Kirche, Wirtshaus – und Bürgersaal

Die Günzenhausener sollen sich zu Feiern und Veranstaltungen weiter im Dorfkern treffen können. Die Gedankenspiele im Rathaus, einen neuen Bürgersaal ins neu entstehende Feuerwehrhaus zu integrieren, sind vom Tisch. Mit 24:1 Stimmen entschied der Gemeinderat, neben dem Dorfgasthaus ein eigenes Veranstaltungsgebäude mit etwa 180 Quadratmeter großem Saal zu errichten.

Eine Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Merz zerstreute weitgehend die bisherigen Bedenken, dass der Platz im Hinterhof der Gaststätte, in extremer Hanglage und in direkter Nähe zur fragilen Friedhofsmauer nur mit höchsten Schwierigkeiten überhaupt zu bebauen wäre. Etwa 400.000 Euro wurden als Zusatzkosten ausgewiesen, die Grundverhältnissen und Rücksicht auf Kirche geschuldet seien.

Für den eigenständigen Saal-Neubau werden somit Kosten von etwa 2,1 Millionen Euro erwartet, der Einbau ins neue Feuerwehrhaus hätte dort Extra-Kosten von 940.000 Euro verursacht. Die Günzenhausener Vereine hatten sich aber so klar positioniert, dass sie lieber keinen Saal hätten als einen im Feuerwehrhaus.

„Der bessere Standort“

„Das ist für uns keine Lösung“, sagte Peter Reiss, Zweiter Vorsitzender des Bürgerforums GOD. Dies sei „kein Undank“, betonte er, sondern „ein ehrlicher und fairer Umgang mit der Gemeinde“. Es sei einfach „nicht zu verantworten, Geld für diesen Saal auszugeben“.

Der Saal in der Ortsmitte beim Wirtshaus sei „der bessere und richtige Standort“, bilanzierte Reiss, er bedeute „eine Stärkung der Ortsmitte, die Möglichkeit einer optimalen Bewirtung und lässt uns unsere vielfältigen Traditionen weiter pflegen.“

Die beinharte Position der Vereinde und die Ergebnisse der Studie sorgten dann im Gemeinderat für einhellige Zustimmig. Man dürfe „nicht den Fehler machen und es besser wissen wollen, was den Nutzern zu gefallen hat“, respektierte Stefanie Malenke (SPD) das Votum der Dorfvereine.

Am Neubau besteche neben der Akzeptanz durch das Dorf die Verzahnung mit der benachbarten Wirtshaus. Eine kostengünstigere Lösung sei „nicht immer die wirtschaftlichere“, erinnerte sie. Die ersten Pläne würden entgegen bisheriger Befürchtungen „wirklich nicht nach Notlösung ausschauen“.

„So was braucht Günzenhausen“, sagte Tobias Exner (CSU). Die Mehrkosten müsse die Gemeinde in die Hand nehmen, „damit das Vereinsleben weiter läuft.“ Heinz Müller-Saala (FDP) nannte die Option im Feuerwehrhaus „grottenschlecht“. Für Günzenhausen sei ein Mehraufwand vertretbar, denn der Ort habe „nur sehr wenig bekommen seit der Eingemeindung“.

Christoph Gürtner (FW) freute sich über „die sinnigste Lösung für den Ort“. Für die Bewirtung des Saales sei die Nähe zum Wirt „die geschicktere Lösung“ und die im Feuerwehrhaus nötige „Verflechtung von Funktionen“ habe oft Nachteile.

SPD-Sprecher Carsten Seiffert räumte offen ein Umdenken ein. Er habe der Machbarkeitsstudie zugestimmt „in der festen Überzeugung, dass sie erbringt, dass es nicht funktionieren wird“. Jetzt habe er aber „dazugelernt“ und unterstütze den Saal. Leon Eckert (Grüne) erinnerte, dass die Ansiedlung im Feuerwehrhaus „die pragmatischte Lösung“ gewesen wäre, aber man sei schlecht beraten, „etwas gegen die Nutzer zu planen“.

Die einzige Gegenstimme kam von Georg Bartl (CSU), der „zu viele Risiken“ in dem Projekt sah. So zweifelte er die dargestellt mühelose Bebaubarkeit stark an, außerdem sah er erhebliche Probleme in der Verflechtung zwischen Gemeinde als Verpächter, Gasthaus als Co-Nutzer und Vereinen.

Viele offene Fragen

Auf zahlreiche offene Fragen verwiesen auch SPD und Grüne. „Das ist jetzt nicht der Beschluss zum Bau, sondern erst der Anfang des Prozesses“, mahnte Eckert. Bürgermeister Sebastian Thaler wies darauf hin, dass angesichts dieser Fragen und dem Neustart der Planung der neue Saal „definitiv nicht so schnell wie im Feuerwehrhaus“ entstehen werde.

Die Gemeinde will nun zunächst das Pachtverhältnis mit den Eigentümern regeln. Für die Erbengemeinschaft, die das Areal besitzt, hatte Hans Kratzl eine kostenlose Überlassung zugesagt. Allerdings müssen für die Erschließung des Saals auch Parkplätze der Gaststätte genutzt werden und die werden mittelfristig reduziert, wenn die Erbengemeinschaft die Brachfläche im Wirtshof nutzt.

Der künftige Pächter des gerade renovierten Gasthauses soll nach den Ideen den Saal für eigene Veranstaltungen mit nutzen können. Hier müsse dann aber die Abstimmung mit den Veranstaltungen der Vereine festgeschrieben werden.

Carsten Seiffert regte an, in die Trägerschaft des Projekts die Vereine und die Erbengemeinschaft einzubeziehen, eventuell als Genossenschaft. So könnten diese Abstimmungsfragen optimal gelöst werden.

So könnte der Saal aussehen

Die Grafik der Gemeinde zeigt eine mögliche Saalkonstruktion (in braun) ebenerdig mit dem Biergarten. Der Eingang führt von der Ringstraße her, die etwa drei Meter tiefer liegt, über ein Untergeschoss mit Foyer und allen Funktionsräumen (links unten im Bild ist der Eingang zum Schützenstüberl/gelb; das Gebäude im Hintergrund ist die Gaststätte).

Bei Veranstaltungen mit einer Bühne könnten 136 Sitzplätze mit Tischen oder 177 bei Reihenbestuhlung Platz finden, ohne die mobile Bühne einige mehr. Das Gebäude soll etwa 18 Meter lang und zehn Meter breit werden und ein Pultdach erhalten.

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