Jetzt hat Eching die Wahl

Alle Karten sind jetzt auf dem Tisch; das Tableau der Kandidaten für die Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr ist bereitet. Mit Sebastian Thaler (SPD, Grüne, „Bürger für Eching“, „Echinger Mitte“, ÖDP), Thomas Stüwe (FW) und Nora Kusch (CSU) stehen drei Bürgermeisterkandidaten zur Wahl, dazu haben acht ortspolitische Gruppierungen fünf Kandidatenlisten für den Gemeinderat mit zusammen 114 Bewerbern nominiert: CSU, SPD, FW, Grüne, FDP und auf einer gemeinsamen Liste „Bürger für Eching“, „Echinger Mitte“ und ÖDP.

Wurde mit Sebastian Thaler bei der vorerst letzten außertourigen Bürgermeisterwahl 2016 ein Kandidat gewählt, der zuvor nicht im Gemeinderat vertreten – und übrigens auch nicht in Eching wohnhaft – war, so fordern ihn nun zwei zwar ortsansässige Bewerber heraus, die aber erneut nicht aus dem Gemeinderat kommen.

Angesichts der üblicherweise klassischen Karriere vom Gemeinderat zum Bürgermeister ist es mindestens bemerkenswert, dass es unter 24 aktiven Gemeinderäten sich niemand zutraut – oder niemandem zugetraut wird -, Bürgermeister zu werden.

Nach dem radikalen Umbruch im Gemeinderat 2014, als bei den Wahlen exakt das halbe Gremium ausgetauscht wurde und sich die Zahl der Gruppierungen verdoppelte, ist 2020 nicht zwangsweise Konsolidierung angesagt. Mit sechs amtierenden Gemeinderäten tritt schon ein Viertel des Gremiums aus freien Stücken nicht zur Wiederwahl an. Wenn der Wähler nun auch nur eine Handvoll Amtierender nicht bestätigt, ist der nächste Radikalschnitt da.

Allerdings könnte es auch ein kleineres „zurück in die Zukunft“ geben, denn mit Heinz Müller-Saala (FDP), Kerstin Rehm (CSU) und Carsten Seiffert (SPD) kandidieren drei Ex-Gemeinderäte auf aussichtsreichen Listenplätzen wieder, die schon vor 2014 aus jeweils freien Stücken ihren Abschied genommen hatten.

Mit der Listenverbindung von „Bürgern für Eching“, „Echinger Mitte“ und ÖDP hat sich zumindest schon eine Konsolidierung des Angebots ergeben, statt sieben Listen wie 2014 werden 2020 nur fünf Listen zur Wahl geboten, obwohl mit der ÖDP eine Gruppierung neu im Rennen ist.

Bemerkenswert auch, dass Thaler gleich fünf Gruppierungen hinter sich versammeln konnte. Diese „FoT’s (Friends of Thaler)“ haben damit wahltaktisch freilich den Nachteil, dass sie keinen Bürgermeisterkandidaten als Stimmensammler auf ihrer Liste haben. Da den Bewerbern ums Bürgermeisteramt im Vorfeld mehr Aufmerksamkeit zukommt als den Gemeinderatskandidaten, sammeln sie auch auf den Listen in der Regel überproportional Stimmen, obwohl das irrational ist, da es sich um unterschiedliche Wahlen handelt. Diese Stimmen nehmen die FW mit Stüwe und die CSU mit Kusch mit, die „FoT’s“ müssen auf Thaler-Stimmen verzichten.

