Lesermail zum Artikel „Keine Bewegung beim Fahrplan“

Sehr geehrter Herr Binder,

die naheliegendste Reaktion auf Ihre Zeilen ist ein Verweis auf das, was die Fraktion BfE, EM und ÖDP im Oktober 2021 dem Gemeinderat gegenüber beantragte und was zur Vorgeschichte der Buslinie 696 gehört, siehe oedp-eching.de/texte/2104bu62.html.

Dahinter stand ein sogenannter „Richtungsbandverkehr“, wie er im Landkreis Fürstenfeldbruck in der nachfragearmen Zeit das Nahverkehrsangebot komplettiert. Dieses Konzept vereint die Erschließung in der Fläche, Anschlüsse an andere Verkehrsträger und die individuelle Nachfrage von Nutzerinnen und Nutzern.

Was von dem Vorschlag von den Verantwortlichen zur Kenntnis genommen wurde, ist im Antrag unter „Stand der Umsetzung“ nachzulesen. Hartnäckiges Nachfragen brachte dem Gemeinderat, dem ich damals noch nicht angehörte, den lapidaren Hinweis des Bürgermeisters ein, er stehe sowieso in ständigem Kontakt mit den Amtskollegen der Gemeinden entlang „unserer“ Buslinie 695 zur U-Bahn in Garching.

Weswegen ich Ihren Beitrag nicht als ein Ganzes sehen kann, ist der Widerspruch, dass Sie einerseits Leerfahrten kritikwürdig finden und andererseits ein Rufbus-System favorisieren, das bei den wesentlichen Kostenfaktoren kaum besser abschneiden wird, weil Personal und Fahrzeuge in gleichem Umfang bereitzuhalten sind.

Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Ein taxiähnlicher Dienst beschert an irgendeiner Stelle taxiähnliche Kosten. Zugleich bestehen die Brüche zu den eigentlichen Leistungsträgern im öffentlichen Verkehr fort: Was bringt ein Abgeholtwerden nach Wunsch, wenn dem Aussteigen eine unbestimmte Wartezeit an anderen Haltestellen oder Bahnsteigen folgt? Hinzu kommt der organisatorische Mehraufwand: Offline und ohne Telefon an der Hand bleiben Sie sicher außen vor.

Was ich hoffentlich als Ausnahme einordnen darf, ist, dass Ihre Kritik an der Buslinie 696 ausgerechnet jetzt kommt, wo unsere Fraktion und die ganze Gemeinde feststellen muss, dass verantwortliche Stellen Unzulänglichkeiten nicht einräumen wollen und konkrete Verbesserungsvorschläge wortlos übergehen.

Wo ich mit Ihnen voll übereinstimme, dass die Zusammenarbeit mit Neufahrn wünschenswert ist. Auch diesbezüglich muss Eching zweifeln, ob und wann Belangen der Gemeinde Gehör geschenkt wird. Denn die Verträge für die zwei Buslinien über die Dörfer enden in verschiedenen Jahren. Hält der MVV als „Zuarbeiter“ bei Ausschreibungen an Standard-Laufzeiten fest, schließt er einen gemeideübergreifenden Betrieb beider Linien auf unabsehbare Zeit aus.

In allen Diskussionen um den Nahverkehr ist für mich wichtig, wie jene, die sich zu Wort melden, den öffentliche Nahverkehr aktuell nutzen und welche Rolle er unter Umständen für sie spielen kann. Gerne können wir uns darüber austauschen. Bei jedem Antrag, jeder Anfrage und jedem Meinungsbeitrag auf den Internetseiten der Echinger ÖDP finden Sie unten einen Link „Mailkontakt“.

Mit freundlichen Grüßen
Markus Hiereth, Gemeinderat (ÖDP)

Ein Lesermail

  1. Sehr geehrter Herr Hiereth,

    gerne möchte ich auf einige der von Ihnen genannten Punkte eingehen.

    Ich stecke im Thema ÖPNV sicher nicht so tief drin wie Sie und ganz offensichtlich haben wir unterschiedliche Schwerpunkte bei diesem speziellen Angebot. Sie wünschen sich primär einen gut synchronisierten Zubringer zu anderen Verkehrsmitteln; ich hingegen hoffe auf eine flexiblere Möglichkeit, eine möglichst große Zahl an Zielen und Haltepunkten direkt zu erreichen.

    Ihre Anmerkung bezüglich der Kostenstruktur kann ich nachvollziehen, doch ich sehe hier keinen Widerspruch: Es geht mir nicht darum, die Ausgaben für den ÖPNV generell zu kritisieren, sondern die vorhandenen Mittel wirkungsvoller einzusetzen.

    Wenn wir Personal dafür bezahlen, in Bereitschaft zu stehen, statt leere Kilometer im starren Linientakt zu fahren, wandeln wir eine bloße Verkehrsleistung in echte Servicequalität um.

    Ein großer Vorteil liegt für mich in der enormen Flexibilität: On-Demand-Systeme sparen durch intelligente Routenplanung (Pooling) unnötige Kilometer ein. Letztlich ist ein Angebot, das sich den Bürgern anpasst, kein teurer Luxus, sondern eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen im ländlichen Raum. Ein System, das dann kommt, wenn es gebraucht wird, macht den Umstieg vom Auto erst wirklich attraktiv.

    Aktuell investieren wir in eine Mobilität, die zwar auf dem Papier existiert, aber in der Praxis – zumindest nach meinen Beobachtungen – oft am Bedarf vorbeifährt. Mir ist bewusst, dass meine Eindrücke stichprobenhaft sind; ist Ihnen denn eine gute Auslastung der Linie 696 bekannt?

    Dass mein Leserbrief „ausgerechnet jetzt“ erscheint, liegt schlicht an dem gestrigen Artikel „Keine Bewegung beim Fahrplan“. Das Thema On-Demand beschäftigt mich schon länger, besonders da Nachbarkommunen wie Moosburg anscheinend sehr zufrieden damit sind (siehe: merkur.de/lokales/freising/moosburg-ort29088/sensationelle-entwicklung-moosburger-flex-bus-ist-erfolgskurs-93942085.html).

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Binder

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