Lesermail zum Artikel „‚Sein Stuhl passt nicht an unseren Tisch’“

Sehr geehrte Frau Malenke,

vielen Dank für Ihre sehr ausführliche Antwort. Ich schätze es sehr, dass Sie an einem Austausch in dieser Form interessiert sind. Anders kommt man ja in diesen Tagen nicht mehr zusammen.

Die Nachbarkommunen um Eching herum haben natürlich andere Voraussetzungen, da stimme ich Ihnen zu. Auch dass entsprechend die Infrastruktur mit der Entwicklung neuer Baugebiete mitwachsen muss, ist vollkommen richtig.

Wie Sie richtig anführen, muss einmal über den Tellerrand hinausgeblickt werden. So werden in vielen angrenzenden Kommunen Baulandentwicklungen durchgeführt, in welchen die Investoren/Grundstückseigentümer die Baugebiete in Eigenregie entwickeln (Stichwort Mitarbeiterkapazitäten in den entsprechenden Fachbereichen) sowie die Infrastruktur (Straßen, Kindergärten, Turnhallen, Schulen etc.) herstellen. Manchmal wird zusätzlich günstiger Wohnraum in Form von sozialen Bindungen zur Verfügung gestellt.

Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele mit entsprechenden Zeitungsartikeln. Man müsste nur einmal offen für Neues sein. Aus ihren Worten entnehme ich eine gewisse Offenheit für Neues. Damit könnte kostenneutral (keine Steuerkraft bzw. Querfinanzierung durch Steuereinnahmen notwendig) und zeitnah Wohnraum bei gleichzeitigem Ausbau der sozialen Infrastruktur geschaffen werden.

Es kann doch nicht sein, dass es 20 Jahre dauert, bis ein Baugebiet entwickelt wird? Meine Tochter hat beispielsweise in einem Baugebiet gebaut, in welchem von der ersten Idee bis zur Baureife 3 Jahre vergangen sind. Anzumerken ist hier auch, dass die Gemeinde kleiner ist als Eching und somit schlechtere Voraussetzungen hat.

Die Versiegelung gilt es, durch innovative Wohnformen einzudämmen. Da gebe ich Ihnen Recht. Jedoch bedeutet nicht jede Wohnbebauung/Baulandentwicklung, dass der ökologische Zustand nach der Bebauung schlechter ist als zuvor. Über begründete Flachdächer, über die Anpflanzung von Bäumen und Hecken kann wesentlich mehr Wohnraum für Tiere und die Ökologie geschaffen werden, als er auf einem zuvor intensiv bewirtschafteten, mit Glyphosat behandelten Feld vorhanden ist.

Die Zeit vom Bau großer Straßen ist in Anbetracht der Versiegelung vorbei. Bei Baugebieten sehe ich die Versiegelung hingegen nicht kritisch, wenn man innovativ vorgeht.

Da Sie, wie erwähnt, offen für neue Ideen sind und über den Tellerrand hinausblicken möchten, würde ich mir von Ihnen wünschen, dass Sie als Zweite Bürgermeisterin den Prozess in der Gemeinde vorantreiben, die Diskussion über neue Wege/Modelle anstoßen und bewirken, dass wir in naher Zukunft in unserer Gemeinde ausreichend Wohnraum haben. Damit meine ich nicht die jetzigen Baugebiete, sondern zukünftige Baugebiete anzugehen und diese effizient und schnell zu realisieren.

Denn eines sollte uns allen bewusst sein: Dies ist ein allgemeines Problem, hört man es doch sehr häufig, wenn man mit anderen Bürgern spricht. Für mich und meine Kinder ist es leider schon zu spät, jedoch möchte ich hiermit auch der Stimme der Bürger und einem allgemeinen Problem Ausdruck verschaffen. Es gilt jetzt, neue innovative Wege einzugehen, sich bei anderen Kommunen über deren Modelle der Baulandentwicklung und Schaffung von sozialer Infrastruktur zu erkundigen und keine Zeit zu verschwenden.

Roswitha Kurz

Ein Lesermail

  1. Sehr geehrte Frau Kurz,

    Ihre Antwort beeindruckt mich sehr. Ich finde, Sie haben viele sehr wichtige Aspekte aufgegriffen, die in ihrer Gesamtheit sehr schlüssig und einleuchtend sind. Zudem ist Ihre Art zu schreiben, durch und durch konstruktiv. Mit Ihrer sachlichen Kritik paralysieren Sie nicht, sondern Sie ermutigen dazu, umzudenken und neue Wege zu beschreiten. Das gefällt mir ausgesprochen gut und ich möchte mich sehr herzlich dafür bedanken.

    Den Schwung Ihres Briefes möchte ich gerne als weiteren Beschleuniger nutzen, um das voranzubringen, das Sie in Ihren Zeilen beschreiben.

    Lassen Sie uns im Kontakt bleiben, damit wir im Austausch unsere Gedanken, Ideen, Entscheidungen und Vorhaben transparent und plausibel machen können. In meinen Augen ist das Thema Wohnen ein so zentrales und enorm wichtiges, dass wir jeden positiven Beitrag und jede konstruktive Unterstützung, aber auch jedes kritische Auge bei der Umsetzung brauchen können.

    Ich danke Ihnen!

    Mit vielen Grüßen

    Stefanie Malenke

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