Unter den Gemeinderäten, die zur Wiederwahl antreten, hat Georg Bartl (CSU) am Wahltag 24 Jahre im Gemeinderat auf dem Buckel, Otmar Dallinger (FW) 16 Jahre, Simon Schindlmayr (CSU) und Bertram Böhm (sechs für SPD, sechs für die „Echinger Mitte“) jeweils 12 Jahre, Christoph Gürtner (FW) elf Jahre, Oliver Schlenker (FW) neun Jahre, Irena Hirschmann sieben Jahre (2002/03 SPD, 2014-16 „Bürger für Eching“, 2016-19 fraktionslos, seit 2019 FDP), Leon Eckert (Grüne), Tobias Handschuh (FW), Michaela Holzer („Bürger für Eching“), Thomas Kellerbauer (CSU), Heike Krauß (CSU), Siglinde Lebich (Grüne), Stefanie Malenke (SPD) und Bernhard Wallner (CSU) jeweils sechs Jahre, Herbert Hahner (SPD) und Robert Hiermansperger (CSU) je zwei Jahre und Anette Uebach (CSU) eineinhalb Jahre.

Seiffert war bereits von 1985 bis 2004 19 Jahre Gemeinderat, Müller-Saala von 1990-96 und 2008-14 zwölf Jahre im Gremium und Rehm von 2008 bis 2014 sechs Jahre.

Nicht mehr kandidieren werden Hans Grassl (FW) nach 30 Jahren im Gemeinderat, Sybille Schmidtchen (SPD) nach 24 Jahren, Anette Martin (SPD) nach 19 Jahren, Gertrud Wucherpfennig (SPD) nach 12 Jahren und Sylvia Jung („Bürger für Eching“) sowie Gottfried Riedmeier (CSU) nach jeweils sechs Jahren.

Alles zur Kommunalwahl steht in der echinger-zeitung.de jederzeit unter der Sonderrubrik „Kommunalwahl 2020“.

3 Lesermails

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Herr Bachhuber geht in seinem Artikel auf den Umstand ein, dass die Kandidatin der CSU und Tom Stüwe bei den Freien Wählern sich sowohl für das Bürgermeisteramt als auch für den Gemeinderat aufstellen lassen. Dabei spricht er von Stimmensammlern, die irrational viele Stimmen bekommen. Sind es doch schließlich 2 getrennte Wahlen.
    Dabei halte ich es für äußerst begrüßenswert, dass 2 der 3 Bürgermeisterkandidaten mit ihrer Bereitschaft, auch für den Gemeinderat zu kandidieren, eines ganz klar zum Ausdruck bringen: „Ich möchte mich, sollte es nicht für das Bürgermeisteramt reichen, für unsere Gemeinde ehrenamtlich im Gemeinderat engagieren.“
    Dies gilt es besonders gegenüber dem Amtsinhaber hervorzuheben, der seinerseits sich für das Bürgermeisteramt nur unter Vorbehalt zur Wiederwahl stellt und einen möglichen Amtsantritt von der Zusammensetzung des Gemeinderats abhängig macht. Aber so setzt eben jeder seine Prioritäten…

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christoph Gürtner (GR, FW)

    1. Lieber Christoph,
      wenn man sieht, was in den letzten Jahrzehnten in Eching so entschieden wurde (meist mit Mehrheit von CSU und Freien Wählern), da muss man sich schon wundern. Von Feuerwehr- und Bürgerhaus-Sanierung bis hin zu einem fehlenden langfristigen Plan, wie Eching sich entwickeln soll, gibt es vieles, was nicht passt und in der Vergangenheit nicht oder falsch angepackt wurde. Vor allem fehlt es an einer Vision für Eching! Es ist doch positiv, dass Herr Thaler nicht nur ein Verwalter sein will, sondern was bewegen möchte. Das kann er aus Erfahrung leider nicht mit CSU und FW. Würde mich aber freuen, wenn das zukünftig anders wäre und eine für Eching überparteiliche Zusammenarbeit möglich wäre.
      VG Benjamin

      1. Lieber Benjamin,
        in zwei Punkten muss ich dir widersprechen. Wir Freie Wähler haben Visionen und verfolgen diese auch beherzt. Aufgrund dessen wurden in der Vergangenheit auch viele gute Entwicklungen in die Wege geleitet.
        2. Unsere Gemeinderäte sind Freie Wähler und stimmen nach ihrem Gewissen ab, so lassen wir uns vor keinen Karren spannen.
        BG Josef Gerber

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