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Echinger Fachbetriebe

MAIL AUS ECHING


16.07.17, Betreff: Re: AW: Bitte verzeihen sie mir ihren Fehler

16.07.17
Einem ernsthaften, älteren Mann in den aller-, allerbesten Jahren schmeichelt es gleichwohl immer, wenn er für jünger gehalten wird. Insofern war es mir eine große Freude, als mir die Deutsche Bahn in meinem jahrelangen BahnCard-Abo für 2017/18 diesmal die abersowasvoncoole BahnCard-Jugend zustellte.
Die Mühsal auf der ersten Fahrt, mit dem Schaffner klarzukommen, dass eine Bahncard auf meinen Namen mit meiner registrierten BahnCard-Nummer auch tatsächlich meine BahnCard sein könnte, war natürlich zu vernachlässigen gegen die innere Genugutuung, mit einem Dokument ausgestattet zu sein, das ein Alterslimit von 23 besaß.
Deutlich weniger locker nimmt das die Deutsche Bahn AG, die mir sehr übel nimmt, dass ihr zu meinen Ungunsten ein Fehler unterlaufen ist. Meine Bitte, den Fauxpax doch zu korrigieren und mir wie seit über 15 Jahren die reguläre BahnCard zuzustellen, wurde vom zuständigen Servicecenter sehr verschnupft aufgenommen; zunächst möge ich doch bitte anhand eines amtlichen Dokuments nachweisen, dass ich nicht mehr unter 23 sei.
Weil ich wohl nicht schlüssig genug belegen konnte, dass ich im Laufe meines mehrjährigen Abos nicht heimlich jünger geworden bin, hat mich nun eine gebührenbewehrte Mahnung erreicht, meine Jugend-BahnCard doch endlich zu bezahlen.
Offenbar verzeiht die Bahn ihre Fehler den Kunden nur sehr ungern. Sollten die nächsten Tage keine Berichte mehr in der echinger-zeitung.de erscheinen, könnte es sein, dass ich wegen nicht bezahlter Verbindlichkeiten in Beugehaft genmmen wurde; oder die Bahn hat mir eine Kinder-BahnCard zugestellt und ich besuche die Grundschule.

27.04.16
Nach einem Wahlkampf in einer kleinen oberbayerischen Gemeinde, den ich als Berichterstatter begleiten durfte, rügte mich die Ehefrau eines unterlegenen Kandidaten wegen meiner mangelnden Objektivität. Überspitzt zusammengefasst wäre es ein Zeichen journalistischer Objektivität gewesen, ihren Mann subjektiv zu unterstützen.
Nach einer gefühlten Wahrnehmung ist "die Presse" an 48 Prozent aller Wahlniederlagen schuld, überboten nur vom Wetter (52 %), das ja permanent die Anhänger der Sieger in die Wahlkabinen treibt, die eigenen Fans aber abhält. (An Wahlsiegen übrigens sind Wetter wie Presse grundsätzlich unbeteiligt.)
Es ist folglich davon auszugehen, dass ich auch im gerade anlaufenden Bürgermeisterwahlkampf wieder über einen der beiden Kandidaten so schlecht geschrieben haben werde, dass der verlieren musste. Die Frage, ob ich als Lokaljournalist die Wählermeinung überhaupt beeinflussen kann, soll von Seminaren der Kommunikationswissenschaft gelöst werden; meine Frage ist vielmehr: warum soll ich das überhaupt wollen?
Was habe ich davon, ob Sebastian Thaler oder Thomas Kellerbauer Bürgermeister wird? Keiner der beiden ist ein inniger Kumpel von mir, keiner der beiden Namen wäre im Kontext mit meiner Kontonummer bislang in den Panama Papers entdeckt worden. Ich wohne nicht mal in Eching.
Wahrscheinlich will ich eine Partei zum Sieg schreiben, das will "die Presse" ja immer gern. Nun gehöre ich keiner politischen Partei an und verteile bei Wahlen meine Stimmen stets sehr vielfältig und absolut situationsbezogen; aber selbst wenn ich der glühendste SPD-Anhänger der Welt wäre - was hätte ich davon, wenn Thaler (der noch dazu parteilos ist) als Kandidat der SPD Bürgermeister in Eching wird?
Dieses Denkmuster ist mir fremd. Ich kann schon bei Siegen der Fußballnationalmannschaft nichts damit anfangen, dass dann "wir" gewonnen haben. Und wie zufällig oder willkürlich ist denn eine Parteizugehörigkeit für das kommunalpolitische Geschehen? Was ist an einer Meinung des künftigen Bürgermeisters zur Südumgehung CSU oder SPD?
Ich halte diese parteipolitische Fixierung ebenso wie die rein sportliche Wahrnehmung von Wahlen ("wir" müssen gewinnen) für einen ganz wesentlichen Faktor der Politikverdrossenheit. Wenn ich mit bundespolitischen Zielen der CSU sympathisiere, warum bin ich dann verpflichtet, als Bürgermeister für Eching Franz Hausl besser zu finden als Joachim Enßlin und zugleich Josef Riemensberger besser als Anette Martin und zugleich Thomas Kellerbauer besser als Sebastian Thaler?
Ein absolut konstruiertes und völlig absurdes Szenario soll das verdeutlichen: hätte die CSU früher gewusst, dass Riemensberger nicht mehr antritt, hätte Kellerbauer abgewunken und wären im Tennisclub die "Schwarzen" rühriger als die "Roten" - vielleicht hätten die dann Thaler angesprochen statt jetzt die SPD auf ihrer Kandidatensuche. Dann würde die CSU, die jetzt Thaler bekämpft, weil er SPD ist, stattdessen Thaler unterstützen, weil er CSU ist. Thaler aber wäre der gleiche.
Wer der bessere Bürgermeister für Eching ist, weiß keiner, und wir werden es auch nie erfahren, weil es einer der beiden nicht wird. Beide sind ein Wechsel auf die Zukunft.
Wer seine Wahl davon abhängig machen will, welche Partei dahinter steht, mag das tun. Mir ist das zu albern.
Ich versuche, auch im Wahlkampf wie immer objektiv zu sein - in meinem Verständnis von Objektivität, nicht in dem der oben zitierten Ehefrau.
 
