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ORTSGESCHEHEN

Natur statt Konzept

Es war eine der Lieblingsgbeschäftigungen der Ortspolitik der vergangenen Jahre: ein Konzept für den Hollerner See. Dazu gab es einen Bürgerworkshop und ein teueres Plangutachten, politischen Streit und immer wieder Debatten und Auseinandersetzungen in Sitzungen des Gemeinderates und des Zweckverbandes Hollerner See.
Jetzt aber erledigt sich das Thema offenbar ganz geräuschlos von alleine. Am vakanten Nordwestufer des Sees passiert - nichts. Und das scheint einer breiten Front im Echinger Rathaus ebenso wie der Nachbarstadt Unterschleißheim das Liebste.
Bürgermeister Sebastian Thaler will statt einer Planung nun offenbar die faktische Entwicklung geschehen lassen. Für alle denkbaren Visionen an der Nordwestecke des Sees, der einzigen noch frei verfügbaren Uferlinie, müsste eine neue Erschließungsstraße von der Bundesstraße B13 her ans Nordufer geführt werden. "Nicht sinnvoll und nicht finanzierbar" nennt der Echinger Bürgermeister diese Variante, Unterschleißheim verwahrt sich dagegen ohnehin kategorisch.
Und wenn keine Erschließung angelegt wird? Der Münchner Erholungsflächenverein, der das seit zwei Sommern nutzbare Südufer als Badestrand betreut und in den kommenden Wochen das Ostufer ebenso gestalten wird, würde auch die vakante Ecke im Nordwesten sofort übernehmen.
Bei der Übergabe des Sees an den Verein war das Nordwestufer seinerzeit ausschließlich wegen der damaligen Thermenpläne ausgeklammert worden, der Beschluss des Trägervereins zur Übernahme des kompletten Geländes ist unverändert gültig.
Thaler erwartet, dass der Verein bei einer Übernahme an dem Gelände im Nordwesten "nicht viel verändern" würde. Der Rundweg um den See ist schon angelegt. Eventuell müsste eine WC-Anlage eine Lücke im Terrain schließen. Thaler würde seine Unterschrift sofort unter die Übergabe setzen, fraglich ist freilich, ob er im Gemeinderat auch eine Mehrheit dafür bekäme.
Eine planungsrechtliche Formalie könnte jetzt diesen Weg der Entwicklung durch Nicht-Entwicklung endgültig ebnen. Für die möglichen Zusatznutzungen südlich des See-Geländes, eventuell Surfpark, eventuell Caravanstellplatz, will Eching ebenso wie für ein Gewerbeprojekt einige hundert Meter nördlich an der Autobahn A92 rund 45 Hektar aus dem hier einschlägigen Landschaftsschutzgebiet "Freisinger Moos und Echinger Gfild" herauslösen.
Sollte das Landratsamt Freising damit Bauchschmerzen haben, hat das Rathaus die Naturschutzbehörde schon mal mit der Nase auf eine mögliche Kompensationsmöglichkeit gestoßen: am Nordufer des Hollerner Sees gehören 47 Hektar Fläche nicht zum Landschaftsschutzgebiet. Diese Fläche war seinerzeit ausgeklammert, um freie Hand für die Therme zu haben. Sie jetzt wieder unter Landschaftsschutz zu stellen, hieße, alle Erschließungspläne dort zu beerdigen.

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