Von menschlicher Enttäuschung… und von fehlenden Details
Menschliche Enttäuschung tut tatsächlich verdammt weh – vor allen Dingen, wenn man sie nicht kommen sah und vollkommen davon überrascht wurde.
Auch fehlende Details haben eine verheerende Wirkung. Sie können eine Geschichte komplett verändern. Da werden plötzlich Täter zu Opfern und umgekehrt.
Sebastian Thaler hat bei seiner Aufstellungsversammlung mit der „Mega“-Bewegung die Geschehnisse rund um seine Verurteilung nochmals zusammengefasst.
Und mit einem Mal wird aus einem großen Drama, an dessen Ende eine rechtskräftige Verurteilung steht, eine recht harmlos anmutende Geschichte, bei der sich herausstellt, dass der eigentliche Verursacher der Unregelmäßigkeiten gar nicht der Bürgermeister, sondern andere Akteure waren.
Aber die anderen Akteure haben Glück: Der Bürgermeister macht ihnen keinen Vorwurf.
Die Stellungnahme ist auch so weit verkürzt, dass der Eindruck entstehen kann, der Bürgermeister hätte ganz viel richtig gemacht, obwohl er großzügig betont, natürlich seien ihm auch Fehler unterlaufen.
Unter den eigentlichen Verursachern nennt Herr Thaler auch „meine Stellvertreterin“, die zum Zeitpunkt der geschilderten Vorgänge ich war. Allein die beiläufige Erwähnung ruft dabei schon den fälschlichen Eindruck hervor, welchen Einfluss ich besessen hätte.
Nun, Narrative haben offenbar nicht nur in der großen Politik Einzug gehalten…
Wie kommt es, dass bei einer angeblich recht überschaubaren Geschichte, die im Grunde nur von einer falschen Beratung durch die Rechtsanwälte, einem relativ übersichtlichen Betrag von gut 8.000 €, der falschen Freigabe von Zahlungen durch die Stellvertreterin und einer falschen Einschätzung des Gemeinderates (oder Teilen davon) charakterisiert ist, am Ende der Bürgermeister zu 240 Tagessätzen wegen Untreue verurteilt wird?
Warum kann eine Stellvertreterin einfach so ins Rathaus spazieren, Zahlungen auf den Weg bringen und Unterschriften leisten und, als Folge daraus, den Amtsinhaber so massiv in Misskredit bringen, dass er sich dafür vor Gericht verantworten muss?
Warum decken die ermittelnden Beamtinnen und Beamten dieses Unrecht nicht auf? Zumal es sicherlich Hinweise gegeben hat, dass die Stellvertreterin unkontrolliert Unterschriften leistet – ganz ohne das Wissen und ohne die Zustimmung des Bürgermeisters?
Warum werden die Vorgänge im Rathaus, die zur Durchsuchung durch die Staatsanwaltschaft führen, nicht einfach als logische Konsequenz der falschen Beratung durch die Rechtsanwälte eingestuft? Weil nicht erkannt wird, dass das die Wurzel der fehlerhaften Zahlungen war? Oder weil es doch noch eine größere Geschichte dahinter gab, die aber dem Gemeinderat vorsorglich vorenthalten wurde, um die Bereitschaft, den umfassenden Rechtsschutz zu gewährleisten, nicht zu gefährden?
Warum sagt ein Bürgermeister, der rhetorisch sehr versiert ist und von fähigen Rechtsanwälten vertreten wird, eine bereits angesetzte Verhandlung ab und akzeptiert ein hohes Strafmaß, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, die Vorgänge aufzuklären und klarzustellen, dass es andere gab, die die entscheidenden Fehler gemacht haben? Weil er unbedingt Frieden für sich und die Gemeinde finden wollte? Oder weil die stichhaltigen Hinweise auf die Schuld anderer ganz einfach fehlen?
Warum kommen diese Aussagen zu den vermeintlich wahren Vorgängen im Rathaus erst jetzt, obwohl das Schweigegebot der Anwälte längst nicht mehr gilt? Haben sich die Zusammenhänge erst kürzlich – Jahre später – herausgestellt? Oder geht es dabei womöglich im Wesentlichen um die perfekte Dramaturgie zum Wahlkampfauftakt?
„Das Dilemma, in dem wir uns befinden, wäre in meinen Augen vermeidbar gewesen. Es zeigt auf vielen verschiedenen Ebenen, so finde ich, wie fatal sich Halbwahrheiten, Nicht-Kommunikation, fehlende Reflektion und der überzogene Fokus auf eigene Bedürfnisse auswirken.“
Diese Worte waren Teil meines Rücktrittsbriefes von 2022, den ich wegen meiner Erkrankung geschrieben und den der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Carsten Seiffert für mich verlesen hatte. Worte, die ich damals – ohne ihn mit Namen zu nennen – 1:1 unserem Bürgermeister gewidmet habe.
Eching stünde nicht vor diesem politischen Scherbenhaufen, wenn unser Bürgermeister bei seiner Verhandlung um den Vorfall am Echinger See nicht auf Teufel komm raus hätte weiter klagen wollen, was ein Vielfaches des eigentlichen Streitwertes verschlungen hat.