30.11.14
Ein Gedankenspiel zur Asyldebatte: Mal angenommen, 100 Europäer würden wahllos zusammengesammelt und in einen Wohncontainer, sagen wir in Kambodscha, gesteckt.
Was würde sich da nicht alles finden: Italiener und Finnen, Katalonen und Spanier, Ost-Ukrainer und Russen, Familien und Singles, Gesunde, Kranke, Junge, Alte, Fans von Real Madrid und von Bayern München, Christen, Muslime, Hindi und mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit auch Steuerbetrüger und Kinderschänder. Und über all diese Etikettierungen hinaus hätte jeder der hundert auch noch seine individuelle Biografie und sein Einzelschicksal.
All das können wir uns bei den Hessen oder Tirolern in dem Gedankenspiel mühelos vorstellen - nur bei den realen Asylbewerbern offenbar nicht, die in der gleichen Situation aus Afrika tatsächlich in unsere Container zusammengesperrt werden. Hier stehen wir davor wie im Zoo und fassen der Einfachheit der Diskussion wegen alle -zigtausende im ganzen Land zusammen: Die Asylanten.
Pauschalisierung tötet jede Debatte. Und so formiert sich die Front derjenigen, die "die Asylbewerber" als arme Opfer bemuttert, gegen jene, für die "die Asylbewerber" Sozialschmarotzer sind, die auf "unsere" Kosten durchgefüttert werden. Recht haben beide: unter den paar hundert Asylbewerbern im Landkreis gibt es solche und solche und übrigens auch noch ganz andere. Aber entwertet die eine Erkenntnis denn die andere?
Darf Bayern 99 Flüchtlingen nicht mit Gastfreundschaft und Großzügigkeit begegnen, weil der hundertste ein Betrüger ist, der nur absahnen will? Soll der Staat nicht Kriminelle, Asoziale und Betrüger aussortieren und des Landes verweisen, nur weil Milde gegenüber den Hilfsbedürftigen eine Tugend ist?
Ich kenne syrische Schicksale, bei denen auch der Stammtisch sein "olle woins doch bloß unser Geld" schnell hinunterschlucken würde. Aber ich bin auch überzeugt, dass in Bayern gerade Flüchtlinge durchgefüttert werden, die zum Beispiel in Syrien auf der Seite der Folterer standen und mal den eleganten Absprung gesucht haben. Und über die Konfliktlinien in Schwarzafrika fehlt den meisten ohnehin der Hintergrund.
Wenn man das Recht und die Gesetze ernst nimmt, werden die staatlichen Stellen diese Auswahl schon treffen. Für die erwiesen Hilfsbedürftigen sollte in der wohnhabendsten Region der Welt Gastfreundschaft das mindeste sein. Betrügern muss niemand nachweinen. Und bis die Entscheidungen gefallen sind, gilt die Ehrlichkeitsvermutung. Das können wir uns leisten.
Erweitern Sie das Gedankenspiel eingangs einfach noch und stellen sich selbst als einen der hundert im Wohncontainer in Kambodscha vor...

03.08.14
Der aktuelle Trainer des TSV, Fredy Ostertag, war zu seiner aktiven Zeit Mittelstürmer, wie das damals hieß, und zwar ein so was von "echter Neuner", wie ihn heute wahrscheinlich nicht mal mehr Otto Rehhagel aufstellen würde (trainiert der eigentlich noch irgendwo?).
Als Ostertag sehr, sehr höherklassig für den SV Lohhof stürmte (und ich darüber berichtete), traf ich ihn am Abend vor einem sehr, sehr wichtigen Spitzenspiel bei Türk Gücü im Oberschleißheimer Volksfest. (Ich weiß nicht, wie das heute ist, aber damals war das eine gängige Art der Vorbereitung auf sehr, sehr wichtige Spiele.)
"Dene Türken", tönte er statt einer Begüßung, "hau i morng vier Tore nei!" Ohne zu zögern, streckte ich ihm meine Hand entgegen: "I wett 50 Mark dagegen." (Als Lohhof sehr, sehr höherklassig spielte, zahlte man noch in D-Mark.)
"Ha!", rief er, "de kriang drei Tore vo mir, werst seng!" Meine Hand blieb ausgestreckt. "50 Mark dageng", wiederholte ich.
"Na guad", sagte er, "dann wett ma, dass i morng zwoa Tore schiaß." "Abgemacht", sagte ich.
Er schlug ein. "Aiso, oa Tor morng, um 50 Mark."
Auf die 50 Mark warte ich heute noch...

27.06.14
Was für ein Stunt! Der Bursche, 11, 12 Jahre vielleicht, sauste mit seinem Fahrrad die Kante vom Bürgersteig runter, bremste, offenbar mit der Vorderbremse - und das Vorderrad blieb stehen, der Rest des Radls mit dem Fahrer schwang sich über das Rad, löste sich davon und Rahmen wie Bub klatschten auf den Asphalt. Das Vorderrad blieb einsam stehen und plumpste um.
Der kuriose Unfall ging völlig lautlos, das Rad quietschte nicht, als sich Rad vom Rahmen löste, der Bub schrie nicht, als er stürzte. Zwei Freunde waren da, er bewegte sich schon, saß auf der Straße. Kein Blut floß, niemand weinte. Im unmittelbar angrenzenden Biergarten beschäftigte sich man sich wieder mit seinem Weißbier und den Gesprächen.
Ein Mann stand dann von seinem Tisch und seiner Begleitung auf und ging zu dem Bub. Der war erkennbar benommen. Alles schmerzte wohl, er ging gespreizt, die Ellbogen waren aufgeschürft. Die Hände zitterten. Es war in jedem Fall gut, dass ein Erwachsener hinging, auch wenn's vielleicht wirklich nur das Papiertaschentuch für die Ellbogen brauchte. Der Mann tat erkennbar gar nichts - er war nur da.
Ich war auch im Biergarten und ich möchte ihm an dieser Stelle gratulieren und danken. Irgendwas an Empathie und Nachbarschaftstauglichkeit ist uns in der besten aller Wet verlorengegangen... 


