Bürgermeister Michael Steigerwald ist seit 2. Mai im Dienst, der Gemeinderat hat sich am 19. Mai konstituiert. Die obligate Eingewöhnungsfrist von 100 Tagen ist gerade so eben vorbei.
Die bisher auffälligsten Resultate der Arbeit im Rathaus: Die Poster mit Werken örtlicher Künstler wurden aus dem Huberwirt entfernt, die Galerie im Rathaus wurde (faktisch) gestoppt, die Tauschhütte wurde abgebaut und die bereits begonnene Klima-Partnerschaft mit Urubamba storniert. (Ex-Gemeinderat Herbert Hahner hat die Liste in einem Lesermail noch unter anderem darum erweitert, dass Post aus dem Rathaus auf das Gemeinde-Logo verzichtet.)
Für jede dieser Maßnahmen gibt es individuelle Argumente, in Summe aber ist als zentrales Ziel der neuen, starken Mehrheit aus CSU und FW (plus Wurmfortsatz FDP) durchaus erkennbar, die Ära von Bürgermeister Thaler und der „bunten“ Mehrheit unverzüglich rückabzuwickeln. Die Tennishalle als Thalers Herzensprojekt Nummer eins in seinen zehn Jahren kann man halt schlecht wieder rückbauen, ansonsten – backlash auf ganzer Linie.
Als 1998 Josef Riemensberger (CSU) als Bürgermeister 26 Jahre SPD-Führung im Rathaus abgelöst hatte, war bereits ein Rückbau ambitionierter Eigenheiten Echings befürchtet worden; nichts davon geschah. Wie Riemensberger dann in seinen 18 Dienstjahren mit einzelnen Einrichtungen umging, ist die jeweilige Eigenart seiner Amtsführung gewesen – aber er hat nichts getilgt, nur weil es zuvor gegen den Willen der CSU eingeführt worden war.
Sein Nach-, Nachfolger Steigerwald ist da weniger zimperlich und schafft ab, was ihm (oder seinen Hintersassen) nicht gefällt (auch wenn ihm im Falle der Klimapartnerschaft, die er zuvor noch unterzeichnet hatte, erst erklärt werden musste, was ihm nicht gefällt).
CSU/FW und ihr Bürgermeister sind sich offenkundig nun wieder einig, dass es irgendwas mit Ambition in der Ortspolitik nicht braucht. Für den Müll gibt es eine Tonne, für Kunst kann man in Museen gehen. Und Kartoffeln aus Urubamba kann man hier nicht verkaufen.
mit einem Lesermail von Guido Langenstück: Lesermail zum Kommentar „‚Bunt‘ muss weg“