Lesermail zum Artikel „‚Sein Stuhl passt nicht an unseren Tisch’“

Sehr geehrte Frau Malenke,

Sie stellen in Ihrer umfassenden E-Mail korrekt fest, dass es, bezogen auf die Summe aller Interessierten, nur eine verschwindend geringe Zahl an Grundstücken, die innerhalb des Echinger Modells weitergegeben werden können, gibt. Es stellt sich mir die Frage, warum in Eching die Anzahl der zur Verfügung stehenden Grundstücke derart gering ist. Diese Situation ist einzig und alleine durch die Gemeinde verursacht und ich sehe an dieser Stelle auch einen enormen Aufholfbedarf seitens der Gemeinde. Während die Nachbarkommunen in der Vergangenheit enorm gewachsen sind, hat man in Eching das Gefühl, dass man nur ein sehr langsames und marginales Wachstum anstrebe, entgegen der Wahlkampfprogramme mehrerer Parteien und auch des BGM.

Wäre nicht ein zentraler Ansatzpunkt, umfassender Baurecht zu schaffen, um die große Nachfrage der einheimischen Familien und Bürger bedienen zu können? Man sollte hier auch vor Augen haben, dass die sich derzeit in der Realisierung befindlichen Baugebiete durch den vorherigen Bürgermeister initiiert wurden.

Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, dass die Kinder oder auch Enkel von eingesessenen Echingern, junge Familien und Paare, leider aus Eching wegziehen müssen. Dies sind sowohl Echinger, die die Kriterien des Echinger Modells erfüllen würden, als auch Echinger, die sich auf dem freien Markt Grundstücke kaufen könnten. Wenn jedoch kein Angebot besteht, kann die Verbundenheit und Verwurzelung zur Gemeinde noch so groß sein. Dann ruft der Umzug in Nachbarkommunen oder weiter in die Ferne. Ich musste dies leider bei meinen beiden Kindern am eigenen Leibe erfahren.

Daher bitte ich auch die sozialen Folgen zu berücksichtigen. Ist es nicht für Kinder schön, im gleichen Ort aufzuwachsen wie die Großeltern? Ist es nicht für alle von uns ein Segen im Alter, wenn die eigenen Kinder im selben Ort wohnen und sich um einen kümmern können? Diese Geschichte häuft sich leider in meinem Bekanntenkreis immer mehr.

Daher möchte ich an Sie meine eindringliche Bitte adressieren, dass die Gemeinde auch solche Aspekte berücksichtigt. Wenn für unsere eigenen Nachkommen bereits nicht mehr ausreichend Grundstücke und Wohnraum zur Verfügung stehen, sehe ich dies als Armutszeugnis. Um solche negativen Erscheinungen zukünftig zu vermeiden, sehe ich keine andere Möglichkeit als dass die Gemeinde mehr Grundstücke anbieten und mehr Flächen entwickeln muss.

Mit freundlichen Grüßen
Roswitha Kurz

2 Lesermails

  1. Sehr geehrte Frau Malenke,

    vielen Dank für Ihre sehr ausführliche Antwort. Ich schätze es sehr, dass Sie an einem Austausch in dieser Form interessiert sind. Anders kommt man ja in diesen Tagen nicht mehr zusammen.

    Die Nachbarkommunen um Eching herum haben natürlich andere Voraussetzungen, da stimme ich Ihnen zu. Auch dass entsprechend die Infrastruktur mit der Entwicklung neuer Baugebiete mitwachsen muss, ist vollkommen richtig.

    Wie Sie richtig anführen, muss einmal über den Tellerrand hinausgeblickt werden. So werden in vielen angrenzenden Kommunen Baulandentwicklungen durchgeführt, in welchen die Investoren/Grundstückseigentümer die Baugebiete in Eigenregie entwickeln (Stichwort Mitarbeiterkapazitäten in den entsprechenden Fachbereichen) sowie die Infrastruktur (Straßen, Kindergärten, Turnhallen, Schulen etc.) herstellen. Manchmal wird zusätzlich günstiger Wohnraum in Form von sozialen Bindungen zur Verfügung gestellt.

    Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele mit entsprechenden Zeitungsartikeln. Man müsste nur einmal offen für Neues sein. Aus ihren Worten entnehme ich eine gewisse Offenheit für Neues. Damit könnte kostenneutral (keine Steuerkraft bzw. Querfinanzierung durch Steuereinnahmen notwendig) und zeitnah Wohnraum bei gleichzeitigem Ausbau der sozialen Infrastruktur geschaffen werden.

    Es kann doch nicht sein, dass es 20 Jahre dauert, bis ein Baugebiet entwickelt wird? Meine Tochter hat beispielsweise in einem Baugebiet gebaut, in welchem von der ersten Idee bis zur Baureife 3 Jahre vergangen sind. Anzumerken ist hier auch, dass die Gemeinde kleiner ist als Eching und somit schlechtere Voraussetzungen hat.

    Die Versiegelung gilt es, durch innovative Wohnformen einzudämmen. Da gebe ich Ihnen Recht. Jedoch bedeutet nicht jede Wohnbebauung/Baulandentwicklung, dass der ökologische Zustand nach der Bebauung schlechter ist als zuvor. Über begründete Flachdächer, über die Anpflanzung von Bäumen und Hecken kann wesentlich mehr Wohnraum für Tiere und die Ökologie geschaffen werden, als er auf einem zuvor intensiv bewirtschafteten, mit Glyphosat behandelten Feld vorhanden ist.

    Die Zeit vom Bau großer Straßen ist in Anbetracht der Versiegelung vorbei. Bei Baugebieten sehe ich die Versiegelung hingegen nicht kritisch, wenn man innovativ vorgeht.