09.05.14
Es geht ein Popanz um in der Kommunalpolitik, und der heißt Zweiter Bürgermeister. Dieser Posten wird maßlos überschätzt, ausgehend von den Gefangenen des Politbetriebes.
Die Ursache liegt ausschließlich im Zeitpunkt seiner Wahl: das Adrenalin aus dem Kommunalwahlkampf ist noch nicht abgebaut, die Wahl des Zweiten Bürgermeisters ist die erste Gelegenheit, im Gemeinderat die Muskeln spielen zu lassen. Die Starken müssen demonstrieren, was sie mit der gewonnenen Macht anfangen können, die Schwachen müssen zeigen, dass sie trotz einer Niederlage da sind.
Und dann? Was macht der Zweite Bürgermeister nach dem Gedöns um seine Wahl?
In Tat und Wahrheit gibt es exakt zwei Anforderungsprofile an einen Zweiten Bürgermeister und ausschließlich anhand derer sollte er auch ausgewählt werden. Er muss in der Lage sein, als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung die Rathausverwaltung abzuwickeln, wozu ein gutes persönliches Vertrauensverhältnis mit dem Bürgermeister hilfreich wäre. Und er muss so anständig repräsentieren können, dass bei Auftritten das Fehlen des wirklichen Bürgermeisters nicht zu sehr ins Gewicht fällt.
Das ist alles. Auf Entscheidungen, auf gemeindliche Strategien, auf Ausrichtungen der Ortspolitik hat ein Zweiter Bürgermeister nicht mehr oder nicht weniger Einfluss als jeder rührige Fraktionsvorsitzende, und das ausschließlich aufgrund seiner Persönlichkeit, aber nicht aufgrund des Amtes.
Unter diesen beiden Gesichtspunkten hatte Eching, soweit die Erinnerung zurückreicht, permanent ausgesprochen würdige Zweite Bürgermeister. In Verwaltungsvorgängen ist eine Absenz des Bürgermeisters nie aufgefallen und wo auch immer die Vizes der letzten Jahrzehnte repräsentierten, taten sie es höchst anständig.
Es besteht kein begründeter Zweifel, dass dies bei Otmar Dallinger anders sein wird. Es bestünde allerdings auch kein begründeter Zweifel, dass dies bei fünf oder sechs anderen Gemeinderäten anders gelegen wäre. Insofern ist es schon die Frage, wofür jenseits des Egos von Dallinger oder der Muskelspiele von CSU und Freien Wählern das Gewese um die Wahl gut war. Jede Scherbe, die dabei im Binnenverhältnis des Gemeinderats zerschlagen wurde, ist es nicht wert.
Der große Leitgedanke in diesem speziellen Fall war es, mit dem Renommee des Zweiten Bürgermeisters in zwei Jahren als Bürgermeister zu kandidieren. Allerdings gibt es auch nur sehr wenige empirische Studien, die belegen würden, dass der Titel eine Starthilfe ist. In Eching gilt als Mantra, dass es Josef Riemensberger 1998 als Zweiter Bürgermeister geschafft hat, zum Bürgermeister gewählt zu werden. Wie viel aber in der Gemengelage, die seinerzeit zur Wahl Riemensbergers geführt hat, dieses Mandat wirklich wert war, kann nie gelöst werden.
Wenn Dallinger 2016 zum Bürgermeister gewählt wird, dann mit absoluter Sicherheit nicht, weil er jetzt Zweiter Bürgermeister ist. Wenn es Riemensberger zum Beispiel darauf anlegt, wird sein Vize bis dahin überhaupt keinen öffentlichen Auftritt haben...
Zum Dritten Bürgermeister ist jede Einlassung überflüssig. München kommt mit drei aus - und Eching nicht mit zwei? Ohne Worte.

01.05.15
Weil ich gerade überlege, mir eine Uhr an die Wand zu hängen, fällt mir auf, dass ich über Zeit und ihre Relativität nicht mehr philosophieren kann, ohne an den Grassl Edi und den FC Neufahrn zu denken.
Es ist ja immer amüsant, welche Wirklichkeiten in der Zeitung abgebildet werden, und wie diese dann über die Jahre historische Wahrheit werden. Wenn jemand zum Beispiel die Zeitgeschichte von Hallbergmoos schreiben will, wird er auf den Abschied des langjährigen Bürgermeisters Ludwig Gruber stoßen und dazu sehen, wie ihm sein Nachfolger Manfred Pointner das amtliche Abschiedsgeschenk überreichte. Bei der Feier kam der Fotograf des "Freisinger Tagblatts" aus Termingründen schon vor dem offiziellen Beginn, so dass Pointner des Fotos willen Gruber das Geschenk da schon in die Hand drückte. Es folgte das Fest, bei dem Pointner Gruber das Geschenk überreichte. Und nach dem Ende kam aus Termingründen der Fotograf der "Freisinger SZ", so dass Pointner Gruber das Geschenk ein drittes Mal aushändigte.
Die Geschichte mit dem FC Neufahrn datiert aus einer prähistorischen Zeit, in der noch nicht jeder seinen Minicomputer inklusive Weltzeitanzeige in der Hosentasche herumtrug. Die Zeit entnahm man einer Armbanduhr, die in jenen Tagen auch noch primär die Zeit anzeigte und nicht wie heute den Kontostand. Folglich trug auch jeder eine Armbanduhr - außer mir und dem Grassl Edi. Was uns weiterhin verband, war, dass wir beide über die Bezirksoberliga-Spiele des FC Neufahrn berichteten, Edi für das "Tagblatt", ich für die "SZ".
Tore, Auswechslungen, Platzverweise, Großchancen - all diese Essenzen eines Fußballspiels mit Minutenangabe zu dokumentieren, ist die absolute Wesensgrundlage jeglicher Fußballberichterstattung. Leider waren nun aber ausgerechnet die beiden einzigen Berichterstatter die einzigen im gesamten Stadion, die zu all diesen Großereignissen die jeweilige Spielminute nicht wussten. Da wir aber andererseits auch die einzigen waren, von denen das Zahlenwerk dauerhaft dokumentiert wurde, hatten wir zwar keine Ahnung, dafür aber die Deutungshoheit. Solange wir uns einig waren, ist das Tor eben in der Minute gefallen, die wir für passend fanden.
Wenn wir einen verschossenen Elfmeter auf die 44. Minute datierten und danach passierten noch drei, vier Sachen, mussten wir eben nachträglich rückdatieren. Oder ein Tor wäre in der 35. Minute gefallen, aber 35. Minute hatten wir vergangene Woche schon, dann hatte Christian Stöger das 1:0 gegen Feldmoching eben in der 38. geschossen.
Wenn nun jemand die Geschichte des FC Neufarn anhand der Zeitungsberichte dokumentiert...

22.04.14
Über das Erstlingswerk von Christoph Poschenrieder urteilte einer der bedeutendsten Literaturrezensenten unserer Tage, der Roman "Die Welt ist im Kopf" sei "ein perlendes Lesevergnügen, das den Intellekt wie mit Federn kitzelt". Unter ungefähr 10.000 unverlangt eingesandten Manuskripten hatte der renommierte Diogenes-Verlag 2010 Poschenrieders Text zur Veröffentlichung angenommen; mittlerweile erschien sein drittes Buch, "Das Sandkorn", aus dem er am Mittwoch, 30. April, auf Einladung des "Echinger Bücherladens" im Bürgerhaus lesen wird (20 Uhr).
Die freundliche Besprechung eingangs stammt übrigens von mir; sie entstand, als vor dem Autorendebütant und mir das Weißbier im Schleißheimer Biergarten in den Gläsern perlte... Ungeachtet der biografischen Daten auf dem Klappentext seiner Romane - geboren in Boston, wohnhaft in München - ist Poschenrieder aufgewachsen in Garching, seine Patentante ist die Echinger Ehrenbürgerin Elfriede Liebl - und die ersten gedruckten Sätze des jungen Literaten waren auch in Eching zu lesen. Seine Ausbildung als "Schreiberling" startete Poschenrieder nämlich beim "Freisinger Tagblatt", übrigens als Praktikant unter -... na ja, so kam's zum gemeinsamen Weißbier...
Unsere gemeinsame Zeit in der Freisinger Redaktion gäbe auch viel Stoff für Geschichten, für die sich "Diogenes" allerdings eher nicht interessieren würde. Ich denke, in der ruhmreichen Geschichte des "Tagblatt" haben wir jene Woche exclusiv, in der die Zeitung von drei Azubis und vier Praktikanten verantwortet wurde. Dass sie jeden Tag trotzdem erschien, ist das kleinere Wunder gegenüber dem, dass nach der Woche das Redaktionsgebäude noch stand...
Schönen Abend bei der Lesung!

