Beitrag des Klimabeirats zum Neubaugebiet Eching-West

Aus dem Klimabeirat, verfasst von Simon Wankner und Vaclav Motlik:

Baugebiet West und die Sixtinische Kapelle von Michelangelo

Jeder kennt die Geschichte, wie Papst Julius II. Michelangelo beauftragte, die Decke der Sixtinischen Kapelle zu malen. Michelangelo war ein Fachmann. Er hatte Talent, hatte jahrelang gelernt und studiert, hatte jahrzehntelange Erfahrung. Michelangelo wusste, dass die Zeit gekommen ist, neue, andere Wege einzuschlagen.

Als die Fresken allmählich Gestalt genommen haben, haben die Kardinäle angefangen, die Bilder heftig zu kritisieren. „Man kann doch den Adam nicht nackt darstellen.“ „Es ist alles barbarisch, obszön.“ „Er malt unchristlich, wie die Griechen.“ „Es ist Blasphemie.“

Die Kardinäle waren sicherlich hervorragende Theologen oder Kirchenrechtler. Waren dies aber Voraussetzungen, um die Kunst eines Michelangelo beurteilen zu können? Zum Schluss haben die Kardinäle das Argument der Argumente gezogen – „die Kosten sind zu hoch.“

Der Papst hat die Kardinäle überstimmt, hat Geld besorgt und Michelangelo konnte sein Werk nach seinen Vorstellungen, so wie wir es bis heute bewundern, beenden. Es hätte anders ausgehen können…

Die Planung des Grünstreifens am westlichen Rand des Baugebietes West kann man, ohne zu übertreiben, als sehr gut bezeichnen. Es waren Fachleute am Werk. Es waren talentierte Leute im Planungsteam, sie haben jahrelang studiert und können sich auf jahrzehntelange Erfahrung berufen.

Das Planungsteam ist am Puls der Zeit. Es sind Fachleute, die wissen, wie man es machen muss, damit sich der Mensch in seinem Lebensraum gut fühlt und sein Zuhause einfach liebt. Das sind Werte, die nicht zu kaufen sind.

An der Planung ist nichts auszusetzen. Es ist in sich stimmig. Es ist ein vielseitiger Zugewinn der Lebensqualität für Anwohner und gleichzeitig kann es eine Maßnahme zum Schutz der Bebauung vor Klimafolgen werden.

Ein Bolzplatz – richtig platziert an der von der Bebauung am weitesten liegenden Ecke; es gibt leider noch Leute, die sich von spielenden Kindern gestört fühlen.

Ein verkehrsfreier, ruhiger Weg zum Spazieren, von allen Seiten zugänglich.

Eine Begegnungsinsel mit Bänken, geschützt im Grünen, hier sitzt und trifft man sich gern.

Eine Fläche, auf der ein richtiger Spielplatz für die Kleinen entstehen kann. Einer, der die Bezeichnung Spielplatz verdient.

Eine dichte und hohe Bepflanzung, die als Sturmschutz dienen kann.

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die Auswirkungen des Klimawandels sind da. Die derzeitige höchste gesellschaftliche Priorität ist, unsere und die Zukunft unserer Kinder zu schützen. Es ist eine nachgewiesene Tatsache, dass auf uns Wetterverhältnisse zukommen, die wir bis dato nicht gekannt haben (Arntal). Unser Leben muss schnellstens dekarbonisiert und unser Lebensraum an die Klimafolgen angepasst werden. Das Baugebiet West ist keine Ausnahme.

Die Stürme werden immer stärker und sie kommen fast immer aus dem Westen bis Süd-Westen. Das Baugebiet befindet sich am Ende eines flachen, offenen Geländes. Die Stürme prallen in voller Wucht gegen die am Rande des Gebiets stehenden Bebauung.

Die dichte und hohe Bepflanzung des geplanten Grünstreifens kann, bei richtiger Ausführung, den Wind anheben bzw. bremsen und so die dahinter liegenden Häuser schützen. Eine Stadtplanung, die diesen Aspekt nicht berücksichtigt, würde gegen eine klare Empfehlung der Bundesregierung verstoßen. Ob dieser Verstoß einen Planungsmangel darstellen würde und damit einklagbar wäre, wäre eine interessante rechtliche Frage.

Der Gemeinderat hat das Klimaschutzkonzept und dann das Gemeindeentwicklungsprogramm (GEP) beschlossen. In beiden Dokumenten ist der Schutz der Bebauung gegen die Klimafolgen verankert. Im GEP ist der Stark-Wind-Schutz am Rande der Siedlungen explizit vorgegeben. Es gibt Empfehlungen der Bundesregierung, die in die Planung des Grünstreifens offensichtlich eingeflossen sind.

