Armutszeugnis als Jahresbilanz

Die obligaten Weihnachtsworte der Fraktionen zur Jahresschlusssitzung im Gemeinderat vermittelten wieder Weihnachtswünsche und wohlige Atmosphäre. Allerdings waren sie eher aufgesetzt. Sie habe das Jahr wohl in einem anderen Gremium verbracht, ätzte Anette Martin für die SPD angesichts permanenten Streits im Gemeinderat 2019 bis hin zur Selbstblockade.

„Schlimm“ erlebe sie die Situation im Gremium, sagte sie unverblümt, „das trifft mich ziemlich“. Dass im Ort Entscheidungen und Beschlüsse im Gemeinderat kritisiert würden und man dafür angegangen werde, das sei sie gewohnt, sagte sie nach 21 Jahren im Rat.

Aber seit geraumer Zeit richte sich der häufigste Ärger „draußen“ nur noch darauf, dass im Gemeinderat vorwiegend Parteipolitik betrieben werden, sagte sie, mit Profilierung, Positionskämpfen und Verunglimpfungen.

„Was transportieren wir da nach draußen?“, sagte Martin: „Für unsere Arbeit ist das ein Armutszeugnis.“ Mit einer derartigen Außenwirkung „schaden wir diesem Gremium“, mahnte sie.

Auch Bürgermeister Sebastian Thaler (parteilos) rief bei seiner Ansprache zur Weihnachtsfeier des Gemeinderats im Hotel Olymp (Bild) dazu auf, „vielleicht mal bei der ein oder anderen Debatte Änderungen vorzunehmen“.

Ihn störe, „dass wir oft viel Zeit darauf verwenden, was vielleicht gar nicht so wichtig ist“. Jeder einzelne habe „die Verantwortung, die Dinge so zu priorisieren, dass sie den Ort weiterbringen“. Als Sitzungsleiter nehme er sich da auch an der eigenen Nase, sagte er.

Für den angelaufenen Kommunalwahlkampf bis März 2020 appellierte er an einen „partnerschaftlichen und fairen Umgang“.

Einig blieb sich der Gemeinderat immerhin, das Sitzungsgeld der Weihnachtssitzung zu spenden, diesmal an die Hospizgruppe Freising.

3 Lesermails

  1. Sehr geehrter Herr Wende,
    schauen Sie mal Orte wie z.B Garching an. Da sollten Sie erkennen, dass Eching so einiges verschlafen hat! Es wäre deshalb mal angebracht, Selbstkritik zu üben. Gerne auch über die Feiertage.
    Ihnen auch schöne Weihnachtsfeiertage!

  2. Und hier nun die „Adventszeitschelte“ gegen die Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates!
    Wie armselig, muss hierzu eine Weihnachtsfeier herhalten?

    Ein Bürgermeister vollzieht die Beschlüsse des Gemeinderates, so sieht es das Gesetz vor. Eine öffentliche Schelte auf einer Weihnachtsfeier gegen ehrenamtlich tätige Gemeinderäte ist wohl ein einmaliges Ereignis in der Gemeinde Eching.
    Herrn Thaler fehlt es nicht nur hier, sondern eben auch im Gemeinderat an Taktgefühl und Substanz.

    Frohe Weihnachten und gesund bleiben!

    1. Der Echinger Gemeinderat scheint kein Einzelfall zu sein, zumindest, was das Verhalten der CSU-Fraktion angeht: in Unterschleißheim hat nun ein Stadtrat Konsequenzen gezogen und wird zur nächsten Kommunalwahl nicht mehr antreten (https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/unterschleissheim-ort29622/unterschleissheim-csu-stadtrat-kritisiert-partei-und-erklaert-rueckzug-13360187.html)
      Vielleicht hört man in der Echinger CSU ja die Signale noch rechtzeitig – die von der CSU entfachte Diskussion um die Sportlerwahl haben ja mal wieder deutlich gemacht, dass dies dringend notwendig wäre!

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