Seit langem ist es ein gewohntes Bild, dass Eching einen sehr komfortablen Haushaltsplan aufstellt – und den am Jahresende dann sogar noch übertrifft. Regelmäßig bleibt trotz ambitionierter Projekte Geld übrig, das dann die Rücklagen flutet, Kreditaufnahme ist seit über zehn Jahren kein Thema.
Heuer könnte nun ein Wendepunkt erreicht sein. Einmütig verständigte sich der Finanzausschuss des Gemeinderats darauf, die Einnahmen für 2026 knapper zu kalkulieren als zuletzt. Obwohl man heuer wohl über 14 Millionen Euro an Gewerbesteuer kassieren wird, werden für das kommende Jahr unter 13 Millionen erwartet. „Es könnte knapp werden“, mahnte Gemeindekämmerin Andrea Jensen.
Und für die laufenden und geplanten Investitionen müssten dann nach den derzeitigen Planungen ab 2027 wieder Kredite aufgenommen werden, da die Rücklagen von etwa 16 Millionen Euro bis dahin aufgezehrt sein dürften.
Bürgermeister Sebastian Thaler wies darauf hin, dass im Vergleich zu anderen Kommunen Eching „noch eine positive Situation“ aufweise, allerdings würde man „auch hier merken, dass sich die Schere zwischen Aufgaben und Einnahmen immer weiter öffnet“. Über die obligaten Pflichtaufgaben hinaus „leisten wir uns auch gerne viel im Gemeinderat“, merkte er an, „was aber auch wichtig ist“.
Die Personalkosten der Gemeindeverwaltung liegen mittlerweile bei 14,2 Millionen Euro, die Umlagen an den Landkreis und andere Abgaben summieren sich auf 16,5 Millionen Euro. Damit sind die größten Einnahmequellen, die 13 Millionen an Gewerbesteuer und die Beteiligung an der Einkommenssteuer mit erwarteten knapp 15 Millionen Euro schon ziemlich aufgebraucht.
Die aktuell teuersten laufenden Projekte sind eine Kindertagesstätte Eching-West mit Wohnungen darüber für erwartete Gesamtkosten von 17,6 Millionen Euro, für die 2026 bereits 2,4 Millionen im Etat stehen, sowie der Wohnblock an der Pommernstraße, geschätzte Gesamtkosten 6,1 Millionen Euro, der 2026 mit 3,2 Millionen zu Buche schlägt.
Der Gemeindebauhof soll nun doch nicht verlegt werden, wie das lange diskutiert war, sondern am Standort saniert und erweitert werden. Dafür sind Gesamtkosten von fünf Millionen Euro vorgesehen, 2026 sind erste 1,25 Millionen angesetzt.
Der Umbau der alten Post zu einer Einrichtung für Wohnungslose soll 1,7 Millionen Euro kosten, 2026 wirksam werden 225.000 Euro. Für die jüngst beschlossene Optimierung der Radwege durch das Gewerbegebiet Ost fallen 470.000 Euro an.
Die Ausstattung weiterer gemeindlicher Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen ist 2026 mit 435.000 Euro angesetzt, vorgesehen sind die Dächer des Feuerwehrhauses Eching, der „Bunten Arche“ und des Gemeindebauhofs je nach Sanierungsfortschritt. Der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen im Ort wird mit 420.000 Euro fortgesetzt.
Gegen die Stimme von Vincent Blank (SPD), der die drohende Neuverschuldung beunruhigend fand, empfahlen CSU, Grüne, FW, Bürger für Eching und ein SPD-Rat den Etat mit 10:1 Stimmen dem Gemeinderat zur Billigung.
Kein Geld da – uns doch egal!
Vergangenen Dienstag wurde der Haushaltsentwurf beraten und auch beschlossen. Quintessenz ist, dass die auf den Bürgerversammlungen stolz präsentierten Legosteinchen (Rücklagen) im nächsten Haushalt vollständig aufgebraucht sein werden und danach pro Jahr rund 15 Millionen Euro neue Schulden gemacht werden sollen. Soweit, so schlecht.
