In einem offenen Brief an die Bürgermeisterkandidaten hat der Klimabeirat Fragen zum Klimaschutz in Eching aufgelistet. Der Brief im Wortlaut:
Ob internationale Abkommen, EU-Klimaziele, das bundesweite oder das bayerische Klimaschutzgesetz –
alle setzen auf lokale Umsetzung. Ohne Fortschritte in den Gemeinden bleiben die übergeordneten Ziele
unerreichbar. Der Landkreis Freising hat bereits 2007 beschlossen, sich bis 2035 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen – inklusive Strom, Wärme und Verkehr. Das aktuelle Klimaschutzkonzept des Landkreises (2025) bestätigt dieses Ziel.
Eching hat in seinem kommunalen Klimaschutzkonzept (2022) allgemeinere CO₂-Reduktionsziele festgelegt (-65 % bis 2030 und -88 % bis 2040), jedoch kein eigenes Klimaneutralitätsziel formuliert. Während das Ziel des Landkreises, im Stromsektor bis 2035 auf erneuerbare Energien umzusteigen, durchaus erreicht werden kann (auch von Eching), liegen die Sektoren Wärme und Verkehr weit hinter dem Zielpfad.
Übergeordnete Ziele:
International: Erwärmung auf deutlich unter 2° begrenzen und Anstrengungen unternehmen, um 1,5° nicht zu überschreiten.
EU: Emissionsminderung um 55 % bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050.
Deutschland: Klimaneutral bis 2045. Im Klimaschutzgesetz sind bis 2030 für alle Sektoren jährliche CO₂-Budgets festgelegt.
Bayern: Klimaneutral bis 2040 (§ 3 BayKlimaG).
Der Klimabeirat möchte von Ihnen als zukünftiger Bürgermeister erfahren, wie Sie mit dieser Problematik umgehen werden.
1. Welches Klimaziel gilt für Eching?
Offiziell hält Bayern weiterhin an der Klimaneutralität bis 2040 fest. In mehreren Bereichen — insbesondere bei Windkraft, Wärme und Mobilität — zeigt Bayern einen deutlichen Nachholbedarf. Das gilt genauso für den Landkreis, wie auch für Eching. Ohne starke Maßnahmen und Kurskorrekturen ist das Klimaneutralitätsziel in 15 Jahren nicht erreichbar.
Für welche Ziele für Eching werden sie als Bürgermeister eintreten? Sehen Sie einen Nachholbedarf und wenn ja, welchen? Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Maßnahmen, die Sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit ergreifen werden.
2. Wärme ist der Engpass: Wie lösen Sie ihn?
Wärme wird im Landkreis nur zu ca. 15–20 % durch erneuerbare Energien erzeugt. Hier gibt es viel aufzuholen, die Lokalpolitik ist besonders gefordert, kann aber vermutlich auch am meisten bewirken.
Mit welchen konkreten Schritten wollen Sie die Wärmewende in Eching beschleunigen?
3. Sind wir bei erneuerbarem Strom bis 2035 auf einem guten Weg?
Die aktuellen Projekte zum Ausbau der Photovoltaik in Eching und auch im Landkreis lassen erwarten, dass wir in absehbarer Zeit den heutigen Strombedarf zu 100 % aus erneuerbaren Energien bilanziell decken können. Allerdings: Um Energie auch für Wärme und Verkehr klimaneutral erzeugen zu können, benötigen wir schätzungsweise 225 % erneuerbaren Strom. Und „bilanziell“ bezieht sich auf Jahressummen. Wir brauchen also zusätzlich Windkraft und Speicher.
Wie stehen Sie zur Windkraft in oder nahe Eching und zum Aufbau lokaler Speicher?
4. Verkehr: Der große weiße Fleck
Im Verkehrssektor liegt der Erneuerbare-Energien-Anteil heute bei ca. 2-5 % (Eching 2022: 1,5 %). Auf den Autobahnverkehr hat Eching kaum Einfluss, trägt aber durch ein hohes Pendleraufkommen selbst dazu bei.
Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um den Verkehrssektor in Eching klimafreundlicher zu gestalten?
5. Politik und Projektmanagement
Man erkennt unschwer, dass sich politische Ziele oft praktisch kaum umsetzen lassen. Auf lokaler Ebene, d. h. bei den konkreten Projekten, kann man es besser machen, durch echtes Controlling, klare Zwischenziele und regelmäßiges Nachsteuern.
Sind Sie bereit, ein solches verbindliches und transparentes Klimacontrolling für Eching einzuführen und wie sollte es aussehen?
Mehr Info: klimabeirat-eching.de
Lieber Guido Langenstück,
interessierte Bürgerinnen und Bürger können bereits seit dem 9.01.26 auf der Homepage des Bürgermeisterkandidaten der CSU, Herrn Michael Steigerwald, seine Antworten auf die Fragen im offenen Brief des Klimabeirats lesen, um einen konstruktiven und sachlichen Austausch anzustoßen.
Herzliche Grüße
Dr. Christine Samanns
Zu Punkt 3.: Zitat: „Wir brauchen also zusätzlich Windkraft und Speicher.“
Ob die Fragenkatalog-Ersteller im Klimabeirat schon einmal das Wort „Windhöffigkeit“ gehört haben? Falls nein: Windhöffigkeit beschreibt die Wahrscheinlichkeit, wie oft und wie stark der Wind am zu untersuchenden Ort weht. Mittlerweile gibt’s für ganz Deutschland Windhöffigkeits-Daten und -Karten.
Da schneiden die deutschen Küstengebiete an Nord- und Ostsee und die deutschen Mittelgebirge wesentlich besser ab als der Voralpenraum. In Norddeutschland und in den Mittelgebirgen gibt’s mittlerweile riesige Windparks, die, so der Wind dort weht, regenerativen Strom im Überfluss produzieren.
Das Problem: Es fehlen immer noch genügend Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland. Daran trägt sowohl die bayerische Staatsregierung als auch etliche Bürgerinitiativen entlang der geplanten Stromtrassen Schuld. Die Zeit des ewigen Aussitzens und des ewigen Protestierens („ich bin gegen eine Stromtrasse neben meinem Ort!“) muss nun endlich vorbei sein.
Zur Speicherung von regenerativ erzeugtem Strom: Leute, sammelt alte Autobatterien. Und füllt endlich eure Badewannen und Swimmingpools mit Wasser. Sobald das geschehen ist, braucht ihr nur noch zwei ausgediente Kleiderbügel an die Autobatterie abklemmen und die Bügel ins Wasserbecken halten. So erzeugt ihr (durch Elektrolyse) am Pluspol Sauerstoff und am Minuspol Wasserstoff. Jetzt braucht ihr die beiden Gase nur noch getrennt in eine Brennstoffzelle leiten und siehe da: Da kommt tatsächlich Gleichstrom (und Wasserdampf) hinten raus.
Alternative: In Günzenhausen oder Ottenburg wird ein Pumpspeicher-Kraftwerk gebaut. Die ca. 30 Meter Höhenunterschied bewirken, dass das Wasser unten immer mit ca. 3 bar Überdruck auf die Turbinenschaufeln trifft (die dann wiederum einen Stromgenerator antreiben).
So einfach ist das mit der Speicherung von regenerativ erzeugtem Strom. (Ironie Off)
Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass, sollte Herr Thaler die erforderlichen 180 Unterstützer-Unterschriften für seine „Mega“-Bewegung bis zum 19.01. bekommen und somit auch auf der Bgm.-Kandidatenliste stehen, er spätestens am 21.01. ebenfalls den Fragenkatalog vom Klimabeirat bekommen sollte. Gleiche Startbedingungen für alle Bgm.-Kandidaten, oder?