Fluch und Segen digitaler Arbeit

Zu Fragen der neuen digitalisierten Arbeitswelt diskutierte der SPD-Bundestagskandidat Andreas Mehltretter am Montag mit Werner Widuckel, Professor für Personalmanagement und Arbeitsorganisation in technologieorientierten Unternehmen an der FAU Erlangen-Nürnberg, sowie Simone Burger, Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes München.

„Die Verfügung, Verarbeitung, Verknüpfung und Analyse von Daten auf allen Ebenen des Wertschöpfungsprozesses entscheidet über den Einfluss auf Entscheidungen und Verhalten und schafft neue Abhängigkeitsverhältnisse“, war Widuckels zentrale These.

Digitale Technologien würden zukünftig noch mehr kaufmännische, analytische, bearbeitende und dienstleistende Tätigkeiten betreffen. Die Digitalisierung führe zudem zu einer umfassenden Transformation der Arbeit, die sozial und politisch gestaltet werden müsse. Das aber werfe alte und neue Themen der sozialen Gerechtigkeit auf.

Wie schwierig der Umgang mit der zunehmenden Digitalisierung bei der gegebenen Rechtslage ist, erläuterte Simone Burger anhand konkreter Beispiele. Mitbestimmung durch die Betriebsräte sei bei den vielfältigen neuen Formen der Arbeitsorganisation von Home-Office über digitaler Arbeitsüberwachung bis hin zur Entgrenzung der Arbeitszeit kaum noch möglich.

„Es müssen dringen die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden“, so ihre Forderung. Es brauche eine stärkere Tarifbindung, den Ausbau der Dualen Berufsausbildung und gezielte Fortbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten insbesondere da, wo alte Arbeitsplätze verloren gehen.

„Die positiven Gestaltungspotenziale der Digitalisierung geben Raum für eine Verbesserung der Qualität der Arbeit, Stärkung von Beteiligung und Verbesserung sozialer Absicherung“, bilanzierte Mehltretter, „diese soziale Gestaltung muss aber politisch auch durchgesetzt werden.“

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