23.06.13
Der Titel des gestrigen TV-Krimis mit dem extracoolen Norweger Varg Veum schafft es ganz weit oben in meiner Hitliste unvergänglicher Gebrauchslyrik: „Tote Hunde beißen nicht", ausweislich des Vorspanns basierend auf dem Roman „Begrabene Hunde schlafen nicht".
Nun ist mein Norwegisch nicht hinreichend, um den Originaltitel herleiten zu können, aber hinter einem Titel „Begrabene Hunde schlafen nicht" steckt bestimmt eine interessante Geschichte. Wir Kriminologen spüren ja gerne nach, wo der Hund begraben liegt, und schlafende Hunde zu wecken, ist geradezu des Pudels Kern jedes Kriminalabenteuers.
Welchen athmosphärischen Grusel allerdings das Raunen hervorrufen soll, wonach die Hunde des Varg Veum gar nicht schlafen, sondern begraben sind, erschließt sich nicht auf Anhieb. Die Ahnung eines Rätsels vermitteln würde doch wohl eher die Botschaft, dass die Hunde nicht begraben sind, sondern schlafen?
Der TV-Verleih hat das wohl ähnlich gesehen, den Originaltitel Begravde hunder biter ikke und die deutsche Fassung verrührt, mit einer Prise deutschem Zitatenschatz angereichert und daraus die Variation „Tote Hunde beißen nicht" vergoren. Der Nutzwert für den Alltag ist deutlich geringer als die sprichwörtliche Information, wonach bellende Hunde nicht beißen, denn was von toten Hunden erwartet werden kann, ist weithin Allgemeingut, seien sie nun begraben, begravde oder im Pfeffer liegend.
Ob da der TV-Titular dem Norwegisch des Buch-Kollegen nicht traute? Ob eine hundsföttische Rechte-Konstellation eine Titel-Scheide entzwang? Wir wollen jedenfalls nicht hoffen, dass in dem Film da Hund varreckt ist und revanchieren uns bei Varg Veums Autoren mit einer Weisheit ganz ohne Hund: Nicht alles, was schief hängt, ist ein Bild.

17.05.13
Als Jupp Heynckes zum ersten Mal Trainer beim FC Bayern wurde, bestritt seine neue Mannschaft ihr erstes Warmschießen in der Saisonvorbereitung beim TSV Eching. Damals wurden Spiele dieser Qualität noch nicht live im TV übertragen, aber beträchlicher Trubel im beschaulichen Echinger Stadion an der Dietersheimer Straße war natürlich garantiert.
Auch die Kollegin von der "Freisinger SZ" und ich als TSV-Fußball-Berichterstatter für's "Freisinger Tagblatt" durften da ein bisschen in die große Fußballwelt schnuppern. Wir trauten uns sogar, auf dem Weg von der Trainerbank zum Sportheim Jupp Heynckes anzusprechen, ob er uns denn ein Statement zum Spiel geben würde. Er wolle nur kurz zur Mannschaft in die Kabine, sagte er, dann rede er mit uns, und verschwand.
Den lauen Abgang kannten wir schon von Landes- und Bayernliga-"Stars" zur Genüge; also kein Heynckes-Statement. Wir beschauten uns noch etwas den Trubel und suchten nach anderen Stimmen zu Spiel.
"Da sind sie ja", sprach uns plötzlich Jupp Heynckes an, "ich habe sie schon gesucht." Er war tatsächlich nur kurz bei der Mannschaft gewesen und suchte dann uns zwei Wichte, um das versprochene Gespräch mit den Lokalblättchen zu geben. Und er unterhielt sich ausführlich mit uns für eine Analyse von TSV Eching vs. Bayern München im "Freisinger Tagblatt".
Das war eine ebenso winzige wie belanglose Episode, aber Größe erkennt man immer zuerst an Kleinigkeiten. Seitdem halte ich Jupp Heynckes für einen ausgesprochen feinen Kerl. Was der FCB heuer alles so gewinnen mag, ist mir herzlich wurscht, aber für Heynckes freut es mich aufrichtig.  

06.04.13
Groß ist der Aufschrei über die Steueroasen "der Reichen", die jetzt auflagenfördernd scheibchenweise ausgeschlachtet werden. Welch ein Skandal! Welch ein bodenloser Verrat am Heimatland, welch unersättliche Gier, welch Mangel an Solidarität!
Das ist alles korrekt. Bloß zeigen an jeder Hand, die mit dem Finger auf die Steuerflüchtlinge weist, ganz deutlich drei Finger auf den empörten Rufer zurück.
Steuern am Fiskus vorbei sparen? Das macht von uns Normalos doch keiner! Clevere Modelle nützen, bei denen schon keiner ganz genau nachschauen wird? Für uns völlig undenkbar! Dem Staat etwas vorenthalten, was doch nur zu allseitigem Nutzen ist? Pfui, pfui, pfui!
Dass purer Eigennutz auch im Graubereich der Legalität vor dem primitivsten Solidaritätsgedanken geht, der sich nun mal in der Abgabe von Steuern manifestiert, das ist doch der allseits akzeptierte Nährboden, in dem dann diese Exzesse gedeihen. Von unseren Mauscheleien heben sie sich doch nur dadurch ab, dass es sich um höhere Beträge handelt.
Nein? Drücken Sie dem Handwerker am Samstag Vormittag den Hunderter in die Hand, wenn er Ihnen zuzwinkert, oder verlangen Sie die Rechnung über 123.80 plus Mehrwertsteuer?
Ob Steuerbetrug angeprangert wird oder die Gier nach Boni und hohen Gehältern - jeweils wird "in groß" und im Scheinwerferlicht doch nur das gespielt, was jeder "in klein" auch auf der Agenda hat.
Wir wollen diese entsolidarisierte Ellbogengesellschaft zu unserem Vorteil, aber wir wollen es eigentlich nicht wollen, wenn man es so nennt. Diese Doppelmoral muss durch das grelle Geschrei übertönt werden.
 
