Seit 2002, dem Höhepunkt mit der absoluten Mehrheit im Gemeinderat, ging es für die CSU im Gemeinderat immer nur bergab (siehe Grafik oben). Nach drei Wahlen mit Stimmverlusten in Folge gelang nun erstmals nach 24 Jahren wieder eine Trendumkehr.
Diesen Haltegriff sucht die SPD noch. Von elf Gemeinderatssitzen 1990 ist die Partei heute auf drei Sitze reduziert. In den sechs Wahlen seither gab es bestenfalls ein Halten der Sitzzahlen, aber nie mehr eine Verbesserung.
Die Grafik wird auch immer bunter. Von drei Parteien – plus einem dezenten Pulsieren der FDP am unteren Rand der Grafik – ging es zu heute neun Gruppierungen auf sieben Listen. Damit hat Eching zusätzlich zu sechs bundesweit agierenden Parteien auch noch drei parteilose Gruppierungen. Gibt es eigentlich überhaupt so viele verschiedene Ansichten?
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Mit der Radikalerneuerung ist der Gemeinderat auch drastisch jünger geworden. Liegt der Altersschnitt des aktuellen Gremiums bei 55,4 Jahren, so sind die neuen Ratsmitglieder im Schnitt 45,1 Jahre.
Fairerweise ist der aktuelle Gemeinderat freilich im Amt gealtert. Aber zum Start 2020 lag der Schnitt logischerweise bei 49,4 Jahren und damit ebenso über dem Alterslevel der neuen Räte.
Jüngster im Gremium ist mit 22 Jahren Eric Jacob, gewesener Bürgermeisterkandidat der Grünen. Die Alterspräsidentschaft im Rat bleibt bei der FDP und geht von Heinz Müller-Saala auf Irena Hirschmann über.
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Dienstältester Gemeinderat ist in der Nachfolge von Georg Bartl (CSU) nun Otmar Dallinger (FW), der dem Gremium 22 Jahre am Stück angehört. (Dallinger ist damit in den Gemeinderat eingezogen, als Jacob zur Welt kam.) Es folgt Christoph Gürtner (FW) mit 17 Jahren.
In ihre dritte Mandatsperiode gehen Heike Krauß (12 Jahre), Bernhard Wallner (12 Jahre) und Irena Hirschmann (8 Jahre/siehe unten), in ihre zweite Julian Morgenroth (6 Jahre), Angelika Pflügler (6 Jahre), Manfred Wutz (6 Jahre) und Vincent Blank (4 Jahre).
Ein Sonderfall wäre Sebastian Thaler, der als Gemeinderatsmitglied zwar Neuling wäre, als Bürgermeister aber bereits zehn Jahre „beim“ Gemeinderat verbracht hat. Alle anderen 14 Gemeinderäte sind „echte“ Neulinge.
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Der Gemeinderat ist einen Hauch weiblicher geworden. Mit künftig zehn Gemeinderätinnen statt bisher acht verringert sich der Männerüberhang von 66,6 auf 58,3 Prozent. 14:10 war das Geschlechterverhältnis schon mal in der Mandatsperiode 2014 bis 2020.
Die weiblichste Fraktion sind traditionell die Grünen mit zwei Drittel Frauenanteil, der einzige FDP-Sitz ist auch weiblich besetzt. Erstmals haben die FW mit ihrer Prägung als Boygroup gebrochen und mit Claudia Steiger-Steininger und Jessica Handschuh gleich zwei Frauen in der Fraktion.
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„Häufelkönige“ der Wahl waren diesmal Susanne Wehkamp und Bertram Böhm. Wehkamp war auf der Liste der CSU auf Platz elf angetreten und wurde von den Wählern auf Rang zwei ihrer Liste vorgewählt, an Stimmenzahl übertroffen nur von Bürgermeisterkandidat Steigerwald. Die Architektin, die das neue Rathaus geplant hat, wird damit nun in den Sitzungssaal einziehen.
