Lesermail zum Artikel „Tauschhütte 2.0“

zum Lesermail von Thomas Alf

Sie bestätigen meinen entscheidenden Punkt eigentlich selbst: 300 Unterschriften sind keine Mehrheit. Darüber sind wir uns also schon einmal einig.

Und ich habe sogar einen ausgesprochen konstruktiven Vorschlag für die „Tauschhütte 2.0“: Die 300 Unterstützer gründen einen Verein, mieten in Eching ein Ladenlokal und betreiben dort ihre Tauschhütte – finanziert aus Mitgliedsbeiträgen, privaten Spenden und eigenen Einnahmen, ohne staatliche Zuschüsse und ohne die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen.

Ich wäre der Letzte, der etwas dagegen hätte. Im Gegenteil: Wenn es funktioniert, wunderbar.

300 Unterschriften sind schnell geleistet. 300 Daueraufträge wären der wesentlich überzeugendere Beweis dafür, wie groß der „deutliche Anklang“ tatsächlich ist.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen uns. Sie verweisen auf „Positivität“, Engagement und den Wunsch, die Welt zu verbessern. Das alles kann ehrenwert sein. Aber gute Absichten sind noch kein Anspruch auf das Geld anderer Leute. Und eine schöne Idee wird nicht dadurch zur Aufgabe der Gemeinde, dass genügend Menschen sie schön finden.

Passend dazu wird nun der Grüne Landtagsabgeordnete Johannes Becher als Fachmann präsentiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über sein eigenes denkmalgeschütztes Haus am Gries von einem Gesamtaufwand von rund zwei Millionen Euro und rund 700.000 Euro Zuschüssen. Genau diese Förderlogik kritisiere ich: Ein Projekt muss wirtschaftlich nicht aus eigener Kraft funktionieren, solange irgendein öffentlicher Topf einspringt.

Und Ihre Bemerkung über „Zuwanderung oder ähnliche rechte Narrative“ finde ich besonders aufschlussreich. In meinem Leserbrief kommt weder Zuwanderung vor noch irgendein anderes von Ihnen angesprochenes Thema. Mein Text handelt von repräsentativer Demokratie, öffentlichen Ausgaben und dem Umgang mit einer Entscheidung des gewählten Gemeinderats.

Wer darauf mit „rechten Narrativen“ antwortet, widerlegt kein einziges meiner Argumente. Er wechselt lediglich das Thema und versieht den Kritiker mit einem politischen Etikett.

Meine Position ist deshalb ziemlich einfach: Wer eine Tauschhütte möchte, darf eine Tauschhütte betreiben. Wer eine bessere Welt schaffen möchte, darf damit jederzeit anfangen. Aber die Rechnung dafür bitte nicht ungefragt an die Allgemeinheit schicken.

Denn genau da wird es für mich grotesk: Der Bürger finanziert das Projekt, finanziert den Fördertopf, finanziert den Experten – und bekommt anschließend von denselben Leuten erklärt, wie er richtig zu leben hat.

Anton Moll junior

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