CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Steigerwald will den Wohnungsbau deutlich beschleunigen. „Wenn wir Eching als Wirtschaftsstandort weiterentwickeln und gleichzeitig unseren Kindern und Enkeln eine Perspektive hier vor Ort bieten wollen, brauchen wir mehr Tempo und Pragmatismus beim Wohnungsbau“, schreibt er in einer Stellungnahme.
Als zentralen Hebel dafür sieht er den von der Bundesregierung neu eingeführten „Bau-Turbo“. Dieses Instrument ermöglicht es Kommunen, in klar definierten Fällen Baugenehmigungen bereits innerhalb von drei Monaten zu erteilen.
Steigerwald (im Bild mit Gemeinderats-Kandidat Benjamin Stepan) möchte dieses Instrument gezielt für Eching nutzen. „Wir haben in unserer Gemeinde zahlreiche Baulücken und ungenutzte Flächen, sowohl innerhalb des Ortes, als auch an den Ortsrändern“, betont er. Aktuell aber hätten „die schier endlosen Planungsverfahren, jahrelangen Diskussionen und teils selbst auferlegten, überhöhten Standards den Wohnungsmarkt unnötig angespannt“.
So spricht er sich für eine kritische Überprüfung der kommunalen Vorgaben und Standards bei eigenen Bauprojekten aus: „Wenn wir Wohnen bezahlbar halten wollen, müssen wir auch den Mut haben, unsere eigenen Anforderungen zu hinterfragen.“
Auch das bestehende Baulandmodell will er weiterentwickeln. Ziel sei es, mehr preisgedämpften Mietwohnraum zu schaffen mit einem zeitgemäßen Modell, das insbesondere junge Familien, Alleinerziehende und Menschen mit mittleren Einkommen berücksichtige.
Interessante Verknüpfung, den Wirtschaftsstandort Eching stärken zu wollen, indem wir den Wohnungsbau vorantreiben. Klingt spannend, aber die tatsächlichen Probleme liegen doch woanders.
Wenn man den Tenor einiger Echinger hört, dann ist Eching nur noch eine „Schlafstadt“. Daher wird die Förderung des Wohnungsbaus nicht den Wirtschaftsstandort stärken.
Auf den Baustellen der Fa. Hecht sucht man vergebens nach Unternehmen aus der Region. Und dann werden ja gerne Studentenwohnheime gebaut, nur sind die nicht für „Nicht-Studierende“.
Wir brauchen mehr Wohnraum, aber wir brauchen dann auch Platz für Unternehmen am Ort, um zukünftige Projekte durch Gewerbesteuereinnahmen finanzieren zu können und den Pendlerverkehr zu reduzieren.
Der Wirtschaftsstandort Eching ist aus anderen Gründen für viele Firmen mangelhaft.
1. Keine brauchbaren Objekte/Räumlichkeiten/Flächen
Unter dem Vorwand der Flächenversiegelung, vor allem innerorts, wurden schon diverse Bauvorhaben torpediert. Für Gründer gibt es keine passenden Räumlichkeiten. Daher wird oft auf leerstehende Wohnungen ausgewichen. Dadurch wird der Wohnungsmarkt kannibalisiert.
Auch für die Ansiedlung von Ärzten gibt es keine Möglichkeit. Warum soll z. B. ein Kinderarzt in den Keller des ASZ ziehen?
Echinger Unternehmen müssen, um expandieren zu können, Eching verlassen.
2. Limitierte Infrastruktur
In Eching bekommt man derzeit nur eingeschränkte Wahlfreiheit bei Glasfaseranschlüssen. In der Regel von der Telekom, da diese nach dem Ausbau im Ort auch keinen anderen Anbieter als 1&1 zulässt. „MNet“, Pyur“ kommen nicht drauf. „Colt“ hat zwar eine Leitung ins nördliche Gewerbegebiet, aber das weiß kaum jemand.
Firmen, insbesondere mittelständische Unternehmen, die unter anderem einen zentralen Standort aufbauen wollen, benötigen aber oft zwei unterschiedliche Anbieter für die Redundanz. Auch die Ansiedlung eines Rechenzentrums fällt damit aus. Dabei gibt es hier interessante Lösungen, um damit Wohnsiedlungen durch die Abwärme zu heizen.
Auch die S1 wird auf die kommenden 10 Jahre kein wirklicher Standortvorteil sein.
Ein weiteres Problem liegt bei fehlenden Krippen- und Kindergartenplätzen.
3. Fehlende Agenda bei der Ausrichtung des Standorts
Die meisten Kommunen im Münchner Umland profitieren vom Standort München. Dort werden die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen, damit sich Dienstleister oder produzierende Unternehmen leicht ansiedeln können.
Eching hat zugesehen, wie vor allem Garching und Unterschleißheim prosperierende Gewerbeflächen entwickelt und die Ansiedlung von Unternehmen aus den sekundären (produzierenden) und tertiären (Dienstleistungen) Wirtschaftssektoren gefördert haben. Seit 50 Jahren gilt in Eching die Fa. Ikea als das Maß aller Dinge. Wenn Ikea dann überlegt, Eching nur noch als Abholstandort zu nutzen, macht man dicke Backen.
Während Corona hat Eching vor allem seine kleinen Unternehmen allein gelassen. Ein Konzept, wie man die kleinen Unternehmen und Einzelhändler entlastet oder ihnen zur Seite steht, war nicht erkennbar.
Abläufe in der Verwaltung sind auch gerne mal zum Verzweifeln. Dort gab es diverse Male keine Formulare oder Erklärungen in Englisch oder anderen Sprachen. Man bekommt dann direkt gesagt, Deutsch ist Amtssprache. Gratulation zur Integrationsleistung.
4. Fragmentierung des Einzelhandels
Regionales Einkaufen in Eching geht nur, wenn man mobil ist. Die Vollsortiment-Angebote in der Schlesierstraße haben dem Ortszentrum geschadet und das Verkehrsaufkommen in Eching erhöht.
Der Bürgerplatz ist ein Betonkeil zwischen Bahnhofstraße und Alter-Wirt-Ladenzentrum. Ein entspanntes „Einkaufen und Verweilen“ findet nicht statt. Man rennt, radelt oder fährt von einem Eck ins andere.
5. Vermarktung des Standorts
Das Standortmarketing ist im Vergleich zu anderen Kommunen in den Kinderschuhen. Eching versäumt es, Firmen effektiv zu zeigen, was es eigentlich kann. Eine brauchbare Übersicht über Dienstleistungen und Unternehmen am Ort gibt es nicht, der Datenschutz ist dann gerne die erste Ausrede.
Man sollte sich eher die Frage stellen, was bietet Eching als Wirtschaftsstandort den Unternehmen für Vorteile an, was müssen wir im Ort noch leisten, wie wird die Verwaltung Dienstleister der Unternehmen und involviert auch Echinger Unternehmen im Alltag. Da ist noch viel Schatten statt Licht.
Andreas Vierthaler