Kampfabstimmung um 4000 Euro für’s Kindersportfest

Am ersten großen Kinder- und Jugendsportfest Ende Juni beteiligt sich auch die Gemeinde finanziell. 4000 Euro schießt das Rathaus zu – allerdings erst nach intensiver Debatte und gegen den Widerstand von CSU und Teilen der FW. Bürgermeister Sebastian Thaler (parteilos) nannte die Verweigerung des Zuschusses durch die beiden Parteien „unverschämt“.

Mit dem SC und dem TSV Eching haben sich die beiden größten Sportvereine Echings zusammengetan, um mit weiterer Beteiligung der Volkshochschule, des Tanzsportvereins „body2dance“ und der Bogenschützen des Vereins „Sherwood Forrest“ am Sonntag, 30. Juni, ein buntes Sportfest auszurichten. Die Vereine wollen dabei ihre Angebote präsentieren und garniert mit weiteren Spielen und Attraktionen sowie Verpflegung einen abwechslungsreichen Familiennachmittag anbieten.

Die Vereine kalkulieren mit Gesamtkosten von 9000 Euro. Thaler hat einen Gemeindezuschuss von 4000 Euro vorgeschlagen. Dazu kommen, wie bei allen Vereinsveranstaltungen, die Leistungen des Gemeindebauhofs, die bei Vereinen seit jeher nur zu 20 Prozent abgerechnet werden.

Der Betrag sei „unverhältnismäßig für den einen Tag“, monierte CSU-Sprecher Georg Bartl. Wenn die Gemeinde dazu übergehe, alle Aktivitäten zu fördern, bei denen sich Vereine präsentierten, „machen wir eine ganz neue Liga auf“. Robert Hiermansperger (CSU) sah ausschließlich die „Eigenverantwortung der Vereine“ gefragt: „Man muss schon Geld im Geldbeutel haben, wenn man so was stemmen will.“

Auch die FW bemäkelten den Aufwand. Man hätte die sportlichen Aktivitäten auch in der Dreifachhalle anbieten können, sagte ihr Sprecher Otmar Dallinger, dann hätte man sich mindestens das Geld sparen können, die Geräte herumzufahren. Der Gemeinderat hätte früher in die Planung eingebunden werden müssen, forderte er, um diese Einsparvorschläge einbringen zu können.

Thaler zeigte sich empört über die Einwände. Das Fest sei „eine schöne Sache“, hinter der er vorbehaltlos stehe, sagte er. Die Gemeinde müsse doch „froh sein, wenn Vereine so was auf die Beine stellen“. Die ehrenamtliche Leistung, die dahinter stehe, sei in den Bilanzen doch gar nicht zu beziffern. Dafür einen so geringen Zuschuss in Frage zu stellen, sei „gegenüber den Vereinen ein Schlag ins Gesicht“.

Einen Teil in der Halle abzuhalten, sei nicht gewollt, um das Fest nicht zu zerreißen, erläuterte der Bürgermeister. Und mit reinen Werbeveranstaltungen einzelner Vereine lasse sich so ein großes Fest auch nicht vergleichen.

„Wollen wir den ganz nichts mehr haben in Eching?“, empörte sich Anette Martin (SPD) über die Ablehnung. Das Fest richte sich an Familien über alle Generationengrenzen, die Vereine organisierten es in Eigeninitiative und dann hätten sich sogar mehrere zu einer Kooperation zusammengetan – für sie allesamt positive Aspekte, die uneingeschränkt zu unterstützen seien.

Bartl schlug als Kompromiss dann noch vor, 4000 Euro als Obergrenze der Ausgaben festzusetzen und darin auch die Bauhofleistungen einzubeziehen. Darauf ließ sich Thaler nicht ein. Sein Vorschlag der 4000 Euro Zuschuss plus der obligatorischen Bauhofförderung wurde von SPD, Grünen, „Bürgern für Eching“ und zwei FW-Räten mit 8:5 Stimmen gegen CSU und einen FW-Rat angenommen.