Zum Vergleich: Die Einkommensteuereinnahmen, etwa 15 Mio, der Gemeinde und die Gewerbesteuereinnahmen, etwa 13 Mio, sind jeweils genauso hoch wie die beschlossene Neuverschuldung.
Auf der Ausgabenseite sind die Kreisumlage und der Verwaltungshaushalt jeweils ebenso hoch. Dies bedeutet, dass nach der Bezahlung der Kreisumlage beim jetzigen Stand der Verwaltungskosten schon kein Geld mehr in der Kasse ist und alle Investitionen durch Schuldenmachen finanziert werden müssen.
Der Verwaltungshaushalt wird im wesentlichen bestimmt durch die Personalkosten der Gemeinde und Zuschüsse an öffentliche Einrichtungen wie Feuerwehren, Musikschule, Volkshochschule, Bücherei und ähnliches. Als herausragender Posten ist hier die Musikschule zu benennen. Das Betreiben dieser Einrichtung führt zu einem jährlichen Zuschuss der Gemeinde in Höhe von etwa 950.000 €. Hier gäbe es deutliches Einsparpotential.
Trotz der wirklich erschreckenden Zahlen im Haushalt wird nicht etwa darüber nachgedacht, wie die wirtschaftliche Situation der Gemeinde zu verbessern wäre. Dies könnte zum Beispiel durch Maßnahmen zur Ansiedlung innovativer Hightechunternehmen geschehen und die Nähe des Ortsteils Dietersheim zur TUM böte hier Potential. Viele der Universitätsangestellten würden gerne nahe bei der Arbeit wohnen, die Schaffung von Wohnraum in Dietersheim könnte die Angestellten von TUM und neuen Betrieben an den Standort binden.
Die Gemeinde Eching beschäftigt zwar eine Angestellte zur Wirtschaftsförderung, jedoch scheint dieselbe hauptsächlich mit der FairTrade-Kampagne beschäftigt zu sein. Hier sehen wir großen Handlungsbedarf.
Völlig unverständlich ist für uns der Antrag von Frau Pflügler (Grüne) in der selben Sitzung, in welchem sie die Errichtung eines Fahrradweges in den Ortsteil Geflügelhof vorschlägt – wir haben zwar kein Geld, das ist uns aber egal.
Annette und Dr. Andreas Erb
Zitat: „Und für die laufenden und geplanten Investitionen müssten dann nach den derzeitigen Planungen ab 2027 wieder Kredite aufgenommen werden, da die Rücklagen von etwa 16 Millionen Euro bis dahin aufgezehrt sein dürften.“
Wie heißts so schön: Spare in der Zeit, denn hast du´s in der Not.
Tja, Herr Thaler, wenn Sie mittlerweile zu dieser Erkenntnis gekommen sind, sei die Frage erlaubt, warum Sie kürzlich zwei Trinkbrunnen für 50.000 € (zzgl. laufende Unterhaltskosten) angeschafft haben (siehe https://echinger-zeitung.de/2025/10/21/frisches-wasser-am-platz/ )? Passt doch mit Ihrer jüngsten Aussage (s.o.) irgendwie nicht zusammen, oder?
Zitat: „Die Personalkosten der Gemeindeverwaltung liegen mittlerweile bei 14,2 Millionen Euro, die Umlagen an den Landkreis und andere Abgaben summieren sich auf 16,5 Millionen Euro.“
Da können die Echinger Steuerzahler ja froh sein, dass Herr Thaler seine Vorzimmerdame 2025 (übrigens: ohne Angabe von Gründen im Kündigungsschreiben) fristlos gekündigt hatte (siehe https://echinger-zeitung.de/2025/02/03/vorzimmer-nicht-verwaist/ ).
Das ist ein äußerst effizienter Beitrag zur Senkung der Personalkosten in der Gemeindeverwaltung. Chapeau, Herr Thaler!