Lesermail zum Artikel „Bürgerbegehren zu Grundstücksverkauf“

Sehr geehrter Herr Gerber,

die Verantwortung für Handeln der Gemeinde in Sachen Baugebiet 72, Böhmerwaldstraße, tragen selbstverständlich die Gemeinderäte und der Bürgermeister für die Änderungen an der Planung von 2017, wo der Plan schon fertig war und die Einnahmen im Haushalt eingestellt waren.

Wenn sich Herr Kersten mit der Entwicklung nicht befasst hatte und nur auf Erbbaurecht wartet, sollte dieser Bauwillige auch andere Meinungen zulassen und von Unterstellungen tunlichst absehen.

Keiner der Erbbaurechtbewerber wird seiner Chance beraubt, die Vergabe in diesem Baugebiet 72 ist erfolgt. Aber diejenigen, die in den zukünftigen Baugebieten an bisherige Praxis und vor allem an Versprechungen des BM (so wie bisher Baugrund zu vergeben) geglaubt haben, gehen leer aus.

Die Beschlussfassung zur Änderung der Vergabe gemeindlicher Grundstücke war nicht einstimmig. Die Möglichkeit, ein Grundstück und auch ein Erbbaugrundstück von der Gemeinde zu kaufen, hat es immer wieder gegeben. Im Echinger Modell 1976 in Schachterlhausen ist alles an Bauwerber sehr günstig verkauft worden. In anderen Baugebieten sind immer wieder Grundstücke nach einer längeren Sperrfrist an die Hauseigentümer verkauft worden. So kann man leicht einer Spekulation vorbeugen.

Die Wahlmöglichkeit zwischen Kauf und Erbbaurecht müsste aber bleiben. Die Grünen im Gemeinderat haben sich übrigens immer gegen jegliche „Bezuschussung“ des Bauens in Eching ausgesprochen. Das ist alles andere als sozial.

Ich verweise auf die Meinung von Herrn Alex Lykhvar vom 15.1.1021, ich zitiere: „Erbpachtmodell als sozial zu verkaufen, finde ich schon dreist. 450 Euro Erbpacht pro Monat für 400 qm Grund wären fällig und dazu kommt noch die Kreditzahlung für das Haus, sofern man den Kredit überhaupt bekommt. Die Banken geben zur Zeit den Kredit für 1 %, daher die 1.5 % Erbpachzins als günstig zu verkaufen, ist schon komisch.“

Es gibt auch weitere Nachteile für Erbbaunehmer und die Verwaltung, sprich die Gemeinde. Sich zu informieren, kostet Zeit, Möglichkeiten gibt es genug.

Anderen grundsätzlich ihre Freiheit zu nehmen und den Kauf eines Baugrundstücks von der Gemeinde zu verbieten, ist wahrlich keine Demokratie. Die Gemeinde profitiert übrigens vom Erbbaurecht durchaus, sie erhält jetzt höhere Zinsen als auf dem Markt – aktuell jedenfalls und über Jahrzehnte hinweg. Attraktiv ist Erbbaurecht einerseits und der Kauf andererseits aber nicht für jeden Bürger, daher eine Wahl als Grundsatz. Denn eine Fluktuation und der Wegzug junger Familien ist kein Vorteil für die Gemeinde.

Dr. Irena Hirschmann

Ein Lesermail

  1. Sehr geehrte Frau Dr. Hirschmann,

    erstmal danke für Ihren Kommentar.

    Ich bin kein Politiker o. ä., „nur“ ein normaler Bürger Echings. Genau deshalb werde ich mich an politischem Techtelmechtel oder Streitereien nicht beteiligen. Auch werde ich mir nicht das Recht herausnehmen, gegen Gemeinderatsmitglieder, Parteimitglieder, egal welcher Partei, oder den Bürgermeister schlecht zu sprechen oder mit dem Finger auf diese zu zeigen.

    Auch lasse ich sehr wohl andere Meinungen zu. Das sehe ich als eines der höchsten Güter eines jeden Menschen an, seine eigene Meinung zu vertreten. Das habe ich bereits versucht, in anderen Kommentaren zum Ausdruck zu bringen. Ich fordere aber ebenso dieses Recht ein.

    Und die Unterstellungen, wie sie es nennen, sind Mutmaßungen bzw. Eindrücke, die durch einige Aussagen entstehen, nicht nur auf dieser Plattform. Ich habe mich sehr wohl informiert und es ist ganz und gar nicht so, dass ich nur auf ein Erbpachtgrundstück warte. Wir hatten durchaus über einen Kauf nachgedacht.

    Aber wenn man mal diesen ganzen Machtkampf unter den Parteien weg lässt und sich mal nur ansieht, um was es eigentlich geht, die Gemeindeentwicklung und vor allem den sozialen Aspekt, dann kommt man sicherlich schnell zu dem Schluss, dass das Erbpachprinzip durchaus die vernünftigste und nachhaltigste Lösung ist, vor allem auch für weitere Generationen.

    Dabei geht es weniger um mich oder irgenjemand einzelnen, sondern um uns alle, unsere Kinder und Enkel. Ich möchte meine Enkel auch in Eching aufwachsen sehen. Dies wird durch so viel Verkauf von Grund immer unwahrscheinlicher. Denn Grund und Boden ist nicht unendlich.

    Und letztendlich hat unsere Demokratie ja auch gezeigt, welcher der richtige Weg ist.

    Ich würde mir einfach wünschen, wenn man die Machtkämpfe mal weglassen könnte und die Entscheidungen akzeptiert, wie sie von den von uns gewählten Vertretern demokratisch gefällt werden.

    Viele Grüße

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