Lesermail zum Artikel „’Strategischer Lückenschluss’“

Wir fassen zusammen:

Die Gemeinde kauft ein nicht mehr ganz taufrisches Hotel, das nicht mehr in Betrieb ist, nur um den Grund nutzen zu können, wobei sie noch nicht weiß, wofür. Was könnte da wohl schiefgehen?

Zuerst hat die Gemeinde nun ein leerstehendes Hotel mit Restaurant in ihrem Besitz. Wie langwierig es sein kann, für einen Gastronomiebetrieb einen Pächter zu finden, hat die Gemeinde über viele Jahre mit der Gaststätte im Bürgerhaus erlebt. Die Lehre aus dieser Pächtersuche ist nicht nur, dass gute Pächter schwer zu finden sind, sondern auch, dass kostenintensive Umbaumaßnahmen durchaus Voraussetzung für eine erfolgreiche Pächtersuche werden können. Wenn diese nicht nur in der Restauration, sondern auch im Hotelbetrieb fällig werden, werden sie bestimmt nicht billiger.

Sollte man keine Pächter finden, besitzt die Gemeinde ein leerstehendes Gebäude in zentraler Ortslage. Will man es nicht verfallen lassen, fällt Unterhalt ohne Einnahmen an, bis man dann irgendwann den Abriss des teuer erworbenen Hotels auf Kosten der Gemeinde vornehmen muss. Eine Umnutzung oder Neugestaltung des Areals kann aber erst erfolgen, wenn die Entscheidung über die künftige Nutzung da ist, die rechtlichen Möglichkeiten dafür gegeben sind und auch die Finanzierung steht.

Und nun bleibt die Frage, wofür? Sicher ist es attraktiv, als Gemeinde möglichst viele Grundstücke an zentraler Stelle selbst zu besitzen. Zwingend nötig ist es aber nicht. Auf dem Weg des Planungsrechts kann die Gemeinde, auch ohne Eigentümerin zu sein, Einfluss auf die Gestaltung nehmen. Dabei ist es auch nicht so, dass private oder gewerbliche Eigentümer per se kein Interesse hätten, einen attraktiven Standort zu gestalten. Sinn macht das Ganze ja wirklich nur, wenn damit eine Belebung der Ortsmitte gelingt. Allein um wie auch immer geartete Nutzungen in Verbindung mit Rathaus, ASZ oder VHS zu entwickeln, braucht man kein Filetgrundstück in zentraler Ortslage.

Zu bedenken ist dabei auch, dass der Huberwirt zwar unmittelbar ans Rathaus grenzt, dieses aber gerade erst komplett umgebaut wird und damit vorerst nicht erweiterungsbedürftig sein sollte. Zum ASZ gibt es dagegen keine direkte Verbindung. Und wenn man wirklich eine Neugestaltung des ganzen Areals plant, dann braucht man neben Zeit und guten Ideen vor allem eines: Nämlich viel Geld, das man dann für nichts anderes mehr ausgeben kann.

Fazit: Die Gemeinde geht ein hohes finanzielles Risiko mit zweifelhaftem Nutzen ein. Sie scheint auf dem besten Weg zu sein, ihr offenbar bestehendes Problem des zu hohen Kontostandes zu lösen.

Simon Schindlmayr

Ein Lesermail

  1. Sie haben zu den meisten Punkten den richtigen Kommentar verfasst. Aber Sie wissen doch aus der Vergangenheit, dass man bei manchen Parteien und Gruppierungen viele Wünsche hat, deren Finanzierung selten abgesichert noch detailliert überlegt sind.

    Auch ich kann mir nicht vorstellen, dass man für dieses Haus weder einen Hotel- noch Gastbetriebs-Pächter finden wird, und wenn ja, dann nur unter Konditionen, die von den „Förderern“ nicht annähernd erwartet werden und die keine ausreichende Rendite zum eingesetzten Kapital erbringen.

    Ich bin der Meinung, dass das ASZ und Betreutes Wohnen ausreichend für unsere Gemeinde sind, d. h. wir auf diesem Gebiet keine Erweiterung benötigen und ein Hotel und Gaststätten-Pächter nicht so leicht zu finden sein wird. Aber was noch wichtiger und schwieriger ist, wer und wie sollen – bei der jetzigen finanziellen Situation – die anstehenden Renovierungskosten finanziert werden?

    Verehrter Herr Schindlmayr, die heutige Besetzung des Gemeinderates garantiert, dass uns noch manches „Ei ins Nest“ gelegt wird, an dem wir lange zu „knabbern“ haben. Aber der Bürger hat seine Wahl getroffen und wir müssen in den kommenden 6 Jahren versuchen, „optimistisch, unverzagt“ und der Situation entsprechend zu handeln.

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