Offener Brief zur Bürgermeisterwahl

Liebe Echingerinnen und Echinger,

knapp fünf Jahre ist es jetzt her, dass das Echinger Rathaus durchsucht wurde. Ein Einschnitt für die Gemeinde Eching, den Gemeinderat und auch für mich als 3. Bürgermeister.

Für mich war von Anfang an klar, dass wir als Gemeinderäte und als stellvertretende Bürgermeister gewählt wurden, um auch in herausfordernden Situationen Verantwortung zu übernehmen. Dies habe ich in den letzten drei Jahren zusammen mit meinen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen getan. Mittlerweile hat auch ein Gericht bestätigt, dass die Aussage, der Gemeinderat hätte seine Aufsichtsfunktion nicht wahrgenommen, eine Falschbehauptung ist.

Für die Gemeinde habe ich mit Unterstützung des Rates Unterlagen gewälzt und Akten zusammengetragen, um ein etwaiges Fehlverhaltens des Ersten Bürgermeisters der Rechtsaufsicht und der Landesanwaltschaft zur Überprüfung zur Verfügung zu stellen. Wir haben neue Anwälte für die Gemeinde beauftragt und die ehemaligen Anwälte wegen Falschberatung sowie den Ersten Bürgermeister verklagt. Einen Teil des Geldes konnten wir bereits zurückholen. Doch Stand heute läuft immer noch ein Verfahren der Gemeinde Eching gegen den Ersten Bürgermeister Thaler, um ca. 36.000 € zurückzuerhalten.

Der Erste Bürgermeister hat Fehler gemacht, doch noch schwerer wiegt aus meiner Sicht sein Umgang mit diesen Fehlern. Ausgestreckte Hände wurden ausgeschlagen, Informationen und Daten mussten von uns aus der Gemeindeverwaltung selbst beschafft werden. Dringend benötigte Informationen, die die Gemeinde zur Aufklärung und zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegenüber den ehemaligen Anwälten gebraucht hätte, wurden durch den Ersten Bürgermeister zurückgehalten.

Inzwischen spricht auch der Erste Bürgermeister davon, er sei „falsch beraten“ worden, sieht also ein, dass er falsch gehandelt hat, zahlt das Geld jedoch nicht an die Gemeinde zurück und geht nicht gegen die Anwälte vor, sondern beschäftigt die Gemeinde weiter mit seiner Uneinsichtigkeit.

Doch wer nicht selbst Verantwortung übernimmt, verpasst die Chance, die Fehler selbst aufzuarbeiten und daraus zu lernen. Wir – die Gemeinderäte – haben immer wieder Verantwortung übernommen in Situationen, in denen der Erste Bürgermeister dies hätte tun müssen.

Es gibt eine kleine, aber laute Gruppe, die die Fehler nutzen, um sich unsachlich, ja geradezu in hetzerischer Weise zu äußern. Sie sind nicht an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert, in der Fehler gemeinsam sachlich und objektiv aufgeklärt werden, sondern bestärken Thalers Opferdarstellung.

Aus meiner Sicht ist der Erste Bürgermeister für mich nach seiner Verurteilung wegen Untreue und wegen seines Umgangs mit seinen Fehlern nicht mehr tragbar, es braucht dagegen parteiübergreifende Konstruktivität und Sachlichkeit.

Liebe Echingerinnen und Echinger,

ich bitte Sie, am 8. März denjenigen Ihre Stimme zu geben, die konstruktiv am Fortkommen der Gemeinde interessiert sind, die es sich nicht so leicht machen und vom gemütlichen Sofa aus alles besser wissen, sondern echte Verantwortung übernehmen.

Leon Eckert,
3. Bürgermeister

2 Lesermails

  1. Sehr geehrter Herr Eckert,

    nachdem Sie mir leider nicht auf meine Fragen bezüglich Ihrer Anwesenheit als Gemeinderat bzw. 3. Bürgermeister geantwortet haben (Sie haben sicher in Bonn zuviel Arbeit), habe ich mich selbst kundig gemacht. Der Dritte Bürgermeister der Gemeinde Eching erhält ca. 400 € im Monat, egal, ob er dieses Amt mit Leben erfüllt oder eben nicht. Das macht in der Legislaturperiode ca. 30.000 €.

    Dieser Betrag ist gar nicht so weit weg von den 36.000 €, die Sie in Ihrem offenen Brief anführen. Auch diese 30.000 € würden der Gemeinde sicher gut tun.

    Ich frage mich auch, warum Sie sich sowohl für den Echinger Gemeinderat, als auch für den Freisinger Kreistag zur Wahl stellen, obwohl Sie Abgeordneter des Deutschen Bundestages sind. Ich persönlich glaube, dass dieses Dreifachamt nicht erfüllbar ist und auf Kosten unserer Gemeinde und unseres Landkreises gehen wird. Früher gab es so etwas bei den Grünen, glaube ich, nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Müller

  2. Sehr geehrter Herr Eckert,

    Sie fordern in Ihrem offenen Brief meiner Meinung nach die Wählerinnen und Wähler mehr oder weniger direkt auf, Herrn Sebastian Thaler nicht zu wählen. Verletzt das nicht Ihre Neutralitätspflicht, die Sie als 3. Bürgermeister haben?

    Auch würde mich interessieren, inwieweit Sie als Bundestagsabgeordneter in den letzten Jahren das Amt als 3. Bürgermeister der Gemeinde Eching überhaupt ausgeübt haben und ob Sie für dieses Amt eine Vergütung bekommen.

    Des Weiteren schreiben Sie „wir als Gemeinderäte“. Auch hier die Frage, an wie vielen Sitzungen haben Sie denn teilgenommen? Insbesonders interessiert mich aber die Beantwortung meiner ersten Frage.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Müller

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