‚Dringend benötigte politische Erneuerung‘

Eine gemeinsame Stellungnahme haben vier Bürgermeisterkandidaten veröffentlicht (im Bild v. li. Michael Steigerwald, Eric Jacob, Victor Weizenegger und Christoph Gürtner):

Wir, die Bürgermeisterkandidaten von CSU, Freien Wählern, Grünen sowie SPD, ÖDP und Echinger Mitte – Michael Steigerwald, Christoph Gürtner, Eric Jacob und Victor Weizenegger – nehmen hiermit gemeinsam öffentlich Stellung zur angekündigten erneuten Kandidatur des amtierenden Bürgermeisters, Herrn Sebastian Thaler.

Die bevorstehende Bürgermeisterwahl ist eine wegweisende Entscheidung für unsere Gemeinde. Unabhängig von parteipolitischen Unterschieden eint uns ein gemeinsames Verständnis, wie verantwortungsvolle Kommunalpolitik aussehen muss: transparent, integer, selbstkritisch und im klaren Dienst der Bürgerinnen und Bürger.

Anlass für diese Erklärung ist die kürzlich bekannt gewordene Absicht zur erneuten Kandidatur von Sebastian Thaler, ebenso wie die bereits durchgeführte Aufstellungsversammlung seiner „Bürgerinitiative Mega“.

Diese Gruppierung steht unserer Meinung nach nicht für einen dringend benötigten und glaubwürdigen Neuanfang. Sie ist personell und inhaltlich untrennbar mit der Vergangenheit um Sebastian Thaler verbunden. Eine dringend benötigte politische Erneuerung für Eching ist auf dieser Grundlage nicht erkennbar.

Wir teilen die Überzeugung, dass eine weitere Amtszeit von Herrn Thaler nicht im Interesse unserer Gemeinde liegt. Grundlage dieser Einschätzung sind schwerwiegende Fehler, die das Vertrauen in eine verantwortungsvolle Amtsführung nachhaltig schwer beschädigt haben.

Sebastian Thalers Aufarbeitung seiner Verfehlungen war ungenügend: Über seinen Strafbefehl von immerhin 240 Tagessätzen wegen Untreue schreibt Sebastian Thaler in seiner Stellungnahme vom 23. Dezember 2025, alle Beteiligten seien zum Zeitpunkt der Abwicklung von der Rechtmäßigkeit der Zahlung über ca. 8.400 € aus der Gemeindekasse überzeugt gewesen.

Tatsächlich beruhte die Zahlung auf dem zivilrechtlichen Urteil des Landgerichts Landshut vom 24. Juli 2020, in dem Sebastian Thaler zum Schadensersatz an den Gegner der Auseinandersetzung am Echinger See verurteilt wurde. Das Urteil schließt ein dienstliches Handeln von Bürgermeister Thaler explizit aus.

Durch Gemeinderatsbeschlüsse gedeckt war außerdem lediglich der Rechtsschutz, den die Gemeinde dem Bürgermeister gewährte, nicht jedoch etwaige Schadensersatzzahlungen. Jedem, der das Urteil kannte – so in jedem Fall Sebastian Thaler –, muss daher die Unrechtmäßigkeit der Zahlung bewusst gewesen sein.

Die Darstellung des Bürgermeisters entspricht insofern nicht den öffentlich bekannten Tatsachen. Dass er sich über die Verfahrenskosten gegenwärtig noch im Rechtsstreit mit der Gemeinde Eching befindet, hat er in seiner Stellungnahme ebenfalls nicht erwähnt.

Weiter schreibt Sebastian Thaler in seiner Stellungnahme vom 23. Dezember 2025, weitere gegen ihn erhobene Vorwürfe seien allesamt entkräftet worden. Auch diese Aussage ist faktisch falsch, ist doch die wiederholte Auftragsvergabe an seinen Schwager nach wie vor Gegenstand des dienstrechtlichen Verfahrens der Bayerischen Landesanwaltschaft gegen den Bürgermeister.

Ferner gab Sebastian Thaler im Zuge der Versammlung von „Mega“ am 22.12. bekannt, sein berufsbegleitendes Studium an der „Iese Business School“ aufgenommen zu haben, um eine neue Tätigkeit anzustreben. Wenn dieses Studium keinen Bezug zu seiner Tätigkeit als Bürgermeister hat, warum sollte sich die Gemeinde dann – wie von Sebastian Thaler im Dezember 2024 beantragt – an den Kosten mit 21.900 € beteiligen?

Auch der Wohnungskauf von einem hochbetagten Senior ist zumindest moralisch fragwürdig und wurde seitens Sebastian Thaler nicht wahrheitsgetreu kommuniziert: Zunächst äußerte er, der Preis sei marktüblich gewesen. Tatsächlich lag der Kaufpreis weit unter dem Verkehrswert.

Dass der Kauf bei einem weit entfernten Notar in Neuburg beurkundet wurde, hat Sebastian Thaler zunächst ebenfalls geleugnet. Warum im Kaufvertrag festgeschrieben war, den Kauf bei der Gemeinde erst nach der Bürgermeisterwahl 2020 anzuzeigen, bleibt der individuellen Interpretation überlassen.

