zum Lesermail von Joe Vilser
Zunächst einmal: Danke für Ihren sehr ausführlichen Bericht.
Dieser offenbart, dass zwischen Ihnen und unserer Gemeindeverwaltung und unseren Gemeinderäten offensichtlich seit langer Zeit keine ausreichende Kommunikation stattfindet, so dass das Projekt „Klimapartnerschaft“ mit Urubamba über Jahre eingeschlafen ist (offensichtlich hatte Herr Steigerwalds Amtsvorgänger Thaler keine großen Ambitionen, die Klimapartnerschaft mit Leben zu erfüllen).
Sie schreiben u. a.: „Das alles wäre möglich gewesen, wenn man die Gegebenheiten und Möglichkeiten hier wie dort kennen würde. Als Klimapartner hätte man sich dann auch per Video zusammensetzen und austauschen können. Als Allianz hätten die Städte Urubamba und Calca Druck auf die Regional- und Zentralregierung ausüben können – mit Argumenten und Beispielen, zu denen wir ihnen hätten verhelfen können.“
Glauben Sie ernsthaft, dass die peruanischen Landwirte unsere Unterstützung brauchen, um Druck auf die Regional- und Zentralregierung ausüben zu können? Ich nicht.
Machen wir ein Gedankenexperiment: Unsere Kartoffelbauern sind mit irgendeiner politischen Entscheidung, die sie betrifft, nicht zufrieden. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, holen sich unsere Bauern zum Thema eine schriftliche Expertise aus Peru und legen diese den politischen Entscheidungsträgern als Argumentationshilfe vor.
Glauben Sie etwa ernsthaft, dass das irgendwen in unseren Amtsstuben oder Gerichten interessiert? Ich nicht. Da käme, m. E. zu Recht, sofort das Argument, dass die Landwirtschaft in Deutschland ganz anders funktioniert als die in Lateinamerika (Sie beschreiben ja die Unterschiede).
Fazit: Partnerschaften mit anderen Ländern und Kontinenten sind zwar grundsätzlich begrüßenswert, aber man sollte immer den Sinn und Nutzen für beide Seiten hinterfragen. Natürlich dürfen die Leute hier, die Interesse an einem Wiederaufleben der Kontakte mit Urubamba haben, sich in den Flieger setzen und nach Peru fliegen. Das aber bitte auf eigene Kosten.
Bitte nicht vergessen: Wir befinden uns in Deutschland (auch in Eching) in einer beginnenden Rezession, die zu massiven Steuerausfällen führen wird (wie hoch, weiß keiner). Deutschland muss dank Putin und Trump jetzt massiv in die über Jahrzehnte sträflich vernachlässigte Aufrechterhaltung der Wehrfähigkeit investieren. Nebenbei wird die von Russland völkerrechtswidrig angegriffene Ukraine von uns massiv finanziell unterstützt (m. E. zu Recht).
Das wiederum hat zur Folge, dass sämtliche „nice to have“-Projekte und -Investitionen auf den Prüfstand gehören. Dazu zähle ich auch die vom Steuerzahler bezahlten Transatlantikflüge von München nach Urubamba.
Angesichts des negativen CO²-Fußabdrucks eines Transatlantikflugs nach Peru (über 10.000 km) braucht mir jedenfalls keiner derjenigen, die ernsthaft vorhatten (-haben?), von hier nach Urubamba zu fliegen, erzählen, er bzw. sie sei für Klimaschutz (eine Frage der Glaubwürdigkeit).
Guido Langenstück