(hierzu ein paar Gedanken)

6 Lesermails

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ein altes Sprichwort sagt: „Besser spät als nie.“ Durch das vergangene lange Wochenende habe ich es jetzt geschafft, ein paar Gedanken zu dem Thema „Kampfabstimmung um 4000 Euro für’s Kindersportfest“ zu sammeln und möchte diese jetzt mit ihnen teilen, da aus meiner Sicht hier Herr Bachhuber einige wichtige Aspekte aus der Gemeinderatsdebatte schlichtweg vergessen hat.
    In der bisherigen Diskussion wurde ja immer wieder die Antragssumme von 4000 € genommen und je nach Vergleich als lächerlich gering oder als sehr hoch eingeordnet. Dabei glaube ich, dass für die meisten Gemeinderäte diese Summe nicht das entscheidende Kriterium war. Zumindest in der Fraktionssitzung der Freien Wähler war sie nur von untergeordneter Bedeutung. In Gemeinderat und Hauptausschuss wurde schon über höhere Summen für Vereine deutlich weniger gestritten.
    Vielmehr war es der Verwendungszweck, an welchem sich die Diskussion entzündete. Denn wenn es um die Förderung der örtlichen Vereine geht, ist deren Gleichbehandlung quasi der heilige Gral. Entsprechend war man in der Vergangenheit bedacht darauf, möglichst gleiche Kriterien für die verschiedenen Vereine anzulegen (z.B. 40 % Investitionskostenzuschuss, Förderung von Trainingsmöglichkeiten, usw.). Eine direkte Förderung eines Vereinsfestes gab es dabei in dieser Form bisher noch nicht.
    Dies soll nicht heißen, dass das gemeinsame Sportfest von SC und TSV nicht grundsätzlich eine Förderung von 4000 € verdienen würde. Aber wie dann mit anderen Vereinsfesten verfahren, insbesondere wenn diese dann auch noch durch Bewirtung oder Sponsoring Gewinne generieren? Wenn diese nicht Kinder und Jugendliche im Fokus haben? Ebenfalls fördern, oder nicht? Und wenn ja, wie hoch?
    Um einen solchen gordischen Knoten zu umgehen, haben die Freien Wähler eine alternative Möglichkeit vorgeschlagen, mit der wir auch bereits in der Kommune Erfahrung haben. Wir wollten für das Sportfest einen Defizitausgleich über 4000 € anbieten. Damit hätten die beiden Vereine bei dem von ihnen erwarteten Defizit exakt die gleiche Förderung erhalten. Für andere Vereinsfeste, die auf eine Förderung aufgrund von eigenen Einnahmen nicht angewiesen sind, käme ein solcher Ausgleich nicht in Frage. Und aufgrund einer vergleichbaren Anwendung beim Kartoffelfest und beim Burschenjubiläum wäre auch kein Präzedenzfall geschaffen. Auch Teile der CSU schienen sich mit einem solchen Vorschlag anfreunden zu können.
    Doch Bürgermeister Thaler kommentierte den Vorschlag damit, dass er „keine Lust“ hätte, die Beschlussvorlage zu ändern. Stattdessen verwies er lieber darauf, wie „unverschämt“ er die grundsätzliche Diskussion über den Förderantrag empfand.
    Wie Sie sehen, haben sich die Freien Wähler durchaus Gedanken zu dem Thema gemacht. Auch wenn diese nicht immer den Weg in die mediale Aufarbeitung finden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christoph Gürtner (GR/FW)

  2. Ich bedanke mich bei allen Unterstützern des Kinderfestes!

    Wenn nur die Kinder unserer Abteilung „Turnen und Fitness“ und die Fußballkinder des TSV zum Fest kommen, sind es schon locker 450 K.
    Wir freuen uns aber über alle, die mitmachen wollen.
    Bezüglich der Reinlichkeit in den Hallen Danziger Str. ist noch ein Top zu setzen. Da die Verantwortlichen von uns einen Schlüssel für die Hallen haben, kamen sie seit Jahrzenten auch in die Putzräume, um Wischlappen zum Säubern des Flures (Schneewasser der Winterschuhe) und die großen Besen zum Beseitigen der Flusen in den Hallen zu holen (Eigeninitiative).
    Nicht mehr möglich! Auf Anweisung von höherer Stelle wurden die Schlösser getauscht. Begründung: die Kinder könnten sich mit den Putzchemikalien verletzen.
    Wie kommen die da eigentlich hinein? Wer ist der Höhere? Rektor – Bürgermeister – Landrat – Bayr. Kultusminister oder gar der Ministerpräsident.
    Richtig ist: es wird kaum geputzt.

  3. Die Gemeinde Eching kämpft mit dem Sport in jeder Hinsicht, daher wundert uns diese Kampfabstimmung nicht wirklich. Ein weiteres Beispiel: Seit Jahren wird die Reinigung der Hallen an der Danziger Straße vernachlässigt.
    Nicht einmal die Kabinen und Waschräume wurden dieses Jahr in den Osterferien gereinigt – nicht am Ende der Woche vor Beginn der Ferien, noch bis Ende der Woche nach der ersten Schulwoche.

