Was hätte die moderne, zukunftsfrohe „Bunte Koalition“ Eching bringen können, nachdem sie 2020 so überwältigend von den Wählern an den Start geschickt worden war? Wir haben es nie erfahren. Das persönliche Fehlverhalten ihrer Gallionsfigur, Bürgermeister Sebastian Thaler, hat das Projekt gesprengt.
Unmittelbare Folge war ein von Plänen und Ambitionen entleerter Gemeinderat, der sich die vergangenen Jahre quälend von Tagesordnung zu Tagesordnung schleppte. Die nachhaltigen Folgen brachte der Wahlsonntag.
Thaler stürzte in der Wählergunst von 72 Prozent Zustimmung auf 21 Prozent, wurde nach zehn Jahren im Amt abgewählt. (Üblicherweise heißt die Volksweisheit, um abgewählt zu werden, müsse ein amtierender Bürgermeister schon silberne Löffel gestohlen haben. Tja…)
Alle „Bunten“ haben verloren
Die Gruppierungen der „Bunten Koalition“ hinter Thaler waren die Verlierer der Gemeinderatswahl. SPD, Grüne und das Dreierbündnis „Bürger für Eching“, „Echinger Mitte“ und ÖDP verloren jeweils zwei Sitze, zusammen also sechs – ein Viertel des Gemeinderats.
Thaler hat seine Unterstützer in eine Zwickmühle manövriert, aus der sie nie herausgefunden haben. Stellten sie sich hinter die gemeinsamen Ziele, wegen denen sie ja zusammengefunden hatten, stellten sie sich auch hinter Thaler; von dem wollten und mussten sie sich andererseits abgrenzen.
Auch die Vision einer parteiübergreifenden Zusammenarbeit blieb dabei auf der Strecke. Jeder wurstelte wieder in seiner kleinen Fraktion; gut getan hat das ausweislich der Wahlergebnisse keinem.
Die SPD kann ihre Verluste sicher weitgehend auf die Situation Thaler schieben, wegen der es schon den Ortsverband zerrissen hat; die Grünen hatten dazu immerhin auch noch den Aderlass dreier Gemeinderäte mit einigem persönlichen Stimmvolumen zu verkraften.
Für das Bündnis aus BfE, EM und ÖDP hingegen stellt sich mit dem niederschmetternden Ergebnis schon die Sinnfrage. Drei Gruppierungen, die zusammen einen Sitz erringen – braucht`s des?
Die BfE griffen mit ihrer Gründung aus dem Geiste des Widerstands gegen die Therme am Hollerner See Stimmen ab, die gegenüber einem bräsig gewordenen Gemeinderat das Anti-Establishment suchten. Die EM waren stets vorrangig das Vehikel des damals populären und umtriebigen Bertram Böhm, der anderswo nicht kompatibel war.
Die Therme ist gestorben, Böhm hat sich deutlich zurückgenommen, und die Rolle des Anti-Establishments spielt eindrucksvoll „Mega“ – wofür ein Kreuzerl bei BfE/EM/ÖDP?
„Alles neu“ als Auftrag
CSU und FW erreichten ihre Stimmgewinne weniger als Zustimmung ihrer bisherigen Arbeitsnachweise im aktuellen Gemeinderat, vielmehr als eindeutigen Auftrag in eine Zukunft ohne Thaler. Bester Beleg: Obwohl die FW ihre Sitze gegenüber 2020 um 50 Prozent aufstockten und das beste Ergebnis ihrer langen Geschichte erreichten, wurden drei ihrer fünf amtierenden Gemeinderäte abgewählt.
Die FW hat es als einzige Gruppierung verstanden, im Wahlkampf wirklichen Elan zu vermitteln und Aufbruchstimmung zu erzeugen. Der frappierende Personalwechsel zu vier neuen Gemeinderäten zeigt auch, dass eine Liste zusammengestellt wurde, die den Wähler angesprochen bis begeistert hat.
Auch die CSU verdankt ihren Zugewinn dem Etikett des Neuanfangs, unter dem Polit-Novize Michael Steigerwald seine Liste versammelte. Nimmt man die im Amt bestätigten Bernhard Wallner (Günzenhausen) und Heike Krauß (Dietersheim) mal eher als profilierte „Ortsprecher“ ihrer Gemeindeteile, dann ist die am Sonntag gewählte CSU komplett neu.
Jetzt müssen die neuen Gesichter dann mal zeigen, wofür die Echinger CSU eigentlich inhaltlich steht; zehn Jahre lang bestand das Programm ausschließlich in Gegnerschaft zum Bürgermeister.
Sieben Gruppierungen im Rat
Sieben Listen mit neun Gruppierungen sind nun im Gemeinderat vertreten. Die FDP hat wieder ihren manche Jahre mehr folkloristischen Sitz im Gremium. Dass der weniger auf Begeisterung für die Partei zurückzuführen sein dürfte, als vielmehr auf die Zustimmung zu sehr populären Kandidaten auf der Liste, ist wohl keine allzu gewagte Analyse.
Das im Januar hopplahopp gegründete „Mega“ schließlich hat den Zweck seines Bestehens verfehlt: Sebastian Thaler wurde nicht als Bürgermeister bestätigt. Die Gruppierung hat als einzig erklärtes Ziel bislang, Thalers Amtsführung zu unterstützen. Nachdem die vom Wähler abgewürgt wurde, sind die drei Räte von „Mega“ nun wohl die „Wundertüte“ im neuen Gemeinderat. (Wenn dabei übrigens Thaler den Gemeinderatssitz, den er errungen hat, tatsächlich wahrnehmen würde, wäre das eine große Überraschung.)
Trendverstärker all dieser Echinger Spezifika war noch sicher die allgemeine Großwetterlage. Die SPD ist in Bayern weiter im freien Fall ins Bodenlose, die Grünen haben sich von der Dämonisierung durch CSU/FW/AfD in Bayern immer noch nicht erholt. Die FDP ist nur durch regionale Gesichter überhaupt noch in Spuren wahrnehmbar.
Dass ein weiterer übergreifender Trend zu einer Partei ohne Lösungsansätze und mit lächerlichen Figuren in Eching nicht ansatzweise Fuß fassen konnte, ist ein bemerkenswert positives Resultat dieser Wahl.