06.02.13
Ich bin insofern ein sehr altmodischer Journalist, als ich versuche, mir möglichst große Distanz zu den Themen, Objekten und Personen meiner Berichterstattung zu wahren, getreu dem von einem großen Kollegen formulierten Motto: keine Vereinnahmung, auch nicht vom Besten.
Zu einer emotionalen Ausnahme aber habe ich mich immer bekannt, seit ich die erste Bekanntschaft mit Eching schließen durfte: Ich bin ein absoluter Fan des "Echinger Forum".
Das ist rational sehr gut zu begründen, weil dieses Blatt nicht nur die Mutter aller Ortsnachrichtenblätter ist, die überall ringsum in den 40 Jahren nachgewachsen sind, seit das "Forum" besteht; weil es ein einzigartig lückenloses Kompendium des Echinger Ortsgeschehens bildet; weil es immer mit sehr viel Mühe, Kenntnis und Herzblut gestaltet wird und das ehrenamtlich.
Aber ich gestehe, dass schon fast ein Stück irrationale Liebhaberei dabei ist, die ich für das "Echinger Forum" stets empfand und empfinde.
Insofern war es eine absolute Herzenssache, dass ich nun seit 1. Februar die Leitung des Zeitungskreises übernommen habe. Patricia Linner, fast drei Jahre verantwortliche Redakteurin, hat die Aufgabe abgegeben und ich ungefähr einen Wimpernschlag nach dem Verklingen des Fragezeichens bei der Frage nach der Nachfolge zugesagt.
Eine strukturelle oder gar geschäftliche Verbindung zwischen "Echinger Forum" und echinger-zeitung.de ist damit nicht gegeben. Das Logo des "Echinger Forums" wird weiter (gratis) auf der echinger-zeitung.de aufscheinen wie seit der Begründung der online-Zeitung, und das war's dann. Ansonsten aber werde ich versuchen, beide Aufgaben zu trennen, so gut bei der Personalisierung auf engstem Raum eben geht. Dass ich gelegentlich auf Veranstaltungen als Berichterstatter für beide Zeitungen antreten werde, ist in Eching ja gewohnte Praxis...
Jedenfalls hoffe ich, dass ich das "Echinger Forum" in dem von Ihnen gewohnten und geschätzten Stil weiter begleiten kann und es Ihre Nummer Eins unter Echings Publikationen bleibt. Ich freu mich auf das "Echinger Forum"!

04.02.13
Parteipolitik ist wahrlich ein wunderlich Ding. Bringen wir die Abläufe rund um die Studiengebühren noch richtig auf die Reihe?
Die CSU hat in Bayern Studiengebühren eingeführt.
Sie hat gegen alle Versuche der Korrektur die Studiengebühren beibehalten und verteidigt, so dass es erst zu einem Volksbegehren kommen musste.
Das Volksbegehren hat jetzt eine Zustimmungsquote von rund 14 Prozent der Wahlberechtigten erreicht.
Ich hätte nun 14 innerhalb eines Spektrums bis 100 nicht als so deutliche Mehrheit in Erinnerung gehabt, aber in der gefühlten Algebra der Parteipolitik ist es offenbar eine so klare Mehrheit, dass nun die CSU die Studiengebühren immer schon abschaffen wollte.
Sie konnte es aber leider nie tun, da sie von ihrem Koalitionspartner daran gehindert wird, der zwar auf noch weniger als 14 Prozent kommt, was aber noch viel stärker zu sein scheint als die Volksbegehrens-14 und die arme CSU so in Schach hält.
Ist das alles schon noch normal?


30.01.13
Warum muss man das Leben eigentlich immer so künstlich komplizieren? Es wär doch alles so einfach...
Ein Manifest:
Wir wollen kein Restrisiko durch Atomkraftwerke und keine Umweltbelastungen durch Kohlekraftwerke, wir wollen keine Landschaftsverschandelung durch Sonnenkollektoren und Windräder - wir wollen Strom aus der Steckdose, und zwar reichlich, weil wir uns alles von elektronischen Geräten abnehmen lassen mögen.
Wir wollen keinen Verkehr in unserem Wohngebiet, wir wollen keinen Stau auf der Autobahn, wir wollen keine Umweltzerstörung durch Straßenbau - wir wollen freie Fahrt mit unserem Auto und das überall hin.
Wir wollen kein Genfood und keine Massentierhaltung, wir wollen keine Umweltlasten durch Lebensmitteltransporte, wir wollen keine Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese - wir wollen nur noch billigeres Essen und zwar saisonunabhängig immer das, worauf wir gerade Lust haben.
Herrschaftzeiten! Das ist doch nicht so schwer!


09.01.13
Kürzlich las ich einen Leitartikel einer Tageszeitung über den bayerischen Ministerpräsidenten, in dem ihm in einem Halbsatz attestiert wurde, „Politik für das Land" habe er nicht gemacht. Die Wertigkeiten, die damit ausgedrückt werden, finde ich bemerkenswert.
Was anderes ist denn die Aufgabe eines Ministerpräsidenten als „Politik für das Land" zu betreiben? Was anderes muss den Wähler und Leser interessieren als diese Frage - und doch ist dem Journalismus anderes, die Positionierung des Ministerpräsidenten in seiner Partei nämlich, einen mehrspaltigen Leitartikel wert, in dem diese zentrale Aussage einen Halbsatz einnimmt.
Dasselbe Phänomen steht hinter der gebetsmühlenartigen Analyse, das kooperative Verhalten der Bundes-SPD bei den einzelnen Passagen der Euro-Krise sei „gut für das Land, aber schlecht für die Partei". Ganz abgesehen davon, dass wir schleunigst unser politisches System überdenken sollten, wenn ein derartiges Paradoxon zuträfe; warum muss uns Wähler/Leser der Zustand der SPD gleichwertig wichtig sein wie die Zukunft unseres Geldes?
Es ist das Problem dieses eingebetteten Journalismus, dass er im Bewusstsein eigener Wichtigkeit weitgehend die Distanz zu seinen Themen und Objekten verloren hat. Sollte uns nicht die Arbeit des Ministerpräsidenten wichtig sein und journalistisch analysiert werden, die politische Leistung seiner CSU, die erreichten Ziele der SPD? Und nicht, wie sich Parteien, die im Zweifel weniger Mitglieder haben als der FC Bayern, im strategischen Binnenverhältnis verhalten?
Meines Erachtens ist diese Entwicklung auch ein wesentlicher Faktor der seit Jahren pharisäerhaft beweinten sogenannten Politikverdrossenheit. Bis auf einem Bodensatz Abgehängter würde ich der großen Mehrheit von Nicht- oder Protestwählern keinesfalls Verdrossenheit an der Politik unterstellen - nur hat das, was von unserem Parteienpersonal und in den begleitenden Medien als „Politik" verkauft wird, in den seltensten Fällen mit den allgemeinen Angelegenheiten zu tun, als die sich Politik definiert, sondern überwiegend mit Parteipolitik. Warum aber soll uns die interessieren?

