Klimapartnerschaft Urubamba-Eching: Beenden, bevor sie begonnen hat?
Die Freien Wähler wollen die Klimapartnerschaft zwischen Eching und Urubamba „mit sofortiger Wirkung“ beenden und auch den vorgesehenen Gegenbesuch absagen.
Ihre Begründung überzeugt mich nicht.
Die Klimapartnerschaft ist keine Entwicklungshilfe, bei der Eching in Peru Kläranlagen baut oder Abfallentsorgung finanziert. Sie soll Kommunen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen zusammenbringen und daraus gemeinsame Projekte entwickeln. Wasser, Boden, Landwirtschaft, Biodiversität und der Umgang mit den Folgen des Klimawandels sind schließlich nicht nur Themen in Peru.
Besonders befremdlich finde ich die Feststellung, Eching könne aus der Partnerschaft „keinerlei wirklich nutzbare Informationen“ gewinnen. Woher weiß man das bereits? Die Delegation aus Urubamba war gerade erst in Eching.
Der gemeinsame Aktionsplan, in dem konkrete Projekte und Ziele festgelegt werden sollen, steht noch aus. Die Freien Wähler wollen also das Ergebnis einer Zusammenarbeit beurteilen, bevor diese Zusammenarbeit überhaupt richtig begonnen hat.
Und Nutzen lässt sich nicht nur daran messen, welches technische Wissen die Gemeindeverwaltung aus Peru mit nach Hause bringt. Die Klimapartnerschaft hat bereits Menschen in Eching zusammengebracht und ehrenamtliches Engagement ausgelöst. Rund ein Dutzend Interessierte haben sich für ein Multiplikatorennetzwerk gefunden.
Menschen bringen ihre Sprachkenntnisse, ihre persönlichen Verbindungen nach Peru, ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen ein. Der Arbeitskreis Entwicklungshilfe und die Fairtrade-Steuerungsgruppe beteiligen sich ebenfalls.
So entsteht etwas, was Kommunen eigentlich fördern sollten: eine aktive Zivilgesellschaft, in der Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen und internationale Partnerschaft selbst mit Leben füllen.
Auch das Kostenargument sollte man genauer betrachten. Reise- und Hotelkosten der gegenseitigen Besuche werden zu 100 Prozent von der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW)“ getragen. Das zugrunde liegende Bundesprogramm unterstützt die kommunalen Klimapartnerschaften finanziell und fachlich; dadurch sollen die kommunalen Haushalte nicht belastet werden. Eching finanziert also nicht die Reisen nach Peru.
Bleibt der Arbeitsaufwand der Verwaltung. Den darf man selbstverständlich kritisch hinterfragen. Im Antrag heißt es, 2026 seien dafür „20 % der Arbeitszeit“ von mindestens zwei Verwaltungsmitarbeitern benötigt worden.
Das ist eine erstaunlich hohe Zahl. Bevor daraus politische Konsequenzen gezogen werden, sollte transparent gemacht werden, wie sie zustande kommt und welcher Teil davon auf den einmaligen Aufbau der Partnerschaft und die Organisation der Besuchswoche entfällt.
Und natürlich sollte eine Klimapartnerschaft Eching etwas bringen. Aber Nutzen muss nicht bedeuten, dass Urubamba uns eine technische Lösung liefert, die wir morgen im Rathaus einsetzen können. Partnerschaft bedeutet gegenseitiges Lernen.
In Urubamba sind Wasserknappheit und Veränderungen von Landwirtschaft und Ökosystemen längst konkrete Herausforderungen. Vielleicht können wir gerade deshalb etwas voneinander lernen.
Nach dem Besuch in Eching soll nun ein gemeinsamer Aktionsplan entstehen. Danach kann der Gemeinderat beurteilen, welche Projekte sinnvoll sind, was sie Eching kosten und welchen Nutzen sie haben.
Eine Partnerschaft kritisch zu überprüfen, ist richtig. Sie aber zu beenden, bevor man überhaupt weiß, was aus ihr entstehen kann, wäre die falsche Reihenfolge.
Und es wäre ein schlechtes Signal an all diejenigen in Eching, die gerade begonnen haben, diese Partnerschaft ehrenamtlich mit Leben zu füllen.
Peter Neumann
mit einem Lesermail von Martina Seidl: Lesermail zur Klimapartnerschaft mit Urubamba
mit einem Lesermail von Dr. Irena Hirschmann: Lesermail zur Klimapartnerschaft mit Urubamba
mit einem Lesermail von Ingrid Brandstetter: Lesermail zur Klimapartnerschaft mit Urubamba