Geflügelhof bleibt echingerisch

Die Siedlung am Geflügelhof bleibt bei Eching. Eine Umgemeindung nach Unterschleißheim hat der Gemeinderat kategorisch abgelehnt. Bürgermeister Sebastian Thaler wollte zunächst die Bewohner des Gemeindeteils um ihre Meinung dazu fragen, aber der Gemeinderat lehnte die Befragung ab und beschloss stattdessen, den Verbleib der Siedlung bei Eching festzuschreiben.

Bei einer Bürgerversammlung am Geflügelhof war die Meinung unter den Anwesenden durchaus gespalten, so dass Thaler zusagte, eine offizielle Meinungsumfrage durchzuführen. Das bremste der Gemeinderat jetzt aber aus. Obwohl man zuvor noch Entscheidungsgrundlagen ermitteln hatte lassen, wurde nun ohne Grundlage entschieden, einer Umgemeindung nicht zuzustimmen.

„Die Entwicklungsmöglichkeiten geben wir nach Unterschleißheim und die Erschließung für ihre Projekte dürfen wir dann wieder bei uns abwickeln“, spottete Otmar Dallinger über das Binnenverhältnis zu den Nachbarn. Im Gemeinderat ist es sauer aufgestossen, dass etwa die Erweiterung der Autobahnanschlussstelle Unterschleißheim an der A92 zum Hauptnutzen des Unterschleißheimer Gewerbegebiets komplett auf Echinger Flur abgewickelt werden muss. Auch bei der gemeinsamen Planung des Hollerner Sees wird die Unterschleißheimer Erwartungshaltung in Eching oft kritisch gesehen.

Die Betroffenen zu befragen, lehnte Dallinger auch kategorisch ab. „Wir können England als Beispiel nehmen, was rauskommt, wenn man die Bürger befragt“, spottete er. Das hielt Bertram Böhm für eine völlig verfehlte Sichtweise. „Der Bürger ist der Souverän, nicht der Gemeinderat“, erinnerte er.

Mit der Verlegung der Bundesstraße B13, der Ortsgrenze zwischen Eching und Unterschleißheim, war 1990 der einstige Echinger Gemeindeteil Hollern nach Unterschleißheim umgemeindet worden, weil er nun jenseits der Straße lag. Seither ist Unterschleißheim auf breiter Front lückenlos an die B13 herangewachsen, so dass der Geflügelhof heute nur noch durch die Straßenbreite von Unterschleißheim getrennt ist, nach Eching aber gut fünf Kilometer auf der Staatsstraße Distanz hat. 2013 hatte die FB im Unterschleißheimer Stadtrat beantragt, den Geflügelhof einzugemeinden. Eine Anfrage dazu ließ der damalige Bürgermeister Josef Riemensberger erstmal in den Schubladen schlummern, ehe sie Thaler nun aufgriff.

Es werde immer vorkommen, dass es Gemeindeteile in Randlage gebe, hielt auch der Bürgermeister eine Neuordnung der Landkarte nicht für zwingend, die zugesagte Umfrage wollte er dennoch abhalten. Bei der Umgemeindung von Hollern hatte sich Unterschleißheim verpflichtet, auch die Bewohner vom Geflügelhof „wie Unterschleißheimer Bürger“ zu behandeln. Tatsächlich aber „stehen die Unterschleißheim immer hinten an“, monierte Sylvia Jung.

Die Umfrage wurde im Gemeinderat mit 20:5 Stimmen abgelehnt. Die daraus resultierende Abstimmung, die Umgemeindung komplett abzuweisen, wurde von CSU, SPD, FW, Grünen und Irena Hirschmann (fraktionslos) gegen „Bürger für Eching“ und „Echinger Mitte“ mit 22:3 Stimmen entschieden.

(einige Gedanken dazu…)

Ein Lesermail

  1. Das ist deutsche, gelebte Demokratie, mit würdigen Politikern, die wir anscheinend verdient haben.
    Mit solchen Politikern nach dem Krieg würden wir heute noch Steine klopfen.
    In was für einer abgehobenen Welt lebt ihr eigentlich!
    Viel Spaß beim Weitermachen, wie ihr wollt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Kandler
    Ein demokratisch erzogener Bürger aus Eching

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