 

02.01.13
Von potentiellen Werbekunden oder von wohlmeinenden Lesern beim Smalltalk werde ich immer wieder gefragt, wieviele Klicks denn auf der echinger-zeitung.de gezählt werden. Ich äußere mich dazu nie, was wahlweise als Unprofessionalität, Koketterie oder Scham ausgelegt wird.
Nur: was bringen diese Zahlen?
Wenn ich hier heute veröffentliche, die online-Zeitung habe 100 Klicks täglich - ist das viel oder wenig? Probieren wir's mit 1000 täglich? Gut oder schlecht? 10.000?
Eching hat rund 13.000 Einwohner, also vielleicht 6000 Haushalte? Wie viele sind online? Wie viele sind es im Büro?
Wie viele der publizierten Auflage eines Anzeigenblattes erreicht den Leser und nicht die Papiertonne? 
Im amerikanischen Basketball gibt es als Summe aller Statistiken die Einschätzung: numbers don't count, Zahlen zählen nicht. Wenn ich nun ein amüsantes Spiel auf die Seite stellen würde oder die wöchentliche Rubrik "Die nackte Echingerin" einführen - das würde die Klicks mit Sicherheit pushen. Ist es also gut?
Klickzahlen sind, wenn überhaupt, höchstens zur Vergleichbarkeit tauglich. Doch mit wem soll sich die echinger-zeitung.de vergleichen, die als ausschließlich für Eching gestaltete kostenlose online-Qualitätszeitung einzig ist?
Einziges Kriterium ist hier doch die "gefühlte" Reichweite. Wer liest die echinger-zeitung.de, wer spricht darüber, wer liefert Termine und Beiträge? (Und über welche Zeitung wird im Rathaus geschimpft?) Und damit bin ich ganz zufrieden und kann es auch jeder Anzeigenkunde sein...
In den Printmedien wurde als differenzierendes Quantitätskriterium mal eingeführt, welches Blatt die "Entscheidungsträger" erreiche. Hier möchte ich in aller Bescheidenheit die Prognose abgeben, dass die Verbreitung der echinger-zeitung.de bei Echinger "Entscheidungsträgern" bei 100 Prozent liegen dürfte.
Die echinger-zeitung.de wird es also auch 2013 weiter geben; das Sparschweinderl wird im Hintergrund gelegentlich quieken - und ich freu mich, wenn Ihnen das Draufklicken gefällt. Das nämlich ist das entscheidende Kriterium. Numbers don't count.

09.11.12
Wem ist an der echinger-zeitung.de heute was aufgefallen, Hand hoch! Nun, der aktuelle Relaunch, wie das unter uns Laien heißt, ist wahrlich nicht zu übersehen. Ein bisserl moderner sollt's halt werden, ein bisserl stilsicherer und ein bisserl neuer.
Hoffentlich sagt es Ihnen zu? Rückmeldungen, Kritik und Lob werden gerne angenommen!

13.10.12
Die Kinder, die in ihren Kindergartenküchen in Nord- und Ostdeutschland mit infizierten Erdbeeren vergiftet wurden, wurden krank und brauchen einen Arzt. Doch wie krank sind eigentlich wir, dass wir derartige Systeme zulassen und darin leben? Wie krank muss eine Gesellschaft sein, die aus Europa im September Erdbeeren in China einkauft? Die 44 Tonnen Früchte um den halben Erdball transportiert, wo sie über einen Monat unterwegs sind? Ist das noch mit unserer biologischen Selbsteinstufung als vernunftbegabte Lebewesen vereinbar?
Wie kann es überhaupt sein, dass eine Küche über 500 Kindertagesstätten versorgt? Weil sie am billigsten ist, natürlich. Aber wie geil ist denn Geiz, wenn das die Konsequenzen sind?
Wir hier im wohlhabenden Speckgürtel reden uns leicht, sicher. Geiz muss geil sein, weil sich sonst ein Großteil der Kinder das Essen nicht leisten kann, dort wie hier. Würde nun aber jede Kindertagesstätte selbst kochen, stünden ungleich mehr Leute in Lohn und Brot und das Essen dürfte folglich wieder teurer sein, weil es sich mehr leisten können.
Würden im September keine Erdbeeren verramscht, sondern Früchte, welche auch immer es um die jeweilige Küche herum gerade auf den Feldern gibt, könnten wieder ein paar Leute davon leben, diese Früchte anzubauen und die Essen könnten wieder etwas teurer werden, weil wieder... siehe oben.
Am kurzen Beispiel zusammengefasst heißt es, dass die Kinder krank wurden, weil die Essenszubereitung mit hohen Risikofaktoren belastet ist, da sie völligem ökologischen Irrsinn folgt, was aber von uns gewollt wird, weil dafür regionale Arbeitsplätze verloren gehen. Durch minderwertiges Essen und fehlende Arbeitsmöglichkeiten sinkt also die Lebensqualität, ein Preis, den wir gerne dafür bezahlen, dass über Planwirtschaft in China und hanebüchene Transportwege ökologischer Raubbau betrieben wird. Okay...

ich habe gerade Ihren...


20.09.12
Zu den vielen Service-Vergünstigungen, die von der echinger-zeitung.de geboten werden, gehört eine Auflistung von Betrieben in Eching, in die jedes Unternehmen kostenlos aufgenommen wird. Wie immer, wenn man meint, für etwas eigentlich ein Dankeschön verdient zu haben, setzt's stattdessen eine Watsch'n.
Irgendein so was von souveräner Businessman hat mich grad am Telefon zur Rede gestellt, wie ich mich eigentlich erdreiste, sein ehemaliges Unternehmen hier aufzuführen! Sein Anwalt wird sich drum kümmern. Meine Erklärung, dass dies einfach ein nett gemeinter kostenloser Service sei, verfing nicht, die Nennung des ehemaligen Unternehmens ist ja so was von schädlich, sagt auch sein Anwalt, mit dem er grad gesprochen hat, und wenn ich das nicht umgehend entferne, wird sich sein Anwalt mit mir in Verbindung setzen, und er behält mich in Beobachtung...
Nun ist meine bescheidene Weltsicht, dass jemand, dessen frühere Firma nicht mehr öffentlich erwähnt werden darf, ziemlich was verbockt haben muss, was eher nicht mit seinem coolen Auftritt korrespondiert... Die Firma jedenfalls hab ich noch während des Telefonats gelöscht. Hoffentlich beobachtet er das!
Weil ich aber lernfähig bin, wird jetzt auch auf der echinger-zeitung.de in der Sprache erfolgreicher Geschäftsleute agiert. Sie haben diesen Artikel gefälligst zu Ende zu lesen! Bei der nächsten Pointe wird gelacht! Mit meinem Anwalt hab ich bereits telefoniert.,..

