Echinger Kulturtage: „Geld und Kunst“

Kunst für alle im Dienst des Kapitalismus

von Sybille Schmidtchen

Animiert durch den Beitrag des Echinger Geld-Experten Josef Gerber erinnerte ich mich an jene Geldscheinserie, mit denen ich 30 Jahre meines Lebens meine Einkäufe tätigte, nämlich die DM-Scheine mit den Portraits  berühmter Maler. Sie schienen mir als ein deutlicher Beweis für einen Zusammenhang zwischen Kunst, Kultur und Geld und inspirierten mich zu dieser kleinen Abhandlung.    

„Kunst ist unser aller Währung, oder richtiger: Kunst ist auf der Währung. Kein Bildträger auf der Welt hat mehr Verbreitung gefunden, keine Werkgattung wird von so vielen Menschen so sehr geschätzt und so eifrig gesammelt wie der Geldschein.“ (Sven Behrisch in der „Zeit“, 2016)

Es lohnt sich, Geldscheine nicht nur unter monetären Gesichtspunkten zu betrachten, denn sie bieten durchaus die Möglichkeit, sich auch kunsthistorisch weiterzubilden.

Die von der Deutschen Bundesbank im Zeitraum von 1960 bis 1965 ausgegeben Banknoten trugen die Bezeichnung „Gemäldeserie“, weil als Vorlage für die Vorderseite schwer nachzuahmende Portraits bekannter Persönlichkeiten aus alten und kulturhistorisch anerkannten Gemälden verwendet wurden. Die  Serie wurde erst 1991 von einer Nachfolgeserie abgelöst, zum 30. Juni 1995 waren die Scheine nicht mehr im Auslauf.

5-DM-Schein: „Die Junge Venezianerin“ nach einem Gemälde von Albrecht Dürer aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien.

10-DM-Schein: Frühes Bildnis von Lucas Cranach dem Älteren in landgräflich-hessischem Privatbesitz.

20-DM-Schein: Die Nürnberger Patrizier- und Kaufmannsfrau Elsbeth Tucher nach einem Gemälde von Albrecht Dürer in der Gemäldegalerie „Alte Meister“ im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel.

50-DM-Schein: Männerporträt nach dem Gemälde „Bildnis des Hans Urmiller mit seinem Sohn“ von Barthel Beham im Frankfurter Städel-Museum.

100-DM-Schein: Der Kosmograph Sebastian Münster nach einem Gemälde von Christoph Amberger in der Gemäldegalerie in Berlin.

500-DM-Schein: Männerporträt nach dem Gemälde „Bildnis eines bartlosen Mannes“ von Hans Maler zu Schwaz im Kunsthistorischen Museum Wien.

1000-DM-Schein: „Männerporträt“ entweder des Magdeburger Domherrn Johannes Scheyring oder möglicherweise des Mathematikers und Astronomen Johannes Schöner nach einem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel.

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3 Lesermails

  1. Schöner Artikel zum Abschluss der Kultur-Tage 2020. Möchte noch erwähnen, dass es international noch sehr viele Beispiele zur Malerei gibt. Bis hin zur Mona Lisa abgebildet auf einer Banknote aus Costa Rica, gemalt von Leonardo da Vinci, abgebildet auf einer Banknote aus Italien.

  2. Da habe ich nun viel Neues erfahren. Geld und Kunst, aus der Perspektive habe ich die Geldscheine noch nie betrachtet. Warum eigentlich nicht? Es lag so oft in meiner Hand ~ und dies nicht nur sprichwörtlich.

    1. Ja Herr Ganter,

      jeder Geldschein hat eine Geschichte und erzählt eine Geschichte, man muss sie nur entschlüsseln. Ich behaupte, Geld ist das 5. Element…

      Versuchen sie mal, ohne Geld zu Leben. Geld = Kultur

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