Jetzt, da klar ist, dass die Sache endet, bevor sie begann, möchte ich dazu einen Kommentar
abgeben.
In gewisser Weise zähle ich mich auch zu den Initiatoren dieser Partnerschaft. Ich war mit Unterbrechungen insgesamt vier Jahre in Peru, genauer gesagt in Calca und Urubamba. Von 1980 bis 1983 habe ich dort als Entwicklungshelfer des damaligen DED in einem Pilotprojekt mitgearbeitet, in dem es unter anderem um die Industrialisierung landwirtschaftlicher Produkte ging.
1988 hatte ich dort noch einen Kurzzeiteinsatz. Diverse Besuche nicht eingerechnet – der letzte war im Januar/Februar 2024.
Die insgesamt 14 Projekte, die von Eching aus angestoßen werden konnten, wurden in der Provinz Urubamba realisiert. Was haben wir dort erreicht? Neben Trinkwasser in den Orten, der Brücke über den Fluss Vilcanota und dem Lastwagen der damaligen Isar-Amperwerke für den Distrikt Ollantaytambo haben wir die Menschen dort in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.
Wir haben sie dabei unterstützt, mit ihren Mitteln ihre Lebensqualität wesentlich zu verbessern. Und wir waren dort – wie in Brasilien, Kenia und Madagaskar – verlässliche Partner.
Aus Dankbarkeit dafür, dass sich die Echinger so engagiert hatten, schlug die Stadt Urubamba vor, eine Städtepartnerschaft mit Eching einzugehen. Eching schlug dann vor, dies in eine Städtefreundschaft münden zu lassen, um – und jetzt bitte genau aufpassen – keinerlei finanzielle Verpflichtungen einzugehen.
Das war 1996. Dazu gab es auch einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss für eine Städtefreundschaft. Leider ist es so mit Partnerschaften oder auch Freundschaften: Wenn sie nicht gepflegt werden, geraten sie in Vergessenheit.
Wenn nun aus Urubamba nachgefragt wird, ob wir das nicht wieder auf die Tagesordnung setzen könnten, bedeutet das nichts anderes, als dass sich dort jemand erinnerte, dass da ja einmal etwas war. Eigentlich ist das nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: Es ist doch schön, wenn sich jemand an einen erinnert.
Die Aufmerksamen in Eching werden sicher auch das Internet zu Rate gezogen haben und auf urubamba.gob.pe darauf gestoßen sein, dass Eching dort als Partnergemeinde von Urubamba genannt wird – zumindest im Internet. Genauso war Urubamba auf der Webseite von Eching als Partnergemeinde aufgeführt, neben Maisach und Trezzano; zumindest war das bis vor der Abstimmung im Gemeinderat so.
Aber weiter: Jetzt taucht da plötzlich eine Institution mit dem Namen SKEW auf und dazu ein kurios klingendes Projekt namens „Klimapartnerschaft“. Ich gebe zu: Auch ich habe mich gefragt, was das soll. Da ich mich ebenfalls zu den aufmerksamen Zeitgenossen zähle und mir das Internet nicht fremd ist, konnte ich mich über die SKEW informieren.
Man muss schon suchen, aber es lohnt sich: Im ganzen Bundesgebiet gibt es eine Reihe interessanter Projekte unter der Überschrift „Klimapartnerschaft“. Unter anderem Pfaffenhofen mit Turrialba in Costa Rica. Dort hat man sich auch zusammengesetzt und gemeinsam das eigene Projekt ausgearbeitet.
Hier möchte ich auf die vielfach angesprochenen Reisen eingehen. Jeder weit gereiste Echinger wird die Erfahrung gemacht haben, dass sich die Wirklichkeit vor Ort manchmal anders darstellt, als man sie erwartet hat. Auch wenn es nur ein Pool ist, obwohl einem zwei Pools angepriesen wurden.
Ein Video ist in so einem Fall hilfreich, aber vor Ort ist es doch immer wieder anders. Jeder wird das erlebt haben. Die Vorstellung von einem Ort in der Ferne ist subjektiv – und auch, wie man ihn dann in der Realität erlebt. Selbst in den Clubs diverser Veranstalter können zum Beispiel die Betten anders angeordnet sein als im Prospekt oder im Video.
Wenn man also wissen will, mit wem und womit man es zu tun hat, muss man sich selbst vor Ort ein Bild machen – und zwar gegenseitig. Damit jeder weiß, woher man kommt, wo man ist und was man voneinander erwarten kann. Das ist nicht mit einer Pauschalreise und Rundumversorgung zu vergleichen. Bei einem wirklich seriös ausgearbeiteten Projekt muss man wissen, worüber beide Seiten reden. Das geht nur, wenn man die Gegebenheiten hier wie dort kennt.
In den Leserbriefen wurde angezweifelt, dass wir von den Peruanern etwas lernen können. Auch der Nutzen für die Gemeinde wurde infrage gestellt. Wenn man das Ganze oberflächlich betrachtet, ist so eine Schlussfolgerung verständlich. Aber das ist, wie gesagt, oberflächlich – und das ist noch sehr neutral ausgedrückt.
Ich frage mich: Was ist der Unterschied zwischen einem Bauern in den Höhenlagen von Urubamba, der seine Kartoffeln schon seit Jahrtausenden anbaut, und einem Bauern in Eching, der das seit ein paar hundert Jahren macht? Beide bearbeiten den Boden, auf dem sie wirtschaften.
