Steigt am 8. März die Kommunalwahl für Eching – oder für Dietersheim? Der Gemeindeteil im Südosten der Gemeindeflur ist auf den Kandidatenlisten für die Gemeinderatswahl drastisch überrepräsentiert. Jeder fünfte Kandidat auf den sieben Listen wohnt in Dietersheim, exakt 20,5 Prozent. Der Dietersheimer Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt jedoch nur bei 15,4 Prozent.
Im Norden des Gemeindegebiets ist den Einwohnern hingegen das Bürgerforum GOD als demokratische Repräsentanz offenbar ausreichend. Nur sieben Kandidaten aus Günzenhausen, Ottenburg und Deutenhausen wollen in den Gemeinderat, das sind knapp unter sechs Prozent der 117 Kandidierenden. Der Bevölkerungsanteil der ehemaligen Gemeinde Günzenhausen läge bei 8,6 Prozent.
Die Überrepräsentanz von Dietersheim bedingt folglich, dass auch knapp weniger Echinger kandidieren, als proportional wäre. Die Bevölkerungsstärke liegt bei 74,2 Prozent, auf den Kandidatenlisten sind 72,6 Prozent Echinger.
Die Dietersheimer Dominanz rührt insbesondere von den Listen von „Mega“ und der FDP. Für „Mega“ kandidieren neun Dietersheimer und drei Echinger. Die neue Liste ist damit faktisch eine Ortsteil-Liste mit 75 Prozent Dietersheimern.
Bei der FDP halten sich je fünf Kandidaten aus Dietersheim und Eching die Waage, was einen doppelten Dietersheimer Bewerberanteil gegenüber der Bevölkerungsverteilung bedeutet.
Die „Regionalpartei“ für den Norden sind die FW mit 12,5 Prozent ihrer Bewerber aus Deutenhausen. Damit treten drei der sieben Kandidaten aus dem „GOD“-Gebiet bei der FW an. Entsprechend sind die FW in Dietersheim mit gerade einem Bewerber unterrepräsentiert.
Von den sieben Kandidaten aus dem Norden kommen gerade zwei aus dem bevölkerungsstärksten Günzenhausen, jedoch vier aus dem viel kleineren Deutenhausen und einer aus Ottenburg. Im aktuellen Gemeinderat sind akurat die beiden Günzenhausener vertreten, die auch wieder als einzige aus ihrem Ort antreten.
Die einstige Stammpartei des „schwarzen Bergvolks“, die CSU, hat unter 24 Kandidaten nur einen Günzenhausener, also gerade 4,2 Prozent ihrer Kandidaten. Aus Dietersheim treten zwei Bewerber für die CSU an.
CSU und FW, die beiden größten Listen, drücken also die Dietersheimer Quote noch dramatisch. Bei Grünen, SPD, BfE/EM/ÖDP und „Mega“ läge der Dietersheimer Bewerberanteil bei 30,4 Prozent, doppelt so hoch wie der Bevölkerungsanteil.
Mit einer Bewerberin von den Gütern Hollern wäre diese Streusiedlung annähern proportional repräsentiert. Der Gemeindeteil Geflügelhof stellt wie jeher keinen einzigen Kandidaten für das Rathaus im fernen Eching.
Gedanken zur Wahl
Ich habe meine Probleme damit, wenn der gesamte Wahlkampf daraus besteht, wieder und wieder auf die Unzulänglichkeiten des politischen Gegners einzugehen, aber keine eigenen Ideen vorgestellt werden. Dass es auch anders geht, haben Annette und Dr. Andreas Erb in ihrer Lesermail vom 27.4.2022 gezeigt, aus der ich zitiere:
„Freiheit für Dietersheim, Übertritt zu Garching!
[…] Nun ist es natürlich in Dietersheim so, dass man sich ohnehin fragt, was man eigentlich mit der Gemeinde Eching am Hut hat. Böse Zungen behaupten, der Wertstoffhof sei das Beste an Eching, können doch die Dietersheimer ihren Dreck nach Eching fahren.
Schöner als Eching ist Dietersheim sowieso, was sich trotz weitgehend fehlender Infrastruktur in den höheren Bodenrichtwerten für Dietersheim niederschlägt. Es lebt sich recht gut in Dietersheim, es gibt ein Gemeinschaftsgefühl, zum Einkaufen fährt man nach Garching und in den öffentlichen Verkehr steigt man an der Haltestelle der U6 auf dem Campus ein.
Die Zugehörigkeit Dietersheims zu Garching brächte den Dietersheimer Bürgern, Garching und auch der TUM nur Vorteile: Die lange versprochene Ortsumgehung von Dietersheim würde im Zuge der Campuserweiterung wohl recht zügig gebaut werden. Eine Verlängerung der U6 wird vom MVV ausschließlich zur Anbindung des Flughafens und somit über Dietersheim und Mintraching geplant. Eine Verlängerung nach Eching und Neufahrn ist dagegen als unwirtschaftlich erkannt und abgelehnt worden.
Die geplante Umgehungsstraße von Dietersheim böte Platz für die Ausweisung neuer Baugebiete für gutbezahlte TUM-Mitarbeiter*innen, die Erweiterung der TUM und eventuelle Startup- und Hightech-Unternehmen auf Dietersheimer Grund. Dietersheim würde Ortsteil der Universitätsstadt Garching mit moderner Verwaltung und größerer Bürgernähe. Herr Thaler könnte ja nach Eching in die Lessingstraße ziehen. Auf Mosaikstelen und Bänke des Kulturforums verzichten die Dietersheimer Bürgerinnen und Bürger im Gegenzug gerne.
Annette und Dr. Andreas Erb“
Sind das die Ideen, die Eching braucht? Sind das die richtigen Gemeinderäte für Eching?
Ich wünsche mir von den neuen Gemeinderäten, dass sie ihre persönlichen Befindlichkeiten hintenanstellen und sich gemeinsam und konstruktiv für ein lebens- und liebenswertes Eching einsetzen.
Claus-Peter Käsemann