    Die Hallen an der Danziger Straße wurden unseres Wissens das letzte Mal nach Anbringung der Dämmschutzwände richtig gereinigt. Eine Reinigung der Geräteräume zu diesem Termin war eher notdürftig… – und wurde bis heute nicht nachgeholt. Wann war das gleich wieder…?

    Die Hallen wurden seitdem weder regelmäßig noch unregelmäßig gereinigt. In den Hallen sammelt sich nun hinter den blauen Mattenverkleidungen für die Sprossenwände, Kletterstangen und Leitern der sämtliche Dreck. Sobald diese Sportgeräte verwendet werden, treibt es den Dreck in der Halle herum. Grober Dreck wird regelmäßig von den Übungsleitern und Helfern entfernt, nicht von Reinigungskräften.

    Die Geräteräume selbst werden überhaupt nicht gereinigt; der Staub, Spinnennetze und grober Dreck werden beim Rein- und Rausräumen der Geräte hin und her geschoben.
    Die Turn-Bodenläufer aus Filz nehmen die Staubwuckerl seit Jahrzenten auf. Zu sehen ist das hervorragend an den Klettverbänden, die zum Schließen der runden Ballen verwendet werden.
    Sämtliche Rollen der Kästen und Böcke klemmen, weil sich der Dreck dort festsetzt.

    Wir diskutieren die Notwendigkeit von Pflicht-Impfungen für Kinder und versuchen, bei der Reinigung von Toiletten auf öffentlichen Veranstaltungen den Vorgaben der Gemeinde und des Landratsamtes nachzukommen.
    Dem steht die Reinigung der Einrichtungen gegenüber, die unsere Kinder regelmäßig durch den Besuch der Schulen und Freizeit-Sportstätten nutzen.

    Ein Anfrage auf eine zumindest halbjährlich stattfindende Reinigung der Geräteräume wurde mangels Budget von der Gemeinde abgelehnt…- in welchem Turnus die Reinigung der Halle vorgesehen ist, blieb unbeantwortet.
    Wie ist das wohl in der Dreifach-Turnhalle an der Dietersheimer Straße?

    Nachdem alle Vereine und Abteilungen die Gemeinde seit Jahren (man kann fast sagen Jahrzehnten) mehrfach auf die Zustände hingewiesen haben, nehmen wir nun die Kampfabstimmung zum Anlass, auch auf diese Mißstände in der Öffentlichkeit hinzuweisen. Diese Angelegenheit rundet das Bild der Gemeinde im Bezug auf finanzielles Engagement im Sport vom Grundsatz her schon ab.
    Ehrlich gesagt – hoffen wir auf eine breite Unterstützung… – zum Wohl unserer sportlichen Kinder.

    Auch von unserer Seite einen herzlichen Dank an alle, die für diese Abstimm-Quote gesorgt haben.
    Und: besucht alle die Veranstaltung, um der Gemeinde zu zeigen, wie gern wir alle Sport treiben!

    1. Diesem Leserbrief kann ich nur voll zustimmen. Die hygienischen Zustände in den Echinger Sporthallen, vor allem in der Danziger Str., sind erbärmlich!

      Zu den einzelnen Kritikpunkten aus dem Gemeinderat an unserem Sportfest sei gesagt:
      Dreifachturnhalle als Austragungsort, um beim Gerätetransport zu sparen: Aus Sicherheitsgründen dürfen sich maximal 200 Personen in der Dreifachturnhalle aufhalten. Ein Ziel der Veranstaltung ist es aber, den aktiv an den Vorführungen beteiligten Kindern alle angebotenen und dargestellten Sportarten näher zu bringen. Wenn diese Kinder aber schon alle in der Halle sind, müssten wir alle anderen Besucher (Eltern, Großeltern und Kinder, die nicht direkt beteiligt sind) „aussperren“. Im Übrigen kommen viele der benötigten Geräte auch aus der Danziger Str., ein Transport wäre auch in die Dreifachturnhalle nötig gewesen. Im Übrigen, wie schon von BM Thaler richtig bemerkt, wäre die ganze Veranstaltung auseinander gerissen worden. Am Anfang der Planungen haben wir uns mit verschiedenen Austragungsorten befasst, darunter auch das TSV-Gelände inkl. der Dreifachturnhalle, die Wahl fiel dann aber eben auf das Freizeitgelände, da es uns für unsere Zwecke am besten geeignet erschien.