03.09.12
Das Sommerloch wurde auf der echinger-zeitung.de mit einem umfassenden "Hau den Guido" in den Lesermails überbrückt, in akuten unter der sarkastischen Frage "Wo ist Langenstück?" und auch zu älteren Themen, beispielsweise "Bus mit 30 Kindern umgestürzt" oder "Bürgerentscheid soll Erschließungsfrage klären". Einige grundsätzliche Anmerkungen dazu...
Der theoretische Überbau, unter dem diese online-Zeitung antritt, ist, dass sie ein zutiefst demokratisches Instrument sein soll. Dazu gehört, dass sie kostenlos ist und bleibt (ein guter Schwenk, um das Sparschweinchen ins Spiel zu bringen...) und dazu gehört auch, dass sich jeder zu allem äußern darf. In meinem Verständnis von Meinungsfreiheit ist hier ein nachgeschobenes "aber" keine Einschränkung, sondern eine Verneinung. "Alle Mails werden abgedruckt, aber..." ist keine Meinungsfreiheit mehr.
Das heißt, dass die Lesermails (alle Lesermails!) von mir nicht zensiert, editiert oder in ihrer Qualität bewertet werden.
Die schiere Quantität von Herrn Langenstücks Mailbeiträgen sehe ich zweischneidig. Einerseits belebt er die online-Zeitung so, wie sich das ein Herausgeber nur wünschen kann! Andererseits prägt die Einseitigkeit dieser Fülle dieses Forum wiederum so sehr, dass andere Mails zwangsweise untergehen oder durchaus auch abgeschreckt werden.
Als Reaktion darauf habe ich kürzlich die neue Kennzeichnung "Guidomail" eingeführt, die es jedem erleichtert, der Herrn Langenstücks Kommentare ablehnt, sie nicht mehr "versehentlich" anzuklicken.
Und damit allen weiterhin viel Spaß mit der echinger-zeitung.de, auch mit ihren Leser- und ggf. auch ihren Guidomails! 

Ulla Grabow muss...

01.08.12
Der Gemeinderat will jetzt einen Kulturbeirat einrichten und intensiv über die künftige Ausrichtung der Kulturarbeit debattieren. Das ist löblich. Bloss sind die Leitlinien der künftigen Kulturarbeit längst festgelegt. Mit der Bestellung von Ulla Grabow zur Kulturamtsleiterin wurde entschieden, wie es mit dem Kulturbetrieb weitergeht.
Vernetzung, gesunde Mischung aus publikumswirksam und anspruchsvoll, Abstimmung mit anderen Häusern, Einbeziehung lokaler Initiativen - all das steht in den Kulturkonzepten, seit vor 30 Jahren das Bürgerhaus eröffnet wurde, und es steht in den Wahlprogrammen aller Parteien und es steht in den Arbeitsbeschreibungen aller Kulturamtsleiter. Wie ernst es aber im Alltag genommen wird, wo die Schwerpunkte gesetzt werden, was im Zweifelsfall den Vorzug bekommt, all das ist das individuelle Geschick und der individuelle Charakter der handelnden Personen und keine konzepttheoretische Frage. Können die jeweiligen Leute miteinander? Das ist die Grundfrage von Vernetzung und Austausch, nicht die Theorie dahinter.
Von der Weltgeschichte bis zur Ortspolitik wird meines Erachtens der "menschliche Faktor" grundsätzlich zu gering gewichtet. Mein Schlüsselerlebnis war die messerscharfe Analyse, aus welchen machtpolitischen Beweggründen und strukturpolitischen Motiven Friedrich I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, mehr Regierungszeit in Palermo als in Aachen verbracht hat.
Hey! Mal fünf Minuten angenommen, Sie wären Kaiser mit unbeschränkter Macht und unbeschränkten Mitteln, wo würden Sie länger residieren? In Aachen oder in Palermo? Na eben. Und haben Sie dabei eine Sekunde an die strukturpolitische Botschaft gedacht?
Der zählebige Knatsch zwischen Rathaus und Verein "Älter werden in Eching" hat seine Wurzeln auch ausschließlich da, wo's menschelt. Zeitweilig ist es in diesem Streit für die handelnden Personen am schwierigsten, zu erklären, worum sie eigentlich streiten. Könnte man die Personen auf beiden Seiten durch reine Sachmaschinen ersetzen, es würde klick hier und klack dort machen und der Konflikt, der jetzt so viel Geld und so viel Zeit kostet und so viel Porzellan zerschlägt, wäre vom Tisch.
Nun weist zwar Bürgermeister Riemensbergers Temperament die größten denkbaren Annäherungswerte an eine Sachmaschine auf - aber wo es um ein Renommierbaby seiner beiden direkten Amtsvorgänger geht, kommt offenbar auch bei ihm Emotion durch. Vor allem aber hat er auch Hintersassen und dass auf dieser Ebene die Chemie zwischen Rathaus und ASZ nicht wirklich stimmt, befördert die Malaise mehr als jede Zahl und jedes Votum.

Genau so ist es...

