Echinger Kulturtage: „Raum-Klima-Zonen“

Experimentelle Kunst und Raum-Klima-Zonen

Der gelernte Feinmechaniker Paul Raphael Reindl (Bild) ist Echinger Bürger seit seinem vierten Lebensjahr. Zur Kunst kam er durch einen tragischen Unfall, der ihn an der weiteren Ausübung seines Berufes hinderte.

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Gemeinsam mit der Familie wurde eine neue Lebens-Perspektive gefunden, die Auseinandersetzung mit der Kunst. Reindl probierte sich als Maler, Bildhauer und Hobbyfotograf, aber seit mehr als 20 Jahren versteht er sich wohl hauptsächlich als Maler.

In diesem Jahr schaut er zurück auf 33 kunstschaffende Jahre, vielfach unter dem Künstlernamen „Eigen – Art“ Eching, einer Ateliergemeinschaft regional ansässiger Künstler.

Paul Reindl widmet sich vorwiegend der Experimentellen Malerei, einer Technik mit dem Ziel, „gelöst von allem Gegenständlichen, abseits von allen Zwängen ein Bild zu schaffen, das vom Zufall und dem Zusammenspiel verschiedener Techniken und Materialien lebt“ (Maler und Autor Bernd Klimmer).

Reindl sieht den Sinn in dieser Form der abstrakten Kunst in der freien Interpretationsmöglichkeit für den Betrachter. Für ihn ist es wichtig, „dem Betrachter nicht vorzugeben, was er sehen soll, sondern etwas Eigenes im Kunstwerk zu finden“, weswegen er auch lieber von der „gegenstandslosen“ Kunst spricht.

Umrisse oder Silhouetten lassen sich bestenfalls erahnen, seine Kreationen sollen Stimmungen erzeugen und Atmosphäre vermitteln. Auch gibt er seinen Bildern keinen Namen, „damit jeder in das Bild einsteigt und einen eigenen Weg findet“ und nicht etwa krampfhaft nach namentlich genannten Gegenständen oder Szenen sucht. Seine Bilder sollen den Betrachter rein emotional ansprechen. Die beiden Beispiele zeigen Gemälde aus der laufenden Ausstellung im „Versus“ Freising.

Daneben aber richtet Reindl seinen Fokus auch auf Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau im Sinne einer Kunst für alle, die im kommunalen öffentlichen Raum –  in Parks, auf Straßen oder Plätzen – von jedermann zu erleben und in Eching sogar durch die neuen kunstvollen Bänke hautnah zu besetzen ist.

Anfang 2014 organisierte er in zwei leerstehenden Geschäften im Echinger Zentrum die internationale Ausstellung „Raum-Klima-Zonen“ und eröffnete diese mit der provokanten Frage „Lassen wir die Ortszentren sterben?“.

Namhafte Künstler aus Eching, München, Mannheim, Icking, Tittling, Frankenthal und Basel präsentierten zehn Wochen lang Gemälde und Skulpturen in wechselnden Ausstellungen – nicht ohne gehobenen Zeigefinger an die Verantwortlichen: „Das Zentrum ist das Herz jeden Ortes und der Einsatz dafür sollte eine Pflicht sein“, ansonsten drohe „ein extremer Niveauverfall“.

Das KulturForum Eching e.V. erlaubt sich hier eine Fußnote: Die Belebung der Echinger Ortsmitte wird in der Gemeinde schon seit einer gefühlten Ewigkeit diskutiert und von den Bürgern gewünscht – Kunst in die Mitte war eine der Forderungen des gleichnamigen Vereins um die Jahrhundertwende.

2021 nun hat die Gemeinde die einmalige Chance, bei der Neugestaltung des Bürgerplatzes in Echings Mitte zwischen Rathaus, ASZ, Bürgerhaus, der alten Kirche und der VHS eine kreative Lösung zu finden. Der Platz ist ein ideales Forum für Kunst im öffentlichen Raum und sollte nicht nur für fünf Großveranstaltungen im Jahr freigehalten werden.

Vieles ist denkbar und wünschenswert und sollte nicht wieder dem Rotstift zum Opfer fallen. Diese Gelegenheit bietet sich so schnell nicht mehr. Lokale Künstler könnten vielleicht zu Rate gezogen werden.

(zum Vergrößern Anklicken)

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