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Neues Leben bei 'Kittel'

Auf dem Gelände der ehemaligen "Carl Kittel GmbH" im Gewerbegebiet Nord herrscht wieder Betrieb. Die neue "Pulver Gesellschaft Eching (PGE)" produziert auf dem Gelände wieder mit derzeit 30 Beschäftigten und einer Schicht. Aktuell wird gerade als zweite Schiene der Produktion die Galvanik reaktiviert und der Betrieb damit weiter ausgebaut.
Weihnachten 2008 hatte der Automobilzulieferer "Kittel Supplier" Insolvenz angemeldet, über 500 Mitarbeiter waren betroffen. In der Nachfolge produzierte dann die Binder GmbH am gleichen Standort die gleichen Teile, ehe auch sie 2013 erneut die Werkstore schloss.
Richard Wagner, im April 2000 als Anlagenführer bei Kittel gestartet, am Ende des Unternehmens Abteilungsleiter und später Leiter der Oberflächentechnik bei Binder, hat die PGE gegründet und nutzt nun das gigantische Areal im Norden Echings. "Die Kapazität war wieder gefragt", erläutert er.
Bis Oktober war der Betrieb so weit reanimiert, dass eine Schicht wieder pulverbeschichtete Zierleisten produzierte. Abnehmer der Produktion des Unterlieferanten ist nun wieder die Binder GmbH, der auch das Gelände weiterhin gehört, eingebaut werden die Acrylleisten in Fahrzeuge der VW-Gruppe.
Während in den übrigen Werksteilen ein ziemlicher Investitionsstau abzuarbeiten ist, kann die PGE in der Galvanik auf eher neuwertige Anlagen zurückgreifen, teilweise wurden sie noch 2010 modernisiert. Dennoch ist der Aufwand für die mit vier Monaten angesetzte Reanimierung dieses Produktionsteil deutlich höher als vor dem Start.
Komplett erneuert wird etwa das Lüftungssystem, das im alten Betrieb ständig Ärger bei der Nachbarschaft wegen der Lärmentwicklung verursacht hatte. Mit der Sanierung werde das abgestellt, versichert Wagner. Das Echinger Rathaus hat den hierfür nötigen Umbau bereits genehmigt. Ende des Jahres will die PGA mit der Galvanik dann 80 Mitarbeiter beschäftigen.
"Das ist nicht die letzte Investition, die hier getätigt wird", verspricht Wagner. Allein an Gebäudeflächen gibt der Betrieb 13.000 Quadratmeter her - 2800 sind bisher erst wieder in Gebrauch. Das gesamte Areal an der Fürholzer Straße bietet 26.000 Quadratmeter Betriebsfläche. Bislang gibt es nur einschichtige Auslastung, auch das könnte sich ändern. Mittelfristig will die PGE "auch andere Kunden mal wieder ansprechen", schildert ihr Geschäftsführer.
Die 1949 in München gegründete "Carl Kittel GmbH", ein ursprünglich noch nicht hochspezialisierter Autoteilezulieferer, war 1970 aus Milbertshofen an die Fürholzener Straße gezogen, seinerzeit auf 12.000 Quadratmeter Produktionsfläche. Den Erfolg der Firma in den Anfangsjahren begründeten die von Kittel erfundenen Chromfelgenzierringe. Anfang der 80er Jahre wurde hier das erste Sicherheitsnabenlenkrad entwickelt und patentiert.
1987 wurde die Produktion auf Erstausstattung und Oberflächentechnik konzentriert, später auf Zier- und Funktionsteile. Kittel belieferte dabei fast alle Fahrzeuge der gehobenen Mittel- bis Oberklasse der europäischen Automobilhersteller. 1989, nach dem Tod des Firmengründers, wurde die GmbH von der Wanderer AG übernommen. Nach der Insolvenz 2008/09 kaufte die Binder GmbH die Anlage auf.

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