Lesermail zum Artikel „Keine Parkplätze vors Rathaus“

Parken nur im Untergrund

In der vergangenen Bauausschusssitzung wurde zu unserem Bedauern die bisherige Planung mit Längsparkern entlang des neuen Rathauses verworfen. BfE, Grüne und SPD stimmten stattdessen für eine Verbreiterung des Fuß- und Radweges.

Optisch ist dies sicherlich die ansprechendere Variante. Doch für den Ortskern halten wir die getroffene Entscheidung für einen Fehler unter der Verwendung von zum Teil nicht nachvollziehbaren Argumenten.

So war ein Hauptpunkt die Gefährlichkeit dieser Stellplätze für alle Verkehrsteilnehmer. Doch ist dies wirklich so? Entlang der Hauptstraße ist das Rathaus mit Längsparkern vor dem Dimis, der Freisinger Bank, der Götz-Apotheke und der Bäckerei Hermann quasi eingekreist. In diesen Bereichen wurde deren angebliche Gefährlichkeit bisher nie thematisiert.

Und auch das zweite Argument, man könne die Stellplätze jetzt auch in der Tiefgarage nachweisen, hinkt etwas. Dafür wurden 25 Stellplätze, die zuvor vermietet wurden, gekündigt und nun den Rathausstellplätzen zugeschlagen. Rein rechnerisch mag dies legitim sein. Aber wo werden denn zukünftig diese 25 Fahrzeuge parken? Der größte Teil wird sich wohl nun auch noch im Bereich zwischen ASZ, Rathaus und Bürgerhaus oberirdisch um die vorhandenen Stellplätze streiten. Ein verkehrspolitischer Schildbürgerstreich, war man doch in der Vergangenheit um jedes Fahrzeug froh, welches man in die Tiefgarage locken konnte.

Auch mag dies dem einen oder anderen Häuslebauer sauer aufstoßen. Schließlich achtet die Gemeinde bei ihnen genau darauf, dass diese die Stellplatzsatzung einhalten. Nicht ganz unbegründet, schließlich sollen die zu erwartenden Autos einen geregelten Stellplatz erhalten und nicht durch „wildes“ Parken den Straßenverkehr gefährden. Im eigenen Hinterhof sieht man hier als Gemeinde die Sache etwas anders und behilft sich mit dem beschriebenen, rechnerischen „Trick“.

Dabei ist es unwahrscheinlich, dass Menschen, die nur eine kurze Erledigung im Rathaus haben, dafür extra in die Tiefgarage in der Bahnhofstraße fahren. Diese werden wohl dann zukünftig eher versuchen, ihr Auto kurz vor den gegenüberliegenden Geschäften abzustellen. Und hier lauert dann schon der nächste Streitpunkt. Der dortige Grundstückeigentümer hatte sich schon in der Vergangenheit massiv darüber beschwert, dass seine Geschäftskundenparkplätze von Rathausbesuchern genutzt werden. Die Längsparker wären auch ein Zugeständnis an diese durchaus berechtigten Klagen gewesen.

Aufgrund der dargelegten Punkte halten die Freien Wähler die beschlossene Umplanung für einen Fehler. Verfolgt man die Aussagen einiger Gruppierungen im Rat, ist zu erwarten, dass dies erst der Beginn war und noch weitere Stellplätze weichen sollen. Diese Gruppierungen möchte ich daran erinnern: Auch Elektroautos brauchen Parkplätze!

Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Gürtner, Gemeinderat (FW)

2 Lesermails

  1. Inklusives Rathaus für alle!

    Wir Grüne halten die Reduzierung von oberirdischen Parkplätzen für einen zukunftsweisenden Schritt, der gerade bei einem öffentlichen Gebäude mit auch repräsentativem Charakter ein großer Gewinn für die Gemeinde ist. Dabei spielt natürlich auch die Optik eine wichtige Rolle – ein Rathaus, das offen im Herz Echings steht, vermittelt den Bürger*innen das Bild einer offenen, zugänglichen Gemeinde für alle. Wir wollen Eching eben nicht von einer Mauer an Autos umgeben, sondern bürgernah, inklusiv, umweltfreundlich repräsentieren. Die Gestaltung der gemeindeeigenen öffentlichen Gebäude bietet dafür ein direktes Mittel.

    Damit setzen wir auch die Prioritäten im kommunalen Verkehr neu. Wir beziehen nicht nur Autofahrende in die Planung mit ein, sondern auch Fußgänger*innen und Radfahrende. Wir wollen nicht Autofahrende von der Teilhabe ausschließen, sondern alle anderen miteinschließen. Dafür muss aber notwendigerweise der begrenzte Platz neu verteilt werden.

    Die Stellplätze in der Tiefgarage sind zudem weniger gefährlich und halten den fließenden Verkehr nicht durch ständiges Ein- und Ausparken auf.

    Auch der Vergleich mit den Auflagen für Bauherr*innen geht fehl. Natürlich muss sich die Gemeinde an den Vorgaben messen lassen, die sie für ihre Bürger*innen erlässt. Stellplatzvorgaben für bauliche Anlagen Privater jedoch bauen darauf auf, dass gerade im ländlichen Raum der Autoverkehr ein derzeit faktisch notwendiger Bestandteil im Mobilitätskonzept ist. Der ruhende Verkehr ist gerade in der Eigenschaft von Privatbauten als Wohnhäuser angelegt.

    Öffentliche Gebäude wie das Rathaus produzieren jedoch keinen ruhenden Verkehr, sondern werden von Bürger*innen besucht. Dadurch entsteht ein Verkehrsaufkommen, dessen Art und Ausmaß gesteuert werden kann. Diese Steuerung nehmen wir durch Planung der Umgebung und auch Stellplätzen in der Tiefgarage vor. Dass dadurch die Gesamtanzahl an Stellplätzen verringert wird, zeigt ebenso, wie die Gemeinde sich weg von einem Schwerpunkt auf motorisierten Individualverkehr und hin zu einem gesunden, fortschrittlichen Verkehrsmix bewegt.

    Wer mit dem Auto kommen muss, kann und soll dies weiterhin tun. Aber wer gesündere und umweltfreundlichere Verkehrsmittel nutzen möchte, muss nicht mehr fürchten, statt im Rathaus im Krankenhaus zu landen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lena Haußmann (Grüne)

  2. Ich kann die Argumente von beiden Seiten gut verstehen. Aber mal eine Anregung am Rande: Wie wäre es damit, endlich die Voraussetzungen zu schaffen, damit mehr Anliegen online erledigt werden können? Vielleicht lässt sich so die ein oder andere Fahrt zum Rathaus einsparen.

    Grüße aus dem Home-Office
    Martin Binder

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