Näherkommen, weiterdenken

Erstmals soll der Gemeinderat im September zu einer zweitägigen Klausurtagung zusammenkommen. Dabei solle es konkret um die Vorbereitung des Gemeindehaushalts für 2020 gehen, kündigte Bürgermeister Sebastian Thaler an, aber auch um „perspektivische Gedanken, was wir uns für die nächste Zeit vornehmen“. An einem Freitag und Samstag fährt der Gemeinderat dazu in ein Tagungszentrum nach Landshut.

Wegen dieser Perspektiven ist die Idee schon wieder vor dem Start umstrittenen. Langfristige Pläne – sechs Monate vor den Wahlen, in denen der Gemeinderat neu zusammengesetzt wird? Thaler will trotz Kritik aus dem Gemeinderat die Veranstaltung durchziehen. Neben der Vorbesprechung des Etats soll auch die neue Wirtschaftsförderin ihre Arbeit und ersten Eindrücke nach einem Vierteljahr im Rathaus darstellen.

Mittelfristig solle der mit der Klausturtagung angestossene Gedankenprozess um Perspektiven der Ortsentwicklung dann „in eine Fortschreibung des Gemeindeentwicklungsprogramms münden“, skizziert der Bürgermeister. Das ist zuletzt zur Jahrtausendwende diskutiert worden. Die 2003 druckgelegte Neufassung war damals „für die nächsten zehn bis 15 Jahre“ ausgelegt – ist also längst überfällig.

Thaler sagt, er habe sich bei seiner Wahl 2016 durchaus vorgenommen, die großen Linien für die Entwicklung zu zeichnen. „Aber das ist ein Thema, das ich im Tagesgeschäft einfach noch nicht angehen konnte“, bilanziert er nach knapp drei Amtsjahren selbstkritisch. „Es sind viele, die das vermissen“, räumt der Bürgermeister ein, „denn das erwarten die Leute, dass aufgezeigt wird, wo’s hingeht“.

In der aktuellen Tagespolitik aber sei „oft nicht so das große Konzept dahinter“. Die teils destruktive, sicher aber kontroverse Atmosphäre im Gemeinderat tue ein Übriges. „Wenn wir Themen wie eine Einfriedungssatzung für Gartenmauern zerpfücken, heute so sagen und morgen so – dann brauchen wir nicht über grundsätzliche Ortsentwicklung reden“, findet der Bürgermeister.

Teambuildingmaßnahmen sind in Landshut übrigens nicht vorgesehen; vielleicht, so die nächste Hoffnung des Bürgermeisters für die Tagung, helfe aber schon die gemeinsame Zeit in verändertem Ambiente plus ein eventueller Freitagabend im Wirtshaus, „dass wir im Gemeinderat wieder etwas mehr zusammenfinden“.

 

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