Auch der ehemalige Gemeinderat Bertram Böhm legte einen stolze Verbesserung von Listenplatz 19 auf Rang fünf hin; zur Rückkehr in den Gemeinderat fehlt es angesichts des Komplettabsturzes der Liste auf einen Sitz allerdings weit.
Josef Riemensberger trat bei den FW wieder auf Listenplatz 20 an wie vor sechs Jahren bei der CSU, die er dann im Laufe der Amtsperiode verließ. Damals wurde er auf Rang sechs vorgehäufelt und kam so in den Gemeinderat. Diesmal wurde der Sohn des Ex-Bürgermeisters von 20 wieder bis Rang neun vorgehäufelt, das reichte aber nicht zum Behalten des Mandats.
Bei der SPD wurde der langjährige Gemeinderat Herbert Hahner, der aus freien Stücken auf dem letzten Listenplatz 12 kandidiert hatte, auf Rang fünf vorgewählt. Den Einzug ins Gremium verpasste der derzeitige Fraktionssprecher der Genossen dennoch.
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Bei 15 neuen Gesichtern im Gemeinderat haben sich auch die Gesichter der Fraktionen radikal verändert. Noch ist zwar keine Fraktion konstituiert – aber fünf der sechs Fraktionssprecher sind aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Georg Bartl (CSU), Siglinde Lebich (Grüne) und Michaela Holzer (BfE) freiwillig, Herbert Hahner (SPD) und Heinz Müller-Saala (FDP) wurden nicht wieder gewählt.
Verblieben ist lediglich der bisherige FW-Sprecher Christoph Gürtner, wobei noch nicht gewählt ist, ob er das auch in der neuen Fraktion bleiben wird.
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Periodisch müsste der neue Gemeinderat nun auch im Dietersheimer Bürgersaal tagen. Denn mit sieben von 24 Gemeinderäten ist Dietersheim so stark repräsentiert wie nie – und im Verhältnis zur Bevölkerungsstruktur völlig überproportional.
Der Dietersheimer Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei 15,4 Prozent – im Gemeinderat beträgt er 29,2 Prozent und damit fast doppelt so viel. Sollte Sebastian Thaler sein Gemeinderatsmandat für „Mega“ nicht annehmen, würde sich Dietersheims Anteil auf 25 Prozent verringern; dennoch weit an den realen Verhältnissen vorbei.
Aber auch die nördlichen Gemeindeteile sind mit drei Ratsmitgliedern über ihren Bevölkerungssanteil hinaus vertreten. Der liegt für die ehemalige Gemeinde Günzenhausen bei 8,6 Prozent – im Gemeinderat repräsentiert ist sie nun aber mit 12,5 Prozent. Mit zwei Gemeinderäten hat das weit kleinere Deutenhausen diesmal Günzenhausen (ein Rat) überholt.
Sogar eine Gemeinderätin aus Hollern sitzt nun wieder im Rathaus. Mit Claudia Steiger-Steiniger ist eine Kandidatin von der kleinen Siedlung angetreten und die hat es in den Gemeinderat geschafft.
Krass unterrepräsentiert ist folglich Eching. Die Kerngemeinde, in der 74,2 Prozent der Gemeindeangehörigen wohnen, stellt jetzt nur 54,2 (bei Thalers eventuellem Abschied 58,3) Prozent im Gemeinderat.
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Christine Handschuh-Sidorow ist als erste Nachrückerin schon in den Gemeinderat eingezogen, bevor der sich konstituieren wird. Weil Michael Steigerwald zum Bürgermeister gewählt wurde, rückte sie auf der CSU-Liste nach. Erste Nachrückerin in der Mandatsperiode ist die bis 30. April noch amtierende Gemeinderätin Kerstin Rehm.