Die Kosten einer öffentlichen Grünanlage bei einem neuen Baugebiet werden, so gut wie immer, auf die einzelnen Bauherren des Baugebiets umgelegt. Das ist die übliche Praxis und allen Bauherren ist dies von Anfang an bekannt. Die anteiligen Kosten der Freiflächengestaltung des grünen Randstreifens bei dem Baugebiet West sind in keinem Verhältnis zu den Gesamtbaukosten. Diese Kosten sind in der Lebensqualität bestens angelegtes Geld.

Die Bauherren des Baugebiets West sind mit den Kosten der geplanten Freiflächengestaltung nicht einverstanden und fordern eine Reduzierung der in der Planung vorgesehenen Leistung. Es wird dabei verkannt, dass eine fachlich geplante Freiflächengestaltung ein untrennbarer Bestandteil eines Bauwerkes, eines Baugebiets ist.

Es wird oft gefragt, warum ein öffentlicher Raum, eine öffentliche Grünanlage nach einer durch einen Fachmann erstellte Planung, ausgeführt werden muss. Ein paar Bäume und ein Bolzplatz, das kann doch jeder.

Die richtige Antwort ist: Es sind Fachleute, die eine Farbpalette für Autolackierung entwickeln, Fassaden architektonisch gestalten oder unsere Kleidung entwerfen, damit wir uns in schöner Kleidung gut fühlen. Das alles sind Teile unseres Lebens. Und warum vom Fachmann(-frau)? Weil er (sie) es kann.

Die Gemeinde (– Kardinäle) haben sich bei einer Gemeinderatssitzung getroffen und haben die Planung des grünen Streifens, bildlich gesagt, zerrissen.

Die anwesenden Fachleute waren sprachlos und einen Papst, der die Kardinäle überstimmt hätte, hat die Gemeinde Eching leider nicht. Da war der Michelangelo besser dran.

Zutreffend war die rhetorische Frage Herrn Bürgermeister Thaler: „Brauchen wir in Zukunft für unsere Vorhaben überhaupt Fachleute? Der Gemeinderat kann es doch besser.“

Die Gemeinderäte haben mit etlichen Beschlüssen in die Fachplanung eingegriffen und damit zum ersten ein Stück Lebensqualität der Öffentlichkeit genommen:

  • Entfall der Beleuchtung (Sicherheit?)
  • die „Fitnessanlage“ (Calisthenics) soll entfallen (im Dr. Enßlin-Park wird diese sehr stark genutzt)
  • Tischtennisplatte soll entfallen

Und zum zweiten wird der Bebauung der mögliche Sturmschutz genommen. Es wurde beschlossen, dass die dichte Bepflanzung vereinfacht, bzw. durch eine Streuobstwiese ersetzt wird.

Der Gemeinderat hat nun ein Problem. Eine vereinfachte Bepflanzung, bzw. eine Streuobstwiese ist kein geeigneter Sturmschutz, es ist keine Maßnahme der Klimafolgenanpassung, zu der sich der Gemeinderat mit eigenem Beschluss verpflichtet hatte.

Es ist aber nicht zu spät. Die Dächer sind noch nicht davongeflogen. Der grüne Rand des Baugebietes ist noch nicht gebaut. Manchmal trifft man nicht die richtigen Entscheidungen. Die fehlerhaften Beschlüsse können korrigiert werden. Eine gute Planung für den grünen Streifen liegt vor.

(Die nicht genordete Grafik aus dem Klimabeirat zeigt den ursprünglichen Landschaftsplan; unten ist der Grünstreifen zur Westseite.)

3 Lesermails

  1. Ich finde es befremdlich, wie in diesem Beitrag die Anwohner und der Gemeinderat dargestellt werden. Nur weil ein Planungsbüro oder einzelne Personen ein Studium absolviert haben, macht sie das nicht automatisch zu unfehlbaren Fachleuten.

    Auch Talent und „Puls der Zeit“ sind in dieser Planung fraglich – immerhin stammt sie aus einer über 6 Jahre alten Vorlage, in der weder aktuelle Preisentwicklungen (z. B. Granit +150 %) noch die Einkommenssituation der begünstigten Zielgruppe berücksichtigt wurden.

    Die Behauptung, der Entwurf sei ein „Zugewinn an Lebensqualität“, ist sehr subjektiv. Für uns Anwohner bedeutet Lebensqualität in erster Linie, dass unsere Bedürfnisse ernst genommen werden – und die hat der Gemeinderat hier ausnahmsweise einmal umgesetzt.