      Frühere Einbindung der Gemeinde: Verzeihen Sie bitte den leichten Spott – wenn wir das getan hätten, wäre die Durchführung des Sportfestes wohl frühestens 2021 möglich gewesen. Wir haben im Herbst mit der Planung der Veranstaltung begonnen, im Januar gab es den offiziellen „Kick Off“, das war und ist schon alles sehr knapp bemessen. Hätten wir für jede wichtige Entscheidung erst wieder auf ein Gemeinderatsvotum warten müssen, hätten wir uns evtl. bis jetzt auf einen Austragungsort einigen können (oder auch nicht, siehe vorheriger Absatz)…

      Zu der „Unverhältnismäßigkeit“ für einen Tag und der „Eigenverantwortung der Vereine“: Sehr geehrter Herr Hiermansperger, die Vereine sind sich durchaus der Großzügigkeit der Gemeinde bzgl. der jährlichen Bezuschussung der Kinder und Jugendlichen bewusst. Auch die Höhe der Mieten der gemeindlichen Sporthallen ist, im Vergleich zu unseren Nachbargemeinden, erfreulich niedrig (kann sich die Gemeinde vielleicht deswegen die Reinigung nicht leisten?). Diese Vorteile geben wir aber durch sehr niedrige Mitgliedsbeiträge, vor allem für Kinder, weiter. Der Zweck von Sportvereinen ist die Förderung des Sports (und mittelbar des Sozialverhaltens), nicht aber das Anhäufen von Vermögen. Können Sie sich eigentlich vorstellen, wie viele Stunden allein die zwei Vertreterinnen meiner Abteilung im Hauptorganisationsteam mit der Vorbereitung der Veranstaltung bisher schon verbracht haben? Dazu kommen fünf Teams, zusammengesetzt aus allen beteiligten Vereinen, die sich um Themen wie Finanzen, PR, Verpflegung und das eigentliche Sportprogramm kümmern. Die Diskussion, ob dies alles wohl 4000 € wert ist, macht nur eines klar: Unser zweites Ziel der Veranstaltung – das erste ist selbstverständlich der Spaß, den wir allen Kindern (und Erwachsenen) bieten wollen – nämlich den Wert des Ehrenamtes hier einmal zu verdeutlichen und darzustellen, was unsere Übungsleiter tagtäglich leisten, scheint noch viel wichtiger zu sein, als wir das gedacht oder soll ich lieber sagen, befürchtet hatten!

      Daher möchte ich alle Gemeinderäte, die bei der Abstimmung „dagegen“ gestimmt haben, ganz explizit zu unserem Sportfest einladen und sie bitten, sich nach dem Besuch die ehrliche Frage zu stellen, was das Ganze denn nun wirklich wert war…

      Tobias v. Wangenheim, SC Eching, Turnen & Fitness

  4. Eine „Kampfabstimmung“ in einem Gemeinderat, bei der es um die Unterstützung eines Kinder- und Jugendsportfestes geht? Unvorstellbar? Nein, in Eching ist es leider so.
    Ein „unverhältnismäßig hoher Betrag“, eine „neue Liga, wenn Aktivitäten gefördert werden, bei denen Vereine sich präsentieren“ und der Hinweis, dass die Eigenverantwortung der Vereine gefragt sei. Tut mir leid, aber bei solchen Diskussionsbeiträgen fehlt mir das immer wieder von den Vereinen eingeforderte Verständnis für ihre ehrenamtliche Arbeit, für ihren Gestaltungswillen zum Wohle der Kinder und Jugendlichen und Sport Treibenden in der Gemeinde und für die wichtige Rolle des Sports in der kommunalen Entwicklung bei der Bewältigung des demografischen und gesellschaftlichen Wandels.
    Zum ersten Mal arbeiten SC und TSV Eching mit allen anderen Vereinen, die Interesse bekundet haben, zusammen, um der Öffentlichkeit das große und vielfältige Sportangebot für Kinder und Jugendliche zu präsentieren. Und das Engagement der Ehrenamtlichen ist riesig und höchst anerkennenswert. Sicher hätte das eine oder andere besser gelöst werden können, aber wie heißt es so schön: „Hinterher ist man immer klüger“.
    Ich jedenfalls bin dankbar, dass es trotz „Kampfabstimmung“ eine Unterstützung der Vereine durch die Gemeinde gibt, und freue mich auf möglichst viele Besucher und Interessierte am 30.06. auf dem Freizeitgelände.

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