Dass das nicht gut ankommt, war ihm klar. Aus diesem Grund hat er den rechtlichen Weg, den er bereits lange alleine gegangen war, ohne die Kosten zu veröffentlichen und ohne den Gemeinderat einzuweihen, eskalieren lassen (vgl. Aussage 3. BGM Leon Eckert im Mai 2023, zu lesen im Bericht von Herrn Bachhuber, „Die Akte Thaler“).
„Ich habe immer recht“ ist sein gnadenloses Credo. Und so kam auch der sich mehr und mehr abzeichnende Bruch zwischen ihm und seinen politischen Unterstützern zustande. Er wollte keine Kompromisse, er wollte keine Aufklärung, er wollte nur kommunizieren, wenn ihm nicht widersprochen wird, er wollte seinen Weg gehen und sich dabei nicht dreinreden lassen.
Unsere Loyalität, die zunächst noch sehr ausgeprägt war, bekam erste Risse. Zumal zum sehr einseitigen Kommunikationsverhalten von Sebastian Thaler die nur scheibchenweise offenbarten Informationen über diverse Vorgänge hinzukamen.
Manche Infos erfuhren die Unterstützer erst, wenn beispielsweise Hinweise aus der Opposition kamen und der Bürgermeister nicht mehr anders konnte, als sich dazu zu äußern (vgl. Notar in Neuburg). Manches Licht brachten auch andere ins Dunkel (vgl. Unterschrift beim Vertrag mit der „Glaser Galery“, dessen Inhaber Thalers Schwager ist).
Und so sickerte mehr und mehr die Gewissheit durch, dass vor allem ich nicht nur einmal für den Vorteil unseres Bürgermeisters mit Halbwahrheiten und unvollständigen Informationen versorgt wurde; auf deren Basis ich nicht die Entscheidungen treffen konnte, die notwendig gewesen wären.
Menschliche Enttäuschung und fehlende Details: Beides hat mich in die Knie gezwungen.
Somit betone ich mit aller Vehemenz: Für einen ego-getriebenen, faktisch falschen und verleumderischen Wahlkampf unseres Bürgermeisters stehe ich als Sündenbock nicht zur Verfügung!
Stefanie Malenke
Sowas an BM sorgte für Lachnummern über Eching bis in meine Heimat Weiden/Opf. Sein Versuch an Rentenrettung ist wohl die Fortsetzung.
Sehr geehrte Frau Malenke,
mein allerhöchster Repekt für Ihre sehr deutlichen Worte.
An Ihnen könnte sich (Noch-)Bürgermeister Sebastian Thaler ein Beispiel nehmen. Aber dazu ist der wg. Untreue rechtskräftig verurteilte und vorbestrafte (Noch-)Bürgermeister m. E. weder charakterlich noch intellektuell fähig.
Dass Herr Thaler jetzt eine neue politische Gruppierung gegründet hat, um eventuell nochmals kandidieren zu können (dazu benötigt er 180 Unterstützer-Unterschriften), ist ein leicht durchschaubares Manöver: Im Falle seiner Abwahl fehlen ihm vier Monate für einen Pensionsanspruch durch die Gemeinde.
Kleine Randbemerkung: Für die Abgabe der Unterstützer-Unterschriften im Rathaus (bis 19.01.26, 12.00 Uhr) wurden Sonderöffnungszeiten von Herrn Thaler angeordnet (siehe öffentliche Aushänge und Gemeinde-Homepage).
Ob Sebastian Thaler etwa Angst hat, die erforderlichen 180 Unterschriften für seine „Mega“-Bewegung bis zum 19.01.26 nicht zu bekommen?
MfG
Guido Langenstück
Danke für den Hinweis auf die von Herrn Thaler zum Stimmenfang verordneten „Sonderöffnungszeiten“, das wäre mir sonst vielleicht entgangen.
Nun frage ich mich noch: Stellt er sich am Samstag selbst hin? Oder abends bis 20 Uhr? Oder wer wurde dazu verdonnert? Oder wer tut sich freiwillig so etwas an?
Großartig und mich hoffen lassend ist übrigens die gemeinsame Erklärung der vier Bürgermeisterkandidaten!
Sehr geehrte Frau Malenke,
vielen Dank für die klaren Worte von Ihrer Seite. Diese helfen dabei, die von Thaler verbreiteten Falschdarstellungen und Mythenbildung zu widerlegen.
Gerade von Ihnen als direkt Geschädigte und Betrogene ist dies sehr glaubhaft.
Alles Gute wünschen Ihnen
Annette und Dr. Andreas Erb
Liebe Stefanie,
vielen Dank für Deine Worte.
Es wäre unglaublich toll, wenn Du wieder zurückkehren würdest und selber als Bürgermeisterkandidatin antreten würdest. Wenn vielleicht nicht bei der kommenden Wahl, so jedoch bei der darauffolgenden.
Meine volle Unterstützung hättest Du.