Der eine mit Maschinen, Kunstdünger und Beregnung. Der Bauer hier kann ohne hohen Kapitaleinsatz nichts machen. Er muss erst Tausende von Euro haben, damit er überhaupt arbeiten kann. Ich will nicht weiter auf die ganze staatliche Förderung eingehen – auch hier handelt es sich um öffentliche Gelder.
Und wie ist es mit den meist indigenen Bauern in den Höhen von Urubamba? Sie beliefern ihre Kunden mit einer schmackhaften und variantenreichen Ware, alles in bester Bioqualität und immer frisch vom Acker. Ist deren Arbeit nicht gleichwertig?
Im Übrigen können sie nicht mit staatlicher Unterstützung rechnen. Sie sind vollkommen auf sich gestellt und gehen wirklich ins Risiko. Ist Qualität, vor allem bei Lebensmitteln, nicht ein absolutes Muss? Jeder, der etwas von Lebensmittelqualität versteht, wird das bestätigen.
Ist dieser indigene Bauer nicht einem Bauern hier gleichgestellt, nur weil er keine Tonnen- beziehungsweise Massenware produziert, sondern exquisite Ware im Zentnerbereich – Quintales würde man dort sagen? Den klimatischen Fußabdruck oder Ressourcenverbrauch beider Seiten will ich nur nebenbei erwähnen.
Was den wenigsten bekannt ist: Der Maisanbau, vor allem der weiße Mais aus dem Valle Sagrado de los Incas, dem Heiligen Tal der Inkas, zu dem Urubamba gehört. Seit Jahrtausenden wird dort mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem gearbeitet und Mais angebaut. Und man glaubt es kaum: Dort wurde Saatzucht betrieben, und das geschieht auch heute noch.
Natürlich ist das kein Futtermais. Er wird zwischen Milch- und Mehlreife als Choclo gegessen und ist in ganz Peru gefragt. Als luftgetrocknetes Korn wird er auch exportiert, vor allem nach Spanien und Japan.
Nur zur Information für die Bauern in Eching: Die Bauern aus dem Valle Sagrado haben einen Patentstreit gegen Monsanto vor dem Europäischen Patentgericht gewonnen. Monsanto wollte sich ihr Patent aneignen. Jetzt nur einmal die Frage: Ist so ein Verhalten korrekt? Wäre das nicht ein Missbrauch von Kenntnissen, für die man selbst keinen Aufwand hatte, um daraus Kapital zu ziehen? Könnte man das nicht auch als Diebstahl bezeichnen?
Dann haben diese Bauern neben hydraulischem Wissen exzellente Kenntnisse von den mikroklimatischen Verhältnissen ihrer Umgebung. Sie wissen zum Beispiel, wo sie welche Kartoffelsorte anbauen können und wo eine andere Frucht bessere Erträge liefert. Kann man von solchen Bauern wirklich nichts lernen, auch wenn geografische und geologische Unterschiede unbestreitbar sind?
Der Tourismus ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für Urubamba, gerade im Distrikt Ollantaytambo. Ähnlich verhält es sich in Calca und Pisac. Beide Provinzen liegen im Einzugsbereich des neuen Flughafens in Chinchero, das wiederum zu Urubamba gehört. Er soll in den nächsten drei Jahren eröffnet werden.
Jetzt kommen wieder geografische Verhältnisse ins Spiel: Der Flughafen liegt auf einer Höhe von etwa 3.600 Metern. Das kann für Reisende, in erster Linie Touristen, durchaus problematisch sein, weil die Gefahr der Höhenkrankheit, des Soroche, sehr hoch ist. Im Tal, 600 Meter tiefer, ist dieses Risiko erheblich
geringer.
Vom zukünftigen Flughafen ins Tal sind es mit dem Bus etwa 30 bis 40 Minuten. Es ist absehbar, dass wegen dieser Höhenanpassung und der zu erwartenden Ansiedlung von Hotels der Druck auf die vorhandene Infrastruktur in den Provinzstädten Urubamba und Calca zu einer Überlastung führen wird. Einige Resorts stehen jetzt schon.
Was ist die Folge? Wasser, Abwasser, Strom, Abfallentsorgung und Erschließung allgemein werden Schwierigkeiten bereiten. Hier könnte das Know-how beispielsweise der Gemeinde Eching beitragen: Durch Hinweise und Vorschläge dazu, worauf man achten oder was man tunlichst vermeiden sollte. Welche Auflagen sollten zum Beispiel gemacht werden?
Das alles wäre möglich gewesen, wenn man die Gegebenheiten und Möglichkeiten hier wie dort kennen würde. Als Klimapartner hätte man sich dann auch per Video zusammensetzen und austauschen können. Als Allianz hätten die Städte Urubamba und Calca Druck auf die Regional- und Zentralregierung ausüben können – mit Argumenten und Beispielen, zu denen wir ihnen hätten verhelfen können.
Wenn jetzt jemand nach der Rendite für die Gemeinde Eching fragt, dann sage ich: Oberflächlich betrachtet keine. Und da kommt wieder der Echinger Bauer ins Spiel. Er weiß bei der Aussaat auch nicht, wie die Ernte ausfällt. Er wird sicher alles Mögliche tun, damit sie gut wird. Er investiert erst einmal, bevor er einen Ertrag hat.
Mit anderen Worten: Mit diesem Gemeinderatsbeschluss stellt sich die Gemeinde Eching freiwillig ins Abseits und verhindert dadurch einen Torschuss. Schlimm wird es immer, wenn Leute das Sagen haben, ohne sich bewusst zu sein, wie wenig sie von den Sachverhalten wissen und verstehen.
Joe Vilser
mit einem Lesermail von Guido Langenstück: Lesermail zum Artikel „Adios, Klimapartnerschaft“