil kurzfristig Personal aufgefallen und Ersatz nicht zu kriegen war. Rund zehn Familien mussten spontan Betreuung für ihre Kinder improvisieren. „Noch zwei, drei Ausfälle, dann bricht hier wirklich der Notstand aus“, warnte Horlbeck, „das Eis ist sehr dünn, auf dem alle herumlaufen“.
Die Personalengpässe haben dabei weit gravierende Auswirkungen als „nur“ fehlende Betreuungsplätze. Wenn immer weniger Personal immer mehr Kinder betreuen muss, wackelt der Personalschlüssel, der vom Gesetzgeber als Minimum vorgesehen ist – und wird der nicht eingehalten, gibt es keine öffentliche Förderung.
Die Kindertagesstätte „Regenbogen“ der evangelischen Kirche etwa bekommt über eine halbe Million Euro an Fördermitteln, hat Pfarrer Markus Krusche ausgerechnet, ein Ausfall ist nicht zu kompensieren, der Kindergarten müsste dicht machen. Eine Kindertagesstätte in Eching hat die Vorgabe heuer bereits gerissen und darf gerade nur mit Sondergenehmigung aus dem Landratsamt weitermachen.
Und was die Eltern vor Jahresfrist am meisten mobilisiert hat, war die immer offenkundigere Problematik, dass unter dem Personalmangel die Betreuungsqualität massiv leidet. „Auf dem Papier stimmt’s immer noch irgendwie“, bestätigt Krusche, „aber irgendwann kommen alle am Zahnfleisch daher“. Man habe „nicht die besten Voraussetzungen für eine qualitative Förderung, wenn man nur schauen muss, dass man täglich irgendwie über die Runden kommt“, schildert Susanne Graßl, die Leiterin des „Hauses für Kinder St. Andreas“ der Katholischen Pfarrei.
Mit der Zulage holt Eching nun den Rückstand zu den anderen Kommunen auf. Ein derartiger Wettbewerb unter den Kommunen sei zwar „das Schlimmste“, bedauerte Thaler, aber als einziger nicht mitzumachen, sei nun nicht mehr vertretbar: „Wir können nicht warten, bis uns die Leute davonlaufen“.
Mittelfristig soll auch der Anstellungsschlüssel in den Einrichtungen verbessert werden. Zudem hat der Bürgermeister zugesagt, dass kommunale Wohnungen mit vergünstigten Wohnungen, die Eching ab 2020 plant, auch Kindergartenpersonal zur Verfügung stehen soll, das nicht bei der Gemeinde angestellt ist.

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