Zwischen Handschuh-Sidorow und Rehm lief es auf den relevanten Plätzen am knappsten: gerade 13 Stimmen Vorsprung hat Handschuh-Sidorow; bezogen auf das CSU-Gesamtergebnis sind das 0,03 Prozent.
Erster Nachrücker bei der FW ist Florian Uffinger, der bei einem Wahlsieg von Christoph Gürtner zum Bürgermeister schon in den Gemeinderat eingezogen wäre.
Bei den Grünen ist erster Listennachfolger, falls ein Gemeinderat ausscheidet, der Bundestagsabgeordnete Leon Eckert. Der derzeitige Dritte Bürgermeister wurde von den Wählern zwar um zwei Listenplätze vorgewählt, aber wegen der Stimmenverluste der Grünen reichte das nicht zur Rückkehr in den Gemeinderat.
Identisch schnitt die amtierende Gemeinderätin Esma Gelis bei der SPD ab: gelistet auf Platz sechs, vorgewählt auf Platz vier, aber beim Schwund der Partei auf nur mehr drei Sitze am Wiedereinzug gescheitert. Sie ist erste Nachrückerin.
Hinter Manfred Wutz, der mit den Listenpartnern BfE, EM und ÖDP nun gleich drei Gruppierungen repräsentiert, ist Markus Hiereth der erste Nachrücker. Irena Hirschmann würde bei einem Ausscheiden auf der Liste der FDP von Andreas Erb ersetzt.
Bei „Mega“ schließlich ist Wolfgang Müller erster Nachrücker. Tritt der abgewählte Bürgermeister Thaler sein Gemeinderatsmandat nicht an, würde ihn Müller ersetzen und Marcel Wolf wäre der erste Nachrücker auf der neuen Liste.
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Zweimal vertreten im Gemeinderat ist der Name Handschuh. Jessica Handschuh, die für die FW neu gewählt wurde, ist die Ehefrau des früheren Gemeinderats Tobias Handschuh. Christine Handschuh-Sidorow, Neuling von der Liste der CSU, ist die Cousine von Tobias Handschuh.
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Eine innige on-off-Beziehung hat Irena Hirschmann mittlerweile mit dem Gemeinderat entwickelt – und passt damit perfekt zur FDP, bei der sie aktuell gelandet ist. Hirschmann wurde 2002 für die SPD in den Gemeinderat gewählt, verließ ihn aber 2003 aus freien Stücken wieder.
2014 kehrte sie mit den „Bürgern für Eching“ zurück. 2016 verließ sie die Gruppierung im Streit, blieb aber zunächst fraktionslos im Gemeinderat. 2019 trat sie in die FDP ein, für die sie 2020 dann zur Wiederwahl kandidierte. Die schaffte sie nicht und fiel damit zum zweiten Mal aus dem Gemeinderat, in den sie nun zum dritten Mal einzieht.
Die FDP seinerseits gehörte mit Dauer-Gemeinderat Heinz Müller-Saala 1990/96 dem Gemeinderat an, flog dann raus; 2008 kehrte die FDP mit ihrem einen Sitz zurück, um 2014 wieder auszuscheiden. 2020 kam Müller-Saala erneut zurück (Hirschmann blieb außen vor).
Jetzt hat die FDP mit zwei Wahlperioden in Serie einen Rekord geschafft; diesmal zog allerdings Irena Hirschmann ein, der 91jährige Heinz Müller-Saala wurde nicht wieder gewählt.
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Die wahre Grafik vom Wahlsonntag sieht weiterhin so aus. Die wegen ihres Alters oder ihrer Staatsangehörigkeit nicht wahlberechtigten Echinger und die Nichtwähler waren deutlich mehr als die Wähler der sieben Gemeinderatslisten.

(update 23.03.: Der Text wurde nach der Stichwahl um die davor enthaltenen Eventualitäten bereinigt, die abhängig vom Wahlausgang der Bürgermeisterwahl waren.)