    Da Sie, wie erwähnt, offen für neue Ideen sind und über den Tellerrand hinausblicken möchten, würde ich mir von Ihnen wünschen, dass Sie als Zweite Bürgermeisterin den Prozess in der Gemeinde vorantreiben, die Diskussion über neue Wege/Modelle anstoßen und bewirken, dass wir in naher Zukunft in unserer Gemeinde ausreichend Wohnraum haben. Damit meine ich nicht die jetzigen Baugebiete, sondern zukünftige Baugebiete anzugehen und diese effizient und schnell zu realisieren.

    Denn eines sollte uns allen bewusst sein: Dies ist ein allgemeines Problem, hört man es doch sehr häufig, wenn man mit anderen Bürgern spricht. Für mich und meine Kinder ist es leider schon zu spät, jedoch möchte ich hiermit auch der Stimme der Bürger und einem allgemeinen Problem Ausdruck verschaffen. Es gilt jetzt, neue innovative Wege einzugehen, sich bei anderen Kommunen über deren Modelle der Baulandentwicklung und Schaffung von sozialer Infrastruktur zu erkundigen und keine Zeit zu verschwenden.

  2. Sehr geehrte Frau Kurz,

    ich sehe das wie Sie. Kinder und Enkelkinder in der Nähe zu haben, füreinander da sein zu können und das Zusammensein zu genießen, löst auch bei mir ein durch und durch gutes Gefühl aus. Und was, wie Sie auch festgestellt haben, hinzukommt: Der Gedanke, dass wir generationenübergreifend in einer Stadt oder Gemeinde wohnen können, ist nicht nur aus emotionalen Gründen sehr wertvoll. Auch in praktischer und organisatorischer Hinsicht – bezogen auf die Betreuung der Kinder und die Versorgung der älteren Familienmitglieder – ist es von enormem Vorteil, wenn Familien nicht weit entfernt von ihren Eltern und Großeltern leben können.

    In diesem Zusammenhang kommt der Gemeinde – nicht nur als Entwicklerin neuer Baugebiete – eine sehr große Verantwortung zu, auch da gebe ich Ihnen recht. Und auch ich würde als Bürgerin wissen wollen, wie die Verantwortlichen der Gemeinde das lösen werden.

    Für den Status Quo haben tatsächlich – wie Sie in Ihrem Brief angemerkt haben – andere gesorgt. Der Hauptgrund dafür liegt in meinen Augen in der langen Vorlaufzeit, die notwendig ist, um den Wunsch, ein neues Baugebiet zu erschließen, tatsächlich zu verwirklichen. Viele behördliche und administrative Schritte sind notwendig, so dass zwischen der ersten Idee für ein Baugebiet und dem Einzug der Bürgerinnen und Bürger in ihr neues Haus viele Jahre vergehen. Demzufolge dürfen wir gerade vom Erbe der Amtsvorgänger*innen profitieren und gleichzeitig ist es nun die Verantwortung des amtierenden Bürgermeisters, seiner Verwaltung und seines Gemeinderates, für Perspektiven in der Zukunft zu sorgen.

    Einfach neue Flächen auszuweisen und diese bis zur Baureife zu führen, wäre eine logische Vorgehensweise, berücksichtigt aber nicht die Vielzahl an Fragen und Aspekten, die dabei auch eine bedeutsame Rolle spielen. Mit den größer und mehr werdenden Baugebieten muss auch die Infrastruktur in gleichem Maße und im gleichen Tempo mitwachsen. Kindergärten, Schulen, Straßen und die gemeindlichen Einrichtungen generell müssen auf die jeweils neue Einwohnerzahl ausgerichtet sein. Dies weiterzuentwickeln, ist für sich genommen ebenso komplex. Es bedarf zudem nicht nur einer gründlichen Planung und Umsetzung sowie ausreichender Mitarbeiterkapazitäten in den entsprechenden Fachbereichen, sondern muss auch finanziell gestemmt werden. Dabei kommt der Steuerkraft eine große Bedeutung zu.

    In diesem Zusammenhang möchte ich Ihren Blick in Richtung Nachbargemeinden aufnehmen. Wir können uns leider nur bedingt mit Neufahrn und Unterschleißheim vergleichen, haben sie doch in vielerlei Hinsicht andere Voraussetzungen, aber ich finde Ihren Ansatz sehr gut. Über unseren Tellerrand hinauszuschauen, Vergleiche einzuholen und sich von guten Ideen inspirieren zu lassen, halte ich für eine wertvolle Vorgehensweise. Es gibt in anderen Gemeinden innovative Projekte, die zeigen, wie neues Wohnen aussehen kann, und anhand derer wir für unsere eigenen Bedürfnisse lernen können, denn die Flächen sind endlich, der Zuzug raus in den Speckgürtel Münchens unaufhaltsam, zu massive Versiegelung muss verhindert und ausreichend Ausgleichs-, Grün- und Erholungsflächen müssen geschaffen bzw. erhalten werden.

    Keine leichte Aufgabe, vor der ich mich als Teil der Verantwortlichen nicht drücken möchte, denn Ihren Gedanken finde ich enorm wichtig und ich möchte sehr gerne mitwirken, diese Idee zu unterstützen und hoffentlich Stück für Stück zu realisieren.

    Mit vielen Grüßen

    Stefanie Malenke

    P.S.: Ich habe zwar allmählich das Gefühl, ein wenig zu überpräsent in der Leserbriefrubrik von Herrn Bachhuber zu sein, aber ich halte den derzeitigen Austausch mit Ihnen für sehr wertvoll und freue mich über Ihre Rückmeldungen – helfen sie doch zu verstehen, was Ihnen wichtig ist.

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