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Der (Doppel-)Buchtipp: 'Rückkehr nach Reims' und 'Das Ende von Eddy'

Der (Doppel-)Buchtipp:

Buchtipps für den Mai 2017, diesmal von Claudia Borst:
 
Didier Eribon: Rückkehr nach Reims
Suhrkamp Verlag, 18 €
 
Eduard Louis: Das Ende von Eddy
Fischer Taschenbuch Verlag, 9,99 €
 
Zwei Buchtipps - (nicht nur) zur Wahl in Frankreich! Weil sie zu lesen sind wie aktuelle Schlüssel zu der verstörenden Entwicklung des Rechtspopulismus' (wiederum nicht nur) in unserem Nachbarland. Und sie werden nichts von ihrer Brisanz verlieren, seit die Wahlen dort vorüber sind.
Die Autoren beider Bücher haben viel gemeinsam: Eribon (geb. 1953) und Louis (geb. 1992) sind heute sehr anerkannte Schriftsteller und Soziologen, stammen beide aus der Arbeiterschaft in Nordfrankreich, aus offen rassistischen Familien, die früher kommunistisch waren und heute Le Pen wählen, lebten mit ihren Familien in absoluter Armut und machten beide Erfahrungen mit großer körperlicher und seelischer Gewalt in Familie und sozialem Umfeld, weil sie anders waren, sprich homosexuell wurden.
Als ganz junge Erwachsene haben sich beide mit bewundernswertem Mut und großer Willenskraft aus ihrem unerträglich gewordenen Leben herausgerissen, um sich mit Hilfe von "eiserner Dressur" (Louis) eine neue Identität in einem neu erfundenen Leben in Paris zu erarbeiten.
Formal unterscheiden sich die Texte: "Das Ende von Eddy" ist ein autubiografischer Roman, den Louis lakonisch und ohne Selbstmitleid erzählt. Oft entsetzt, immer atemlos folgt der Leser den zum Teil drastischen Schilderungen des jungen Mannes, die einem auch deshalb so nahegehen, weil man sich beim Lesen immer wieder entsetzt klarmachen muss, dass es sich um Erfahrungen eines heute 25jährigen handelt und nicht um Geschehnisse aus dem 19. Jahrhundert.
In "Rückkehr nach Reims" berichtet Eribon von seinen Besuchen bei seiner Mutter nach Jahren der Kontaktlosigkeit. Aus ihren Fotos und Erzählungen entsteht die innere Konfrontation mit seiner Herkunft, die er erinnernd niederschreibt und immer auch in den Zusammenhang der politisch-gesellschaftlichen Entwicklung Frankreichs stellt. Die immer mal angefügten Ausflüge in die französische Philosophie sind für den nicht einschlägig vorgebildeten Leser eher mühsam - ich habe da etwas schneller gelesen, um wieder auf die wirklich fesselnden und erschreckenden Passagen der Lebensbeschreibung und Analyse vorzudringen.
 
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