85716 Eching bei Hollern

Erstmals überhaupt hat das Rathaus eine Bürgerversammlung am Geflügelhof abgehalten. Die Bewohner der Siedlung zeigten dabei maximales Interesse: In die Cafeteria der Gärtnerei des HPCA kamen am Montag gut 70 der amtlich registrierten 200 Bewohner. Auf den Ort Eching übertragen, würde dies dort eine Teilnehmerzahl von über 3500 an der Bürgerversammlung bedeuten.
In der teils hitzigen Debatte blieb die zentrale Frage einer möglichen Umgemeindung nach Unterschleißheim unentschieden. Vereinbart wurde, dass vom Rathaus eine Umfrage an alle Haushalte zu den Umgemeindungsplänen initiiert werde, ausdrücklich deklariert als informelles Stimmungsbild, nicht als bindendes Votum.
Zudem will Eching in Erfahrung bringen, welche Absichten Unterschleißheim mit der Umgemeindung verbindet und welcher Umgriff überhaupt debattiert werden solle. Im Rathaus befürchte man Landhunger der beengten Nachbarstadt, ließ Bürgermeister Sebastian Thaler anklingen. Die Bundesstraße B13 sei einfach von jeher „die natürliche Grenze“ beider Orte. Wenn Unterschleißheim nun durch die Eingemeindung dartüber hinaus greife, sei in Eching die bange Frage: „Was kommt als nächstes?“
Größtes Problem in der Siedlung ist akut eine dramatische Sprachverwirrung. Offenbar hat sich bislang ein amtlicher Adressname für den Geflügelhof weder im Rathaus noch bei der Post durchgesetzt. Fast jeder im Saal trug individuelle Schwierigkeiten vor – und bizarrerweise hatte auch fast jeder eine individuelle Adresse. Vater und Sohn, die im gleichen Haus leben, haben in ihren Pässen unterschiedliche Adressen stehen. Einer lebt in „85716 Hollern“, der andere in „85716 Eching“ – und beide leben am Geflügelhof.
Die Postleitzahl hat der Geflügelhof von Unterschleißheim. Aber unter „85716 Unterschleißheim“ gibt es keinen Stadtteil Geflügelhof. Wohl gibt es einen Stadtteil Hollern – aber der hat nichts mit dem Geflügelhof zu tun. Die Passstelle im Echinger Rathaus sei aus unerfindlichen Gründen dazu übergegangen, den Geflügelhof als Hollern in die Pässe zu prägen, das Bauamt der Gemeinde führe die Siedlung als Geflügelhof. „Auf jeder Etage im Rathaus haben wir andere Bezeichnungen“, spottete ein Besucher. Der Bürgermeister sagte zu, hier eine Klärung anstreben zu wollen.
Verwundert wurde von den Geflügelhofern auch die historische Darstellung Thalers aufgenommen, wonach sich Unterschleißheim bei der Umgemeindung von Hollern in den 1980er Jahren verpflichtet habe, die Bewohner des Geflügelhofes fortan wie Unterschleißheimer Bürger zu behandeln. Davon könne keine Rede sein, stellten die Bewohner der Siedlung klar.
Den Wertstoffhof der Stadt dürfe man nicht benutzen, bei Wartelisten in den Kindertagesstätten stehe man nicht in der bevorzugten Reihe der Unterschleißheimer Bürger, sondern unter Gastanträgen. „Wir spielen immer nur die zweite Geige“, sagte einer. Thaler kündigte an, dieses Mißverhältnis mit Unterschleißheim zu klären.

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