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ORTSGESCHEHEN

Neubau von Ikea vorerst abgeblasen

Bisher hatten Eching und Ikea einen internen Wettkampf, wessen Großprojekt eher fertig würde, das Rathaus oder das neue Möbelhaus. Diese Wette wird Eching gewinnen. Der Neubau von Ikea ist auf Eis gelegt. Wann und wie gebaut werde, sei wieder "komplett offen", heisst es aus der Deutschland-Zentrale in Hofheim-Wallau, die nahezu baureif fortgeschrittene Planung werde "wieder auf Null gesetzt".
Nach einem Wechsel in der Konzernspitze ändert das Einrichtungshaus in großem Stil seine Expansionsstrategie hin zu Zentren größerer Städte. Ikea werde "künftig den Fokus auf Metropolregionen und Innenstädte legen", wird der Expansionschef von Ikea Deutschland, Johannes Ferber, zitiert, man werde sich "auf Standorte nahe der Stadtzentren konzentrieren".
Das Projekt in Eching wird nun ausschließlich im Kontext mit dem geplanten neuen Standort in der Münchner Innenstadt gesehen. Ikea ist dort derzeit auf der Suche nach einem dritten Standort im Großraum nach Eching und Brunnthal, der, so das Anforderungsprofil des Konzerns, "zentral liegt und für mindestens die Hälfte der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist".
Für die weitere Planung in Eching werde nun "insbesondere das Zusammenspiel mit einem ergänzenden Einrichtungshaus in der Innenstadt eine Rolle spielen". Der Möbelkonzern verfolgt nun "eine Multichannel-Strategie", die Einkaufserlebnis im Markt, online-Handel und Lieferwege flexibel aufstellen und aufeinander abstimmen will. "Wichtig ist für uns deshalb die enge Verknüpfung des stationären und des Online-Handels", betont Ferber. Damit dürfte wohl ein Neubau in Eching danach ausgerichtet werden, dass er die Strategie-Komponenten zum künftigen Münchner Haus ergänzt.
Für den Umbau in Eching sollte 2018 Baubeginn sein, 2020 war die Neueröffnung terminiert. Der Wechsel im September an der Spitze der Konzernzentrale in den Niederlanden zum neuen Chef Jesper Brodin hat die Pläne allerdings ins Stocken gebracht. Die seit September immer wieder verschobene Abstimmung der Pläne mit dem Echinger Rathaus blieb aus.
Vor dem Frühjahr hätten im Februar zur Vorbereitung der Baustelle Bäume gerodet werden müssen, auch das geschah nicht. Während man im Rathaus noch davon ausging, dass die Baumfällarbeiten zur Baustelleneinrichtung dann eben im Herbst folgen werden, hat Ikea das komplett storniert. Der bisher verfolgte Zeitplan und alle bisherigen Infos über die Pläne seien "überholt", sagte Ikea-Sprecherin Chantal Gilsdorf auf Nachfrage.
Eine Eröffnung 2020 sei "nicht mehr realistisch". Intern werde freilich "definitiv weiter geplant". Wahrscheinlich wird dazu aber abgewartet werden müssen, bis ein Standort in der Münchner Innenstadt gefunden und geplant ist. Nach von Ikea bisher nicht bestätigten Meldungen soll die Paketposthalle an der Arnulfstraße der Favorit sein.
Eching war 1974 der erste Ikea-Markt in Deutschland. Mit dem Ansatz, Möbel zum Selberbauen "auf der grünen Wiese" von den Kunden selbst abholen zu lassen, revolutionierte der Konzern damals den deutschen Markt. Jetzt geht die Strategie wieder weg von den Ortsrandlagen hin zur zentralen Erreichbarkeit mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein zeitgleich mit Eching geplanter Neubau in Bottrop wurde von Ikea jetzt wegen der "dezentralen Lage des Grundstücks abseits des Stadtzentrums" komplett abgeblasen.

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