29.07.12
Südumgehung, Westerschließung, Nordwestumgehung, Umgehungsstraße für Dietersheim - gedanklich werden die Straßen nur so gebaut gerade. Nun hat Eching so lange überdimensionales Wachstum im Verkehrsnetz der 1950er Jahre abgewickelt, dass eine Ergänzung vielleicht Not täte; aber grundsätzlich führen die aktuellen Straßendebatten schon eher zu einem meiner Lieblingsthemen. Der Großraum München und Eching daran will sowas von modern und innovativ sein - und was sind auf dem Gipfel der Modernität und wissenschaftlichen Excellenz die Rezepte für ein gigantisches Verkehrsproblem? Noch mehr Straßen bauen.
Als Erfolgsregion fühlen und sich als lebenswert und modern preisen, kann man sich in Eching und Umgebung nur, wenn man gnadenlos verdrängt, dass eine der elementarsten Grundbedürfnisse, nämlich Verkehr und Mobilität, längst zusammengebrochen sind. Täglich zu Arbeitsbeginn und -ende, wöchentlich zum Wochenende und periodisch bei minimalen Störungen im System kollabiert ein fließender Verkehr, der längst über alle Verträglichkeitsgrenzen hinaus gewuchert ist. Der ruhende Verkehr ist nicht mehr in Griff zu kriegen, weil ungebremstes Wachstum ohnehin schon zusammengebrochene Systeme konstant weiter belastet.
Es ist mir als Landei auch nach 25 Jahren Beschäftigung mit der Region noch unverständlich, welch riesige Zahl von Menschen welch immense Zeit ihres Lebens im täglichen Stau und auf der täglichen Parkplatzsuche vergeudet, ohne gegen die allfällige Bankrotterklärung ihrer Politiker und Planer aufzubegehren - und ohne selbst etwas zu ändern.
Die Abkoppelung der Hollerner Straße und andere Rückbauten der 1980er Jahre mögen Fehler gewesen sein - aber hey!, es war wenigstens ein Versuch, sich mit der wuchernden Blechlawine auseinanderzusetzen! Heute kapituliert vom Rathaus bis zum Bundesverkehrsministerium jede Instanz vor dem Problem.
Es gibt nur einen einzigen Ansatz, Verkehr zu reduzieren: indem man Verkehr reduziert. Das hört sich blöd an? Wie hört sich die gängige Praxis an, Verkehr zu reduzieren, indem man ihm neue Straßen baut?
Gerade bin ich am täglichen Stau auf der Hauptstraße entlanggefahren. In gefühlt 85 Prozent der Autos saß jeweils ein Mensch. Könnte man einem Zivilisationsfremden so etwas als vernunftbegabtes Handeln verkaufen? Dass tausende Menschen, die allesamt bis auf Minuten in der Abfahrtzeit oder Meter in der Abfahrtsstelle den gleichen Weg zur gleichen Zeit haben, dies in individuellen Verkehrsmitteln tun müssen, um diese unterschiedlichen Minuten einzusparen - und dann alle miteinander Stunden im Stau stehen?
Aber anstelle dieses Verhalten als töricht, teuer und asozial zu brandmarken, wird im öffentlichen Diskurs von der Pendlerpauschale über die Benzinpreiskritik bis zur Straßenplanung nur salbadert, wie der Irrsinn erleichtert und gefördert werden kann.
Wo sind alternative Verkehrskonzepte? Wo ist die Förderung von Fahrradverkehr, von Fahrgemeinschaften, von Carsharing-Organisation in Wort und Tat? Wo ist eine wirkliche Modernisierung des antiquierten öffentlichen Nahverkehrs?
Es ist auch das allgemeine Bewusstsein, das den Verkehr bestimmt. Wir finden den Irrsinn normal und die politischen Gestalter tun alles, um ihn zu unterstützen: was soll sich da ändern?  

Ja, dass die Badeinsel...

22.07.12
Wie es mit der Badeinsel im "Ellwanger" wohl weitergegangen wäre, wenn sich Michaela Holzer nicht drum gekümmert hätte? Kaputt, restlos hin, sie muss raus: das waren unisono die Aussagen aus dem Rathaus und dem Erholungsflächenverein. Da waren sich beide noch einig, dass jeweils der andere zahlt.
Nachdem auf Nachfrage dann sich beide einig werden konnten, jeweils selbst sicher nicht zu zahlen, hätte es halt keine Insel mehr gegeben. Da war aber das Thema leider schon in der Welt, sprich in der echinger-zeitung.de - und schau mal, plötzlich konnte die Insel doch repariert werden.
Wie sich Sachzwänge manchmal doch wandeln können... 

Ja, Petrus scheint...
 
10.07.12
Wessen Verdienste in dieser online-Zeitung deutlich zu wenig gewürdigt werden, das ist der Wettergott. Dabei wird er in diesen Tagen mit schier untrüglicher Regelmäßigkeit überall beschworen, wo irgendwer irgendwas draußen veranstaltet und das in schriftlicher Form weitergibt.
Kurios daran ist ja, dass die hierzulande klar majorisierte Kirche über Jahrhunderte einige Mühe darauf verwendet hat, Wetter- und ähnliche Götter auszutreiben, gelegentlich auch unter Einsatz nicht ganz so frommer Mittel. Gleichwohl scheuen sich heute auch katholische Pfarrfeste oder evangelische Sommerbasare kein bißchen, ihr gelungenes Fest dem segensreichen Wirken des Wettergottes anheimzustellen.
Gern genommen in den Zusammenhang ist auch Petrus als Wettermacher und immer beliebter die Verknüpfung als Petrus, dem Wettergott. Haben wir dafür über Jahrhunderte Hexen verbrannt, Schamanen verdammt oder heidnische Blitzeschleuderer verlacht, dass jetzt über die Hintertür wieder kleine Ressort-Götter in den katholischen Himmel einziehen?
Nun, wer es dem Walten eines Wettergottes danken mag, dass bei einem Fest im Sommer die Sonne scheint, der mag das gerne tun. In der echinger-zeitung.de können Sie jederzeit die Suchfunktion in der linken Spalte bemühen, dort wird sich kein Wettergott finden, und solange Johannes, der potentielle Gott des online-Schreibens, mir beisteht, wird das auch so bleiben.
Man kann das gerne als Korinthenkackerei überzogen finden. Nur bin ich der festen Überzeugung, dass Sprache auch was sagt. Und wenn sich eine Zeitung keine Gedanken zur Sprachanwendung macht, wer dann?

Ich muss widersprechen...

05.07.12
Die Welt wäre ja bekanntlich besser, wenn wir Journalisten was zu sagen hätten. Genauso übrigens, wenn Kaminkehrer gefragt würden, Kindererzieherinnen oder Bauzeichner. Jedenfalls halt immer man selbst. Denn selbst wüßte man ja, wie alles am besten geht.
Der faszinierende Kosmos des Internet bietet nun Kaminkehrern, Kindererzieherinnen (oder Bauzeichnern) die Möglichkeit, der restlichen Welt zu sagen, wie man die restliche Welt so sieht. Und auch Journalisten.
So gibt es am Rande der echinger-zeitung.de künftig so was wie einen (eine? ein?) Blog, in dem nicht aus Eching journalistisch berichtet wird, sondern ein Berichterstatter aus Eching subjektive, unfrisierte (in dem speziellen Fall besser: unrasierte...) und ganz individuelle Gedanken mit der Welt da draußen teilt.
Das verstärkt dann auch die Leser-Bindung an die online-Zeitung, wissen kluge Berater. Denn natürlich können Sie auch mitreden: mail@echinger-zeitung.de
In diesem Sinne also gibt's an dieser Stelle nun "Mails aus Eching". Mal sehen, ob das Sparschweinderl der echinger-zeitung.de die verstärkte Leserbindung spürt... - oder zumindest die Welt besser wird...

Ihre vhs
PaLoTi
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Aktuell im Bürgerhaus
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Eching