Wen stört der Saal?

Bei der geplanten Ansiedlung eines Bürgersaales im Günzenhausener Dorfkern sollen nun die betroffenen Anlieger mitreden. Das entschied der Planungsausschuss des Gemeinderats einstimmig. Ohne deren Duldung wäre aufgrund der Rechtslage zum Lärmschutz nach Einschätzung des Gemeindebauamts jeder Versuch zwecklos.

Um den Bürgersaal baurechtlich zu verankern, müsste ein Bauleitplan erlassen werden, der den Umgriff als „Dorfgebiet“ widmet. Jenseits der Ringstraße, über die der Saal erschlossen würde, schließt jedoch ein „Reines Wohngebiet“ an, das so schon gewidmet wurde, als Günzenhausen noch selbständig war.

Mindestens die nächste Bebauung zur Ringstraße müsste dann zum „Dorfgebiet“ umgestuft werden. Zwischen diesen baurechtlichen Widmungen liegen jedoch zwei Klassen.

Ein reines Wohngebiet muss nächtlichen Lärm nur bis 35 dB(A) aushalten, ein Dorfgebiet bis 45 dB(A). Diese Differenz ist in der Wahrnehmung deutlich mehr als eine Verdopplung. Etwa zehn Anlieger wären davon betroffen.

Das Landratsamt habe schon angekündigt, eine derartige Umwidmung nicht mitgehen zu wollen. Das Vorgehen sei also „sehr, sehr kritisch“, sagte Bauamtsleiter Thomas Bimesmeier im Bauausschuss des Gemeinderats, man werde sich „sehr schwer tun, das gut genug begründen zu können“.

Und selbst wenn auf dieser Basis ein Saal errichtet werden könne, sei die Einschränkung unverrückbar, wonach nur zehn „laute“ Veranstaltungen pro Jahr stattfinden dürften. Vereinsversammlungen etwa fielen nicht unter diese Einschränkungen, aber Bälle oder Feiern sehr wohl.

Fünf dieser Sonder-Ereignisse haben die Vereine schon reserviert, so dass der künftige Dorfwirt als potentieller Pächter des Saals den gerade noch für fünf eigene Festivitäten nutzen könnte.

Christoph Gürtner (FW) rügte den „Grundton“ des Vorgehens. Man solle das Projekt mit Überzeugung angehen, „wenn jemand querschießt, haben wir das Problem früh genug“. Mit derartigen Warnungen aber „kann man auch Ängste suggerieren“.

Bürgermeister Sebastian Thaler sagte, es sei doch wohl Pflicht der Verwaltung, die Hürden vorab aufzuzeigen, bevor mit relevanten finanziellen Mitteln in eine Planung eingestiegen werde, die hohe Risiken berge.

„Ganz rechtssicher wird das nie“, mahnte Lena Haußmann (Grüne), „wir werden nur Probleme haben.“ Somit investiere man „sehr viel Geld in ein sehr unsicheres Projekt“.

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