    Ein Bolzplatz existiert bereits 300 m weiter, ein Spielplatz mit ein paar wenigen Geräten ist für die Kinder hier kaum relevant (die meisten sind dem Alter längst entwachsen) und eine Calisthenics-Anlage mitten im Wohngebiet hat keinen echten Nutzen – schon gar nicht im Vergleich zu der Anlage im Freizeitgelände.

    Besonders fragwürdig finde ich die Argumentation zum „Sturmschutz“. Dichte Strauchpflanzungen mögen in der Theorie wirken, in der Praxis nehmen sie uns vor allem die Aussicht – und genau diese war für viele von uns ein erheblicher Faktor bei der Kaufentscheidung. Bäume schützen ebenfalls und erhalten gleichzeitig die besondere Lagequalität. Lebensqualität bedeutet für uns nicht, eine Wand aus Sträuchern vor der Nase zu haben oder sinnlos Geld für eine Wegbegrenzung aus dem Fenster zu schmeißen, sondern den Ausblick genießen zu können.

    Auch die Kostenfrage wird im Artikel verharmlost. Wir reden hier nicht über „Peanuts“, sondern über knapp 9.000 € Nachzahlungen pro Haushalt – nach bereits ca. 40.000 € Erschließungskosten. Uns wurde bei Vertragsabschluss von Gemeinde und Verwaltung sogar kommuniziert (auch schriftlich), dass die Kalkulation so gut sei, dass keine oder nur geringe Mehrkosten entstehen würden. Dass uns jetzt nachträglich der schwarze Peter zugeschoben wird, ist für mich schlicht nicht akzeptabel.

    Wer nicht hier lebt, nicht täglich mit den Folgen dieser Planungen konfrontiert ist und die Kosten nicht tragen muss, sollte nicht so leichtfertig über unsere Wünsche hinweg urteilen. Klimafolgenanpassung ist zweifellos wichtig – aber dafür braucht es moderne, realistische Konzepte, die mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.

    Richtige Fachleute hören den Betroffenen zu, berücksichtigen aktuelle Entwicklungen und verteidigen nicht veraltete Pläne über die Lebensrealität der Anwohner.

  2. – Entfall der Beleuchtung (Sicherheit?)
    – die „Fitnessanlage“ (Calisthenics) soll entfallen (im Dr. Enßlin-Park wird diese sehr stark genutzt)
    – Tischtennisplatte soll entfallen …

    Aber, aber, meine Herren, haben Sie doch bitte Verständnis dafür, dass die Gemeinde jetzt sparen muss, wo sie nur kann.

    Schließlich wurde 2020 per Gemeinderatsbeschluss der seit über 5 Jahren leerstehende ehem. „Huberwirt“ nur deshalb für über 5 Mio. € von der Gemeinde gekauft, damit er nun endlich als Aufstellfläche für ein paar Kunstwerke dienen kann (die echinger-zeitung.de berichtete unlängst über die diesbezüglichen Lobeshymnen der KFE-Vorsitzenden Dr. Sybille Schmidtchen).

    Da müssen so lebensunwichtige Dinge wie eine Beleuchtung, eine Fitnessanlage und eine Tischtennisplatte im Wohngebiet Eching-West jetzt logischerweise dem Rotstift zum Opfer fallen. (Ironie off)

    Übrigens: Es gibt leider auch Fachleute, deren Expertise angezweifelt werden darf. Ich erinnere nur an den Persilschein für unseren (Noch-)Bürgermeister Sebastian Thaler, den die ehemalige Anwaltskanzlei, die unsere Gemeinde jahrzehntelang juristisch beraten und vertreten hatte, ihm in Zusammenhang mit seiner Raufereigeschichte am Echinger See ausgestellt hatte (die Anwaltskanzlei hat bekanntlich mittlerweile 30.000 € außergerichtlich an die Gemeindekasse zurückbezahlt).

    Vielleicht sollte aus mehreren gegebenen Anlässen über dem Eingang zum Sitzungssaal im Rathaus ein Schild mit der Aufschrift „Rathaus von Schilda“ angebracht werden.

    Ansonsten kann ich mich den Ausführungen der Herren Wankner und Motlik vollinhaltlich anschließen.

  3. Interessant, wie der Artikel komplett am Kernproblem der Bauherren (den spät kommunizierten Kosten) vorbeischreibt.

    Jeder Bauherr wäre sonst mit den bestehenden Plänen einverstanden gewesen… Woher kommt diese Misskommunikation?

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