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Der Buchtipp: 'Sozusagen Paris'

Der Buchtipp:

Der Buchtipp für Januar, diesmal von Claudia Borst:
 
Navid Kermani: Sozusagen Paris
Hanser Verlag 2016, 22,- €
 
Welche Gefühle stellen sich bei Ihnen ein beim Gedanken an Paris? Eine Sehnsucht nach der großen Welt? Nach dem Gegenteil von Langeweile und Pflichterfüllung? Lebensgier?
Navid Kermanis Roman spielt mit diesem Klischee, das durch viele große französische Romane des ausgehenden 19. Jahrhunderts gespeist wurde – bei Proust, Stendhal, Balzac, Flaubert und Maupassant geht es um die Träume junger Frauen aus der Provinz, die sich aus ihrem tristen Eheleben heraussehnen.
“Für Jutta bin ich sozusagen Paris”, bildet sich der Erzähler ein, ein Schriftsteller, der auf einer seiner Lesereisen durch die Provinz unerwartet seine große Liebe von vor 30 Jahren vor sich stehen sieht. Pikanterweise ist sie die Hauptperson des Romans, aus dem er gerade gelesen hat. Auch er, der Erzähler, ist Opfer dieses Klischees, denn er glaubt, er müsse Jutta aus dem Gefängnis ihrer Ehe befreien und phantasiert sich schon ein lang ersehntes Wiederaufflammen ihrer Liebe, als er nach der Lesung mit zu ihr nach Hause geht.
Aber es kommt anders - und der Autor Kermani unterhält sich darüber immer mal wieder auch mit uns, seinen Lesern, und erinnert sich oft an Passagen aus der Literatur, um zu verstehen, was sich abgespielt hat in Juttas Eheleben und auch in seiner geschiedenen Ehe. Ganz schön verwirrend? Ja, manchmal schon, aber auch wirklich anregend.
Und auch zum Schmunzeln, wenn der Autor mit iranischen Wurzeln, der in einer deutschen Kleinstadt aufgewachsen ist, z.B. Bemerkungen über seine Lesereisen macht wie: ”Mit einem wie mir hat das Kulturamt zugleich die Integration abgebucht”.
Das Echo auf diesen Roman ist übrigens wegen der langen Zitate vor allem aus Prousts Romanen und der sich daneben angeblich trivial ausmachenden Schilderung von Juttas Eheleben z.T. kritisch. Andere – und dazu gehöre ich - schätzen die Vielschichtigkeit dieses Romans und seiner Reflexionen über das weite Thema, was von der Liebe und ihren Sehnsüchten bleibt nach langen Ehejahren.
Der 1967 geborene Autor hat zahlreiche Romane und Erzählungen, sowie Sachbücher und Essays veröffentlicht. Er wird seit seinen Reden vor dem Deutschen Bundestag 2014 und bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche im Herbst 2015 von den Medien in der Rolle des öffentlichen Intellektuellen gesehen und wurde als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ins Gespräch gebracht.
 
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