Den interessierten Leserinnen und Lesern empfehlen wir einen Blick in die „Akte Thaler“ in der echinger-zeitung.de für eine detailliertere Aufarbeitung der Ereignisse rund um den aktuellen Bürgermeister.

Wir betonen ausdrücklich, dass unser gemeinsames Statement nicht darauf abzielt, einen politischen Mitbewerber aus parteitaktischen Gründen zu diskreditieren oder vom demokratischen Wettbewerb auszuschließen. Wir vertreten selbst unterschiedliche politische Ansätze, Schwerpunkte und Vorstellungen für die zukünftige Entwicklung unserer Gemeinde.

Eine vielfältige politische Landschaft halten wir stets für begrüßenswert, da die Interessen der Wählerinnen und Wähler so am besten vertreten werden können. Wir sehen uns allerdings in der Verantwortung, das Wohl der Bürgerinnen und Bürger sowie eine transparente, integre und verlässliche Führung des Rathauses an erste Stelle zu setzen.

Bei aller inhaltlichen Vielfalt untereinander teilen wir die Auffassung, dass Herr Thaler diesem Anspruch in der Vergangenheit aufgrund der oben angeführten Punkte nicht gerecht geworden ist und dass unsere Gemeinde einen personellen Neubeginn an der Spitze benötigt, der auf Vertrauen, Respekt und sachlicher Zusammenarbeit im Gemeinderat basiert, über die Parteigrenzen hinweg und immer im Interesse der Bürgerinnen und Bürger.

Eching verdient eine Führung, die Verantwortung übernimmt.

Dafür stehen wir gemeinsam.

Michael Steigerwald, CSU
Christoph Gürtner, Freie Wähler
Eric Jacob, Grüne
Victor Weizenegger, SPD, ÖDP & EM

5 Lesermails

  1. Bald ist Kommunalwahl. Jetzt haben es die Echinger Bürger*innen in der Hand, den Traum von einem Neustart in Eching ohne Thaler Wirklichkeit werden zu lassen, indem sie ihm die Unterschrift im Rathaus für eine weitere Kandidatur verweigern.

    Mehrere Jahre hat es gedauert, bis Sebastian Thaler endlich Fehler öffentlich eingeräumt hat. Der langsame Lernprozess hat die Echinger Bürgerschaft nicht nur auf eine harte Geduldsprobe gestellt, sondern auch viel Geld gekostet. Es fehlen immer noch mehrere zehntausend Euro, die aus der Gemeindekasse für Privataktionen des Bürgermeisters verauslagt wurden.

    Mittlerweile hat ihn sogar die eigene Gemeinde beim Verwaltungsgericht München auf Kostenerstattung verklagt. Aber warum nicht einfach in bewährter Manier auf das Urteil warten, wenn der Fehler bereits öffentlich bereut wurde?

    Wie lange kann und will es sich die Gemeinde Eching noch leisten, einen mittlerweile wegen Untreue vorbestraften Bürgermeister, der durch seine außergewöhnliche Rechtsauffassung und Haushaltspolitik regelmäßig von sich reden machte, zu subventionieren?

    In 2020 kaufte die Gemeinde das Hotel Huberwirt. Eine millionenschwere Investition wurde aus dem Vermögen der Gemeinde getätigt, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie die Immobilie rentabel genutzt werden könnte. Seitdem verschlingt das Investment regelmäßig hohe Beträge für Verwaltungs- und Instandhaltungskosten aus der Gemeindekasse, ohne dass die Echinger Steuerzahler*innen auch nur den geringsten Nutzen davon haben.

    Umso länger das mittlerweile stillgelegte Gebäude jedoch nicht genutzt wird, desto teurer wird die Investition für die Gemeinde. Mehr als 5 Jahre reichten Thaler offenbar nicht, um eine für die Gemeinde und Bürgerschaft rentable Lösung zu generieren. Wie lange braucht er denn noch, um die Investition Huberwirt erfolgreich zu Ende zu bringen?

    Ganz anders war es bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Während Thaler die Erbpachtdiskussion in Eching neu entfachte, setzte sich die mittlerweile hellhörig gewordene Bürgerschaft mit Hilfe eines von den Freien Wählern initiierten Bürgerentscheids gegen seine Vorstellungen durch. Allen Widerständen zum Trotz ist es Thaler sogar gelungen, ein Wohnbaumodell zu entwickeln, das weder Interesse bei Menschen, die bezahlbaren Wohnraum suchen, noch bei Investoren weckt. Das Angebot hat, wie er selbst betonte, viel Zeit gekostet. Ganz zu schweigen von dem knappen Grund und Boden der Gemeinde, der für diesen Zweck benutzt wurde.

