Lesermail zum Artikel „‚Sein Stuhl passt nicht an unseren Tisch’“

Sehr geehrte Frau Ellegast,

ich kann Ihre Situation sehr gut nachvollziehen, dass man mit einer Familie Platz braucht, um sich zu entfalten, und dafür aber seine Heimat nicht verlassen will. Wir hatten das Glück, ein entsprechendes Haus noch rechtzeitig zu mehr oder minder guten Kondition in Deutenhausen erwerben zu können.

Die getroffene Entscheidung der „bunten Koalition“ aus dem Gemeinderat vom 15.12.2020 kann ich trotz aller Erklärungsversuche ebenfalls nicht nachvollziehen. Bewerber für einen Hauskauf im Echinger Modell über mehrere Jahre Hoffnung zu machen und dann mit so einer Entscheidung und kurzfristigen Meinungsänderung abzustrafen, ist mehr als nur „ein Schlag ins Gesicht“.

Positiv muss man hier sicher herausstellen, dass Frau Malenke den Mut hat, sich hier zu äußern und ihre Sicht der Dinge zu erläutern!

Allerdings bleiben für mich weiterhin einige Fragen offen.

„Ich muss versuchen, alle möglichen Umstände, Gegebenheiten und Bestimmungen sowie auch die Bedürfnisse der anderen Bürgerinnen und Bürger zu sehen und das nicht nur im jetzigen Moment, sondern idealerweise auch im Hinblick auf die kommenden Jahre.“
Wenn man dieses Zitat von Frau Malenke herausnimmt, stellen sich die Fragen schon fast von selbst.

Hat man mit der Entscheidung, Grundstück im Echinger Modelle zukünftig nur noch in Erbpacht zu vergeben, wirklich die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt? Was ist mit den Bürgerinnen und Bürgern, die sich, als es vor dem 15.12.20 noch eine Wahlmöglichkeit zwischen Erbpacht und Grundstückskauf gab, bewusst für den Erwerb eines Grundstücks entschieden haben? Dabei ist meines Erachtens völlig unerheblich, aus welchen Gründen man sich zu einem Erwerb und gegen die Erbpacht entschieden hat.

Ist es nicht eine egoistische Entscheidung der Gemeinde, weil man glaubt, den Immobilienmarkt so besser „kontrollieren“ zu können, wenn man einen kleinen Teil von Grundstücken in Eching in den eigenen Händen weiß?

Und was ist mit den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht für gemeindliche Wohnbaumodelle interessieren, sehr wohl aber dafür, dass durch diese Entscheidung vom 15.12.20 in einem sowieso schon defizitären Haushalt für 2021 eine weitere Lücke in Höhe von 11 Mio. Euro entsteht? Und damit möglicherweise Projekte, die diesen Bürgerinnen und Bürgern am Herzen liegen, nicht umgesetzt werden können oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen?

Jie Thematik ist komplex. Aber eine solche Thematik braucht auch komplexe Lösungen. Und hier auf eine Lösung zu setzen, die nur noch zu 100 % auf Erbpacht basiert, ist weder komplex noch innovativ oder kreativ.

Innovativ und kreativ wäre doch mal, den Bürgerinnen und Bürgern gewisse Entscheidung selbst zu überlassen. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob Erbpacht oder Grundstückskauf die bessere Variante ist. So hätte man sicher eine bunte Mischung und viele Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt.

Abschließend bleibt noch festzustellen, dass die Überlegungen von Wohnungsverkäufen in einem Hochbau im Echinger Modell, die in den letzten Jahren dem Vernehmen nach angestellt wurden, damit ebenfalls hinfällig sein dürften.

Florian Gerber

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