Die Digitalisierung in Deutschland scheitert nicht daran, dass Studierende mit wenig Erfahrung unterstützen dürfen.
Warum sollten sich die Fraktionen von CSU und FW dafür schämen? Schließlich wurde eigens eine Stelle in der Gemeindeverwaltung geschaffen, um das Thema mit einem Konzept und klar definierten Arbeitspaketen voranzubringen.
Erst diese Woche hat das Landratsamt der Gemeinde Allershausen mitgeteilt, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde nicht zugleich Gemeinderat sein kann. Folglich kann auch ein Gemeinderat nicht in der Gemeindeverwaltung mitarbeiten – selbst dann nicht, wenn dies unentgeltlich erfolgt.
Diese Abgrenzung ist kein Formalismus, sondern demokratisch notwendig: Wer politisch kontrollieren soll, darf nicht zugleich Teil der Verwaltungspraxis sein, die er kontrolliert. Ohne klare rechtliche Trennung wird die Situation ohnehin schwierig.
Dabei geht es nicht nur um Weisungsbefugnisse: Mitarbeitende erhalten im Rahmen von Projekten oder im Verwaltungsalltag Zugang zu Informationen, die Gemeinderäten nicht zugänglich sind. Daraus entsteht ein Interessenkonflikt, den man politisch nicht kleinreden sollte.
Woran scheitert die Digitalisierung in Deutschland?
– Digitales Fremdeln der Anwender
Viele Nutzer reagieren verunsichert und haben Angst, etwas „kaputt“ zu machen.
– Komplexe und widersprüchliche Prozesse
Solange Dokumente erst ausgedruckt und anschließend wieder eingescannt werden, vermeintliche Datenschutzgründe die Vernetzung von Systemen verhindern und bundesweit einheitliche Standards fehlen, bleibt die Digitalisierung auf verlorenem Posten. Das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern ein politisches Versäumnis: Wer Standards nicht setzt, Zuständigkeiten nicht klärt und Prozesse nicht vereinfacht, produziert Stillstand.
– Zugang zu digitalen Diensten
Schon der Zugriff auf digitale Verwaltungsdienste ist für Bürger oft frustrierend. Ohne BayernID oder BundID geht vielfach nichts. Fällt dann der digitale Personalausweis nach wenigen Jahren aus, wird selbst ein grundsätzlich digitalaffiner Nutzer vor unnötige Hürden gestellt.
– Zu viele unerfahrene Berater
Ich erlebe immer wieder, auch im Bund, wie unerfahrene Berater und fachliche Ignoranz Projekte gefährden oder scheitern lassen. Selbst wiederholte Hinweise werden insbesondere von internen IT-Mitarbeitern häufig ignoriert. Zu viele Beteiligte manipulieren am Ende das Ergebnis.
– Vergütung
In der freien Wirtschaft lässt sich meist deutlich mehr verdienen. Deshalb entscheiden sich erfahrene IT-Fachkräfte nur selten für Verwaltungen oder Behörden.
– Umsetzungseffizienz und Innovationsbereitschaft
Bis Lösungen für Verwaltungen bereitstehen oder tatsächlich eingesetzt werden, sind sie oft bereits veraltet. In Deutschland wird häufig die perfekte 100-Prozent-Lösung angestrebt – und am Ende nicht einmal die 60-Prozent-Lösung umgesetzt, die Bürgerinnen und Bürgern heute schon helfen würde. Politik und Verwaltung müssen akzeptieren, dass digitale Transformation nicht durch Absicherung jeder Eventualität entsteht, sondern durch klare Entscheidungen, Priorisierung und laufende Verbesserung.
Durch den zunehmenden Einsatz von KI in der Entwicklung wird dieser Rückstand für Deutschland noch problematischer.
Iterative Innovationsprozesse lassen sich mit der typischen Verwaltungsmentalität nur schwer vereinbaren.
Andreas Vierthaler
mit einem Lesermail von Tobias von Wangenheim: Lesermail zum Artikel „Zur Digitalisierung genügt ein Posten“
mit einem Lesermail von Thomas Alf: Lesermail zum Artikel „Zur Digitalisierung genügt ein Posten“