Adios, Klimapartnerschaft

Die begonnene Klimapartnerschaft mit dem peruanischen Urubamba ist vom Gemeinderat wieder abgeblasen worden. Mit 13:8 Stimmen haben CSU, FW und FDP im Gemeinderat gegen Grüne/Bürger für Eching, „Mega“ und SPD die Einstellung erzwungen.

Man sehe „keinerlei konkreten Nutzen dieser Partnerschaft“, heißt es im Antrag der FW, der den Ausstieg initiierte. In den definierten Arbeitsschwerpunkten Landwirtschaft, Boden- und Wassermanagement, Wasseraufbereitung, regionale Wertschöpfung oder Abfallentsorgung könne Eching „keine wirklich nutzbaren Informationen gewinnen“; örtliche Landwirte, die man kontaktiert habe, hätten dies bestätigt.

Urubamba habe einfach völlig andere geologische und klimatische Voraussetzungen, ein Austausch wäre mit europäischen Partnern, wie den anderen Partnergemeinden Trezzano in Italien und Majs in Ungarn, zielführender, hieß es von Seiten von CSU und FW in der Gemeinderatsdebatte. Peru müsse auch als reichlich korrupter Staat gelten, weswegen jede Zusammenarbeit problematisch sei.

Wenn Urubamba etwa bezüglich Abfallbeseitigung von dem Austausch profitiere, falle das „eindeutig unter Entwicklungshilfe“, finden die FW, „wofür eine Kommune nicht zuständig sein kann“. CSU-Sprecher Manuel Wolff verwies zudem auf den Bedarf der weiten Flugreise zum Klimaaustausch und attestierte eine „Doppelmoral“.

Eric Jacob (Grüne/BfE) nannte den Antrag „lächerlich“. Die Begründung halte „keiner Überprüfung stand“. Er habe durchaus positiveres Feedback von den ersten Projektschritten gehört. „Wenn unsere Gemeinde auch in einigen Jahren noch lebenswert sein soll, hilft uns jeder Wissensvorsprung, den wir kriegen können“, warb er.

Vhs-Leiterin Daniela Kirschstein betonte in der Sitzung, ein Erfahrungsaustusch könne „auch oder gerade erhellend sein, wenn sich die Partner nicht so ähnlich sind“. Lena Rehbach (Mega) sagte, sie sehe die Partnerschaft als „Planung für die Zukunft, da kann man nicht nur schauen, was ist jetzt gerade der Ertrag“.

Mit einem großen Auftaktfest mit peruanischen Spezialitäten und viel Information war die Partnerschaft im Mai gestartet worden. Bürgermeister Michael Steigerwald (CSU) hatte seinerzeit die Vereinbarung unterzeichnet, gegen die er nun im Gleichschritt mit seiner Fraktion stimmte.

Eine Delegation aus Urubamba war im Juli zum Auftakt der Zusammenarbeit in Eching. Hier wurde ein Kreis ehrenamtlich engagierter Echinger aufgebaut, die in dem Projekt mitmachen wollten. Im Gemeinderat war die Partnerschaft allerdings noch nie Thema, sondern ausschließlich auf dem Verwaltungsweg mit Unterstützung der Bürgermeister Sebastian Thaler bis April und Steigerwald seither.

Im Kontext des für November anstehenden Gegenbesuchs in Peru war die Echinger Delegation aufgrund der außergewöhnlichen Zusammenarbeit zu einer internationalen Fachkonferenz in Sao Paulo in Brasilien eingeladen. Der Deutsche Volkshochschulverband empfahl die Echinger Initiative für den Nationalen „BNE-Preis“ der Unesco, mit dem „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wird.

Mit der Delegation aus Urubamba wurde eine intensive Arbeitswoche absolviert. Unter anderem besucht wurden zwei landwirtschaftliche Betriebe, einen Abfallentsorgungsbetrieb, den regionalen Heideflächenverein mit seinen Renaturierungsmaßnahmen und die nahe Hochschule Weihenstephan zu den Themen Gartenbau, Energiepflanzen und internationale Zusammenarbeit.

Herausgearbeitet worden sei insbesondere, „welche Erfahrungen wechselseitig nutzbar sind und in welchen Bereichen konkrete Projekte entwickelt werden können“, heißt es in einer Darstellung der Gemeinde zu dem Besuch.

Weitergehen sollte es mit einem gemeinsamen Aktionsplan für die Klimapartnerschaft, in dem „zentrale Themenfelder festgelegt und konkrete Projekte für die Umsetzung in Eching und Urubamba entwickelt werden“ sollten. All das wird nun storniert, der Kreis ehrenamtlich Engagierter wird aufgelöst, ein eventueller Preis der Unesco müsste abgelehnt werden.

Rike Pätzold vom „Institut für praktische Emergenz“, die am Projektstart beteiligt war, bedauerte den Ausstieg. „Internationaler Austausch ist kein Luxusprojekt, sondern kommunaler Realismus“, betont sie, „globale Herausforderungen wie Hitze und Wasserknappheit machen nicht an Gemeindegrenzen Halt.“

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