    Wollen Sie als Echinger Steuerzahler*in diese Art Kommunalpolitik weiter unterstützen oder ihr einen Riegel vorschieben? Wollen Sie diesem Bürgermeister im Echinger Rathaus erneut eine Plattform bieten, um sich weiterhin auf Kosten der Echinger Steuerzahler*innen zu bereichern oder engagierten und kompetenten Verwaltungsmitarbeitern weiterhin den Umgang mit dem vorbestraften Bürgermeister zumuten? Daher bleibt nur zu hoffen, dass Thaler nicht die notwendige Zahl an Unterschriften erreicht, um sich erneut um das Bürgermeisteramt zu bewerben.

    Ingrid Brandstetter

  2. Ich kann mich den Ausführungen der vorherigen Personen nur voll inhaltlich anschließen.

    Es braucht eine Neuerung im Echinger Rathaus, um das Vertrauen in unsere Verwaltung wiederherzustellen.

  3. Bravo!

    Sollte es, wie vor der letzten Kommunalwahl 2020 geschehen, zu einer Podiumsdiskussion mit den Bgm.-Kandidaten im Bürgerhaus kommen, kann ich den Vieren nur empfehlen, nur dann zu kommen, wenn sichergestellt ist, dass Sebastian Thaler nicht als Mitbewerber um den Bgm.-Posten mit auf der Bühne sitzt und ebenfalls eingeladen wurde.

    Ob Thaler tatsächlich nochmal antreten darf, erfahren wir am 20.01. abends im Rathaus: Tagung der Wahlkommission. Bekanntlich benötigt Thaler mit seiner neuen „Mega“-Gruppierung mindestens 180 Unterstützer-Unterschriften (bis zum 19.01.26). Sollte er die bis zum Stichtag nicht bekommen (was ich hoffe), ist er aus dem Rennen.

    Die Sitzung der Wahlkommission beginnt um 19 Uhr und sie ist öffentlich. Da die Wahlleiterin Herrn Thaler bis zum 30.04.26 hierarchisch unterstellt ist, empfehle ich den wahlberechtigten Echinger Bürgerinnen und Bürgern, am 20.01. um 19 Uhr ins Rathaus zu gehen und die Sitzung der Wahlkommission zu verfolgen.

    Im Übrigen empfehle ich, die Stellungnahme (Lesermail) von Frau Malenke (ehem. Bgm.-Stellvertreterin von Herrn Thaler) vom 29.12.25 zu lesen.

  4. Die heutige Erklärung der 4 Bürgermeisterkandidaten erfreut mich und zeigt eindeutig, dass die Kandidaten die vielen Probleme sehen, welche der Noch-Bürgermeister in der Gemeinde verursacht hat. Man könnte noch eine Rufschädigung hinzufügen.

    Alle politischen Parteien und Gruppierungen, die im aktuellen Gemeinderat vertreten sind, haben nach und nach diesem BM das Vertrauen entzogen. Die einen früher, andere später haben erkannt, dass Worte aus dem Munde dieses Menschen sehr oft nicht der Wahrheit entsprechen können.

    Eloquent wie er ist, hat er sogar versucht, die ehemalige 2. Bürgermeisterin Stefanie Malenke menschlich in den Schmutz zu ziehen. Wir wissen, Stefanie Malenke ist eine ehrliche, aufrichtige Gemeinderätin und 2. Bürgermeisterin gewesen, die sich an ihren Amtseid gehalten hat, der lautet: „Ich schwöre, dass ich das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung, des Freistaates Bayern wahren und die Gesetze gewissenhaft erfüllen werde, meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen und die Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“ Die Formel: „So wahr mir Gott helfe“ kann zusätzlich gesprochen werden.

    Diesen Eid hat Frau Dr. Schmidtchen (SPD), damals Gemeinderätin, dem Sebastian Thaler abgenommen. Nur: erfüllt hat er diesen Eid nicht. Die zweifache rechtskräftige Verurteilung ist nur die eine Seite, weitere Verfahren sind anhängig. Die Verfehlungen hat wohl der interessierte Bürger unter „Akte Thaler“ verfolgt.

    Nicht nur ich wünsche mir einen neuen Bürgermeister, der diesen Eid mit Taten erfüllt.

    Dr. Irena Hirschmann, FDP-OV-Vorsitzende

  5. Keine Stimme für Thaler!

    Die gemeinsame Erklärung aller 4 Bürgermeisterkandidaten zur versuchten neuerlichen Kandidatur wird von uns außerordentlich begrüßt und zeigt Thalers vollständige Isolierung in der Echinger Gesellschaft.

    Seine wenigen Unterstützer sind bei den Meistbegünstigten in Verwaltung und in diversen Organisationen/Vereinen zu verorten. Die sehr wenigen Teilnehmer an der improvisierten Aufstellungsversammlung von „Mega“ sprechen für sich.

    Es bedarf eines Neuanfangs für Eching. Wir brauchen keinen wegen Untreue gegen die eigene Gemeinde vorbestraften Bürgermeister, gegen den noch weitere Verfahren anhängig sind.

    Schluss mit der Selbstbereicherung.

    Annette und Dr. Andreas Erb

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