Ich finde es befremdlich, wie in diesem Beitrag die Anwohner und der Gemeinderat dargestellt werden. Nur weil ein Planungsbüro oder einzelne Personen ein Studium absolviert haben, macht sie das nicht automatisch zu unfehlbaren Fachleuten.
Auch Talent und „Puls der Zeit“ sind in dieser Planung fraglich – immerhin stammt sie aus einer über 6 Jahre alten Vorlage, in der weder aktuelle Preisentwicklungen (z. B. Granit +150 %) noch die Einkommenssituation der begünstigten Zielgruppe berücksichtigt wurden.
Die Behauptung, der Entwurf sei ein „Zugewinn an Lebensqualität“, ist sehr subjektiv. Für uns Anwohner bedeutet Lebensqualität in erster Linie, dass unsere Bedürfnisse ernst genommen werden – und die hat der Gemeinderat hier ausnahmsweise einmal umgesetzt.
Ein Bolzplatz existiert bereits 300 m weiter, ein Spielplatz mit ein paar wenigen Geräten ist für die Kinder hier kaum relevant (die meisten sind dem Alter längst entwachsen) und eine Calisthenics-Anlage mitten im Wohngebiet hat keinen echten Nutzen – schon gar nicht im Vergleich zu der Anlage im Freizeitgelände.
Besonders fragwürdig finde ich die Argumentation zum „Sturmschutz“. Dichte Strauchpflanzungen mögen in der Theorie wirken, in der Praxis nehmen sie uns vor allem die Aussicht – und genau diese war für viele von uns ein erheblicher Faktor bei der Kaufentscheidung. Bäume schützen ebenfalls und erhalten gleichzeitig die besondere Lagequalität. Lebensqualität bedeutet für uns nicht, eine Wand aus Sträuchern vor der Nase zu haben oder sinnlos Geld für eine Wegbegrenzung aus dem Fenster zu schmeißen, sondern den Ausblick genießen zu können.
Auch die Kostenfrage wird im Artikel verharmlost. Wir reden hier nicht über „Peanuts“, sondern über knapp 9.000 € Nachzahlungen pro Haushalt – nach bereits ca. 40.000 € Erschließungskosten. Uns wurde bei Vertragsabschluss von Gemeinde und Verwaltung sogar kommuniziert (auch schriftlich), dass die Kalkulation so gut sei, dass keine oder nur geringe Mehrkosten entstehen würden. Dass uns jetzt nachträglich der schwarze Peter zugeschoben wird, ist für mich schlicht nicht akzeptabel.
Wer nicht hier lebt, nicht täglich mit den Folgen dieser Planungen konfrontiert ist und die Kosten nicht tragen muss, sollte nicht so leichtfertig über unsere Wünsche hinweg urteilen. Klimafolgenanpassung ist zweifellos wichtig – aber dafür braucht es moderne, realistische Konzepte, die mit den Menschen vor Ort entwickelt werden.
Richtige Fachleute hören den Betroffenen zu, berücksichtigen aktuelle Entwicklungen und verteidigen nicht veraltete Pläne über die Lebensrealität der Anwohner.
Antonio Stahl