Leuchten von innen

Das Doppelhaus am Barthl-Mayer-Weg in Dietersheim steht in einem kleinen Dorf, unmittelbar am Maisfeld und in Joggingnähe zu den Isarauen – aber es ist einigermaßen das exakte Gegenteil zur „typisch“ ländlichen Bebauung: Ein eingeschossiger, langgestreckter Kubus mit Flachdach und einer Außenhaut aus Alu-Paneelen. Jetzt wurde es „vergoldet“. Beim bundesweiten Architekturwettbewerb der Fachzeitschrift „Das Haus“ und der LBS-Landesbausparkasse um „Das Goldene Haus“ erhielt das Doppelhaus der Brüder Wagner den Sonderpreis der Jury.
„Das ist so mutig“, schwärmte Juror Gunnar Brand von der Fachzeitschrift über das Dietersheimer Haus. Er würdigte „einen tollen Beitrag“, mit dem „auf dem Land modern und urban“ gebaut worden sei: „Das zeigt, das kann man auch machen.“
Nepomuk und Christian Wagner sind dabei Bauherrn, Architekten und Bewohner in einem; „Muk“ Wagner ist Juniorchef des vielfach ausgezeichneten „Büro4 Wagner + Partner“ vom Grundstück nebenan.
Die Form hat sich dabei aus dem Bemühen ergeben, den engen Raum der Parzelle maximal zu nutzen und im Haus höchstmögliche Flexibilität zu schaffen. „Es gibt keinen umbauten Raum, der nicht voll ausgenutzt wäre“, schildert „Muk“ Wagner.
Um einen mittigen Lichthof gruppiert sich ein offener Grundriss, der durch den konstruktiven Verzicht auf tragende Zwischenwände vom kommunikativen Großraum bis zur kleinteiligen Zimmerflucht variiert werden kann. Eine schmale Raumachse an der Nordseite enthält Bad, Küche, Nasszelle. Flankiert wird der Begegnungsbereich von abgeschlossenen Rückzugsbereichen. Für alle denkbaren Lebensalter der Bewohner ist so geeigneter Raum vorhanden, inclusive der separierbaren Einliegerwohnung.
Die individuell vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion ist in vier Tagen gestanden. Die Außenfassaden sind mit verschiebbaren, gelochten Aluminumblechen mit weißer Einbrennlackierung verkleidet. Im Doppelschienensystem sorgen sie für Wärmeschutz und schaffen wechselnde Fassadenwirkungen. Das Haus ist „low tech“, es wird natürlich belüftet und belichtet. Der Innenhof sorgt für „Licht von innen raus“, so Wagner, in Ergänzung zu den Außenfenstern.
Das Haus wurde schon beim Wettbewerb „Die besten Häuser 2017“ ausgewählt und 2018 bei den „Architekturen“ der Bayerischen Architektenkammer gezeigt.
Bei der Preisübergabe: (v. li.) Chris und „Muk“ Wagner